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Dienstag, 14.07.2015

Von den beiden Weckern, die ich mir auf 4 Uhr gestellt habe, macht einer nur ganz kurz piep. Glücklicherweise kennt der andere Wecker seine Pflichten besser. Den ersten Kaffee gibt gibt's auf dem Hauptbahnhof in Düsseldorf - aber nur einen Schluck, da ich den Becher umkippe. Dann läuft alles wie gewohnt - 1. und 2. Frühstück im Thalys in der ersten Klasse (man gönnt sich ja sonst nichts), umsteigen in Paris wie immer mit Bahnhofswechsel. Im Zug nach Angers will mir eine junge Familie meinen Platz streitig machen, aber ich möchte nicht rückwärts fahren (wie schon im Thalys) - ich will nach vorn schauen !!! In Angers klappe ich mein Faltrad auseinander und ab geht's. Ist ja doch etwas Anderes mit vollgepacktem 60-Liter-Rucksack auf dem Rücken und einer Packrolle mit Zelt auf dem Gepäckträger, aber es geht besser als gedacht. Allerdings habe ich weder Nahrung noch Getränke bei mir, da ich ja eigentlich in Bouchemaine (nahe bei Angers) übernachten wollte, was ich dann doch nicht mache. Ich drehe eine  Runde über den Platz in Gedenken an Reinhard, meinen vor ca. 2 Jahren verstorbenen Lebensgefährten, und fahre dann zur Loire. Dort nehme ich die rechte Seite stromaufwärts ab St.-Jean-de-la-Croix bis Saint-Remy-la-Varenne und wechsele wieder auf die linke Seite des Flusses nach St. Mathurin sur Loire. Dort ist ein kleiner Campingplatz, wo nur Radfahrer drauf sind. Getreu der Anleitung  baue ich mein Zelt auf und freu mich als es steht. Erst jetzt realisiere ich so richtig, was mich erwarten wird. Bei der Ankunft habe ich gesehen, dass im ganzen Ort Flohmarkt ist. Ich bekomme auch was zu essen und zu trinken. Der kleine Supermarkt hat geschlossen und um 20 Uhr fängt Livemusik an. Ich wundere mich, wieso mitten in der Woche Volksfest ist. Später erst merke ich, dass Nationalfeiertag ist (hatte ich total vergessen.)

 

Mittwoch 15.07.2015

Viel geschlafen habe ich nicht. Wegen des Nationalfeiertages gab es nachts noch Feuerwerk. So ein tolles Feuerwerk  habe ich noch nie gesehen. Und hinterher wurde ich bis nach 2 Uhr beschallt, da das Dorffest in 100 m Entfernung tobte. Gegen 3 Uhr morgens muss ich dann endgültig eingeschlafen sein, nachdem "The Lion sleeps tonight" gespielt worden war. 6 Uhr wurde ich von einer spektakelnden Taube im Baumgeäst über mir geweckt. Dann fingen die Nachbarn an zu quasseln und die Kirchturmuhr fing dreimal immer ein anderes Bimmelprogramm zu spielen an.

Schließlich stehe ich auf, trinke einen lauwarmen Nespresso und frühstücke Baguette, Räucherwürstchen und Melone - letztere ein Geschenk von meinem netten französischen Nachbarn, mit dem ich am Abend zuvor im Dunkeln ergebnislos eine Schraubenmutter im Gras gesucht habe. 10 nach 9 bin ich mit dem Zusammenpacken fertig und ich starte in Richtung Saumur. Eigentlich wollte ich hier auf einem Campingplatz übernachten, aber hier ist nichts. Als ich den Camping municipal endlich gefunden habe, bin ich schon mehrere Kilometer vom Ort entfernt. Er hat geschlossen. Also fahre ich weiter zum nächsten. Der hat fünf Sterne und würde mich 33 Euro kosten. Das ist mir entschieden zu viel. Zähneknirschend schwinge ich mich wieder auf's Rad und radle in der sengenden Sonne weiter bis Montsoreau. Als ich einchecke, sind die Radlerplätze noch alle frei. Das wird sich aber im Laufe des Nachmittags ändern. Erstmal bau ich auf und gehe einkaufen. danach laufe ich zum Schloss hoch. Wieder auf dem Platz genieße ich die Annehmlichkeiten eines Swimmingpools. Das tut gut! Da der Platz immer voller geworden ist, fahre ich am Abend nochmal los nach Candes St. Martin. Dort kenne ich einen Camping municipal aus den Zeiten mit Reinhard. Ich hätte heute Nachmittag die 5 km noch ranhängen sollen. Es ist nämlich kaum jemand hier und 6,50 € billiger.

 

Donnerstag, 16.07.2015

Wider Erwarten kehrte gestern zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr plötzlich Ruhe auf dem Platz ein. Heute Morgen ging es zwar schon vor 7 Uhr los, aber das ist bei Radfahrern Usus. Auch ich bin um 9 abfahrtbereit. Ich habe mich entschieden nach Chinon zu fahren, da mich nur noch 45 km von Tours trennen und dort muss ich erst in einer Woche sein. Es ist schwül und ich quäle mich die 20 km bis Chinon. Dort finde ich auch gleich den Campingplatz. Gegen 11 Uhr logge ich ein, bau mein Zelt auf und laufe in die Stadt. Super, es ist Markt und so schlendere ich gemütlich darüber. Danach wandere ich durch das alte Chinon, das übrigens nicht an der Loire sondern an der Vienne liegt,  mit seinen Gässchen und mittelalterlichen Häusern. Die Burg werde ich erst morgen besuchen. Heute bin ich zu k.o. Auf einer kleinen Mauer am Rande der Stadt halte ich im Schatten ein Nickerchen und kehre anschließend zu meinem Zelt zurück. Mit Erschrecken stelle ich fest, dass hinter der Hecke eine Familie mit sehr rüdem Umgangston Quartier bezogen hat. Also ziehe ich um - eine gute Entscheidung. Meine neuen Nachbarn sind sehr zuvorkommende und hilfsbereite Engländer und Franzosen. So  Frau allein mit Zelt und Fahrrad scheint doch irgendwo anrührend zu sein. Ich relaxe, besuche anschließend nochmal mit dem Rad die Stadt und fahre ziellos umher. Ich freu mich schon auf's Abendbrot, meine Lebensmittel sind bei Nachbars im Kühlschrank. Nach dem Abendbrot laufe ich zur Burg hoch und noch weiter. Schließlich bin ich halbelf wieder auf dem Platz.

 

Freitag, 17.07.2016

Um sieben werde ich wach durch ständige Türknallerei. Eine sehr junge Frau ist am Hantieren, aber statt die Türen ihres Autos einfach offen zu lassen, weckt sie alle ringsum. Bis 8 Uhr lese ich, dann krieche ich auch aus dem Zelt mit bösem Blick zu der Frau. Die Engländer gegenüber grüßen mich freundlich und bieten mir Tee an. Ich frage nach heißem Wasser für mein Kaffeepulver. Wird erledigt. Leider reisen sie heute ab. Ich bleibe und kann deshalb ohne Gepäck Toren machen. Der trübe Himmel reißt auch bald auf, als ich auf dem Weg nach Richelieu bin - einer Stadt, die der berühmte Kardinal gleichen Namens nach seinen Plänen bauen ließ. Ich nehme mir viel Zeit für zur Besichtigung des Ortes und des angeschlossenen riesigen Gartens, in dem ich fast allein bin und in dem ich einsam meine Mittagsmahlzeit einnehme - Champignonquiche und zwei süße saftige Nektarinen vom Markt. Dann mache ich mich auf den Rückweg, ziehe mich um  und laufe zur Burg hoch. Die 8,50 € Eintritt sind es wert. Es ist alles sehr interessant gestaltet und sämtliche Türme sind nach oben und unten begehbar. Ich laufe unzählige Stufen auf und ab - das hatte ich nicht erwartet. Und ich fühle mich heute chic. Habe mir nämlich auf dem Weg zur Burg ein Kleid gekauft - ziemlich kurz und auf Figur gearbeitet, das ich gleich anbehalten habe. Von der Burg wieder zurück, schwinge ich mich nochmals auf's Rad und fahre einkaufen. Ich brauche Verbandszeug, weil ich eine offene nässende Stelle an der Hand habe, deren Herkunft mir unklar ist. Und ein wenig Verpflegung ist auch nicht schlecht. Nach dem Abendessen laufe ich wieder zur Burg hoch. Vielleicht ist die eine Bank frei, die ich dort oben entdeckt habe - mit schönem Blick über das Tal und schön zum Tagebuch schreiben. Oben treffe ich ein deutsches Paar (Stuttgart + Eritrea), mit dem ich eine Weile quassele. Es ist sehr nett. Danach nehme ich im kühlenden Abendwind Platz auf meiner Bank und schreibe.

 

Samstag, 18.07.2015

Es sieht verhangen aus. Ergo packe ich die Regensachen ein und starte gegen 9.45 Uhr - ohne Gepäck, da ich eine weitere Nacht bleiben werde. Es ist angenehm kühl. In der Gegend, durch die ich fahre, hat es stärker geregnet. Pfützen stehen auf den Straßen. Auf der Veloroute, die wesentlich länger ist als die direkte Straße, komme ich durch hübsche Dörfer. Eines davon ist Crissay-sur-Mense - ein  Ort zum Träumen. Kurz danach erwischt mich die Defekthexe. Ich verschalte mich beim Fahren komplett und wundere mich, dass, wenn ich einen Gang höher schalte, die Ganganzeige niedriger angibt und umgekehrt. ??? Irgendwann entdecke ich den Fehler. Die Kette liegt nicht mehr über dem Antriebszahnrad sondern daneben. 10 Minuten später sitze ich wieder im Sattel - mit ölverschmierten Händen, da ich ja mitten in der Pampas bin. Ich konnte die Finger nur notdürftig mit etwas Heu abrubbeln. Nach gefühlten 10 km - es sind aber nur 35 km - komme ich in Azay-le-Richelieu an und kaufe mir zuerst etwas Leckeres in einer Patisserie. Als die Verkäuferin meine Hände zieht, reicht sie mir Desinfektionstücher zum Reinigen. Ich besichtige das Schloss, das momentan leider eingerüstet ist. Der Dichter Balzac beschrieb es als rautenförmig geschliffenen Diamanten, der in den Indre (Fluss) eingesetzt wurde. Nachdem ich mir auch noch das Dorf angeschaut habe, fahre ich auf direktem Weg nach Chinon zurück. Das ist die D751 - dreispurig und ein einziges Auf und Ab, aber nur 21 km. Die letzten 5 km davon - es ist inzwischen wieder sehr warm - muss ich ohne Wasser auskommen. Schließlich erreiche ichden Campingplatz, stürze mich an die Wasserleitung und anschließend samt Kleidung unter die Dusche. Zum Wechseln habe ich mir meinen Bikini mitgenommen. Als ich mich anziehen will, fehlt die Hose. Die muss ich wohl verloren habe. Also schlinge ich mir mein Badetuch um die Hüften und suche auf dem Weg zum Zelt meine Hose. Nix! Ich ziehe was Anderes an und gehe nochmal suchen. Nix! Merde! Nun gut, ein bisschen Schwund ist immer. Muss ich mir wohl einen neuen Bikini oder Badeanzug kaufen. Ich ziehe mein Kleidchen an - ich kann ja nicht nur noch im Fahrraddress herumlaufen - , hole mir in der Stadt ein leckeres Teilchen, setze mich irgendwo am Fluss hin und beobachte das Treiben. 100 Meter entfernt spielt eine Jazzkapelle. Noch zweimal werde ich heute im Städtchen sein. Es ist Nocturne gourmanche - Köstlichkeiten und Künstler. Ein Haarkünstler zaubert (kostenlos!)  Mädchen und jungen Damen wunderbare Kreationen auf den Kopf - alles gemacht als wäre er ein Meisterkoch. Es ist lustig. Ansonsten gibt es viele Leckereien - italienische, orientalische und natürlich französische. Spätabends wandele ich dann noch durch die Gassen und genieße dort die Ruhe. Der Campingplatz wirkt heute Abend auch noch recht ausgestorben, da die meisten Camper in der Stadt sind. In Ruhe mache ich mein Zelt nachtfertig. Ich werde noch eine Runde lesen und dazu Wein trinken. Irgendwie muss ich an meinen Weinpott gekommen sein. Im Zelt ist eine Pfütze und der Wein unter die Isomatte gelaufen. Ich habe nur mein schwarzes Sportunterhemd in Griffnähe, das saugfähig ist und alle Flüssigkeit aufnimmt. Im Zelt wird man allerdings jetzt allein vom Riechen besoffen. Ich habe Glück im Unglück. Kaum bin ich nach dem Ausspülen des Hemdes wieder im Zelt und in der Liegeposition, geht ein Regenschauer herunter. Macht ganz schön Krach, wenn das Dach nur 90 cm vom Erdboden entfernt ist.

 

Sonntag, 19.07.2016

Heute ist und bleibt es bewölkt. Ich überlege kurz, ob ich abreisen soll, entscheide mich dann aber doch für's Bleiben. Ich werde einen Bummeltag einlegen - ohne größere Touren. Außerdem tätige ich Überlegungen mit Zug oder Bus weiter zu fahren, um dann vom nächsten Zielort ohne Gepäcke die Gegend zu erkunden. Also laufe ich zum Bahnhof und zur Bushaltestelle um nachzuschauen - es wäre möglich ! Auf dem Rückweg bummele ich über den Flohmarkt, der entlang des Flusses aufgebaut ist. Schade, dass ich nicht mit dem Auto hier bin, denke ich, ich hätte einge tolle Sachen kaufen können. Danach wandere ich hoch zu den Höhlenhäusern. Die Höhlen sind noch von früher, die ersten Bewohner hausten hier. Heute sind einige der Höhlenhäuser dem Verfall Preis gegeben, aber andere sind wahrlich Schmuckstücke. Es ist schon interessant, was man so aus einer Höhle auf seinem Grundstück machen kann. Wieder zurück auf dem Campingplatz sehe ich mit Bedauern, dass meine französischen Nachbarn gerade abreisen. sie waren vor allem abends so schön ruhig, obwohl sie Kinder dabei hatten. Hoffentlich kommen jetzt keine Radauleute in der letzten Nacht. Ich setze mich  in Ruhe hin und schreibe die Ereignisse des gestrigen Tages auf, da ich dazu bisher keien Lust hatte. Es ist erst halbzwei nachmittgas, also noch mindestens 10 Stunden, die ich herumkriegen muss. Daher schnappe ich mir nun doch mein Rad und fahre nach L'Ile Bouchard. Leider hat die Kirche - angepriesen in meinem Reiseführer - zu. Dieselbe Situation finde ich später in Tavant. Noch dazu erwischt mich ein Regenschauer - ich kann mich nicht unterstellen - und Westwind...und ich muss gegen den Wind fahren. Alte Radfahrerweisheit: fahre nie von Ost nach West . Genau deswegen fahre ich ja von Angers nach Orleans und nicht umgekehrt wie so viele hier. Danach geht es wieder nach Chinon, ich esse auf dem Flohmarkt Kebab und Pommes. Auf dem Campingplatz habe ich neue Nachbarn, die sehr laut mit anderen quatschen. Also hau ich wieder ab und begebe mich nochmal in die Stadt, schlendere gemütlich durch die Gassen des Ortes. Ich entdecke immer wieder neue Details und nehme auch langsam Abschied. Schön war es hier! Mir ist schon alles so vetraut. Könnte mir gut vorstellen hier zu leben. Die nächsten zwei Stunden verbringe ich vor meinem Zelt und nicke kurz ein. Gleich werde ich auch letztmalig zur Burg hochlaufen und den Ausblick genießen.

P.S. Meine Bikinihose ist wieder da. Irgendwer hatte sie gefunden und im Wäschetrockenbereich abgelegt. Habe sie entdeckt beim Befüllen meiner Trinkflasche.

 

Montag, 20.07.2016

Nachbars hätte ich heute Nacht am liebsten ohne Rückfahrkarte auf den Mond geschossen. Bis nachts halbeins haben sie palavert. Ich bin schon um sieben Uhr wach und fange gleich an zu packen. Um 9 Uhr bin ich abfahrbereit, um 10 Uhr bereits in Rigny-Usse, wo ein - für mich das verträumteste - Schloss steht, das ich aber nur von außen fotografiere. Es ist schwül trotz der Kühle. Und dann fängt es stärker an zu nieseln. Ständig kommen mir Radfahrer entgegen, die wie ich zwar ihr Gepäck gegen Regen geschützt haben, sich selbst aber nicht. Alle scheinen das Wasser auf der Haut  zu genießen. Am späten Vormittag erreiche ich Langeais und fahre gleich zum Campingplatz. Er ist fast leer. Nur in einer Ecke stehen zwei Wohnmobile. Ist ja sehr einsam hier. Während ich eine eventuelle Weiterfahrt erwäge, erscheint noch ein Radfahrerpärchen. Also bleibe ich, baue in  Sichtweite mein Zelt auf und schaue mir anschließend Langeais an. Ich bin enttäuscht.  Chateau gucken habe ich keine Lust, also werde ich mal ein wenig Vergangenheit aufleben lassen und nach Villandry fahren, das ein sehr schönes Chateau und eine wunderbare Gartenanlage hat. Das alles habe ich 2008 zusammen mit Reinhard besichtigt. Sentimental werde ich zum Glück nicht, aber ein bisschen ist es, als wäre er bei mir. Ich erinnere mich, wie wir damals an einem sehr heißen Tag unter Weinranken im Schlosspark dahin schlenderten. Bei dem akrobatischen Versuch, auf meinem Fahrrad stehend über eine der hohen Mauern, die den gesamten Park umgeben, doch nochmal einen besseren Blick zu erhaschen, schramme ich mir zwar die Nase ein wenig auf, da das Fahrrad sich plötzlich selbständig macht, aber es lohnt sich. Dann geht es zurück zum Campingplatz. Inzwischen sind schon mehr Leute da. Unweit meines Zeltes haben sich Engländer aus Manchester niedergelassen. Wahrscheinlich hat sie mein Zelt aus englischer Produktion animiert. Sie sind von Manchester über Dover, Paris,  Strassbourg geradelt, wollen noch bis zur Mündung der Loire in den Atlantik und von dort über St. Malo im Norden der Bretagne wieder zurück nach Manchester fahren. Wir haben einen sehr netten Abend, plaudern, essen, Kuchen mit Creme fraiche. Um 23 Uhr liegt der Platz in tiefer Stille. Man merkt, dass fast nur Radfahrer hier sind, denn die sind Frühaufsteher und abends nach der Bewegung an frischer Luft einfach nur müde.

Heute habe ich in Langeais noch einen alten VW-Bus getroffen mit Kölner Nummer - darin zwei junge Lehrerinnen mit je einem Kind. Es stellte sich schnell heraus, dass eine der Frauen aus Düsseldorf stammte. Eigentlich wollten sie auf meinem Campingplatz übernachten, der aber überhaupt nicht kindergerecht ist. Auf meine Empfehlung sind sie dann dankbar nach Chinon abgedüst, das ja nicht so weit weg ist.

 

Dienstag, 21.07.2015

Wie immer entscheide ich erst am Morgen, wo es hingehen wird - diesmal sogar erst unterwegs. Da ich den Weg nach Südost nicht finde, fahre ich die Cher entlang nach Tours und finde sogar den ins Visier genommenen Campingplatz. Es ist Gott sei Dank noch kühl während der Fahrt, aber man schwitzt trotzdem. Die Nacht war ziemlich warm. Auf dem Weg ist heute Hochbetrieb - vor allem in der Gegenrichtung. Oft werde ich staunend angeguckt. Ist ja bestimmt auch ein ulkiges Bild - Frau, Mitte fünfzig, mit Rucksack und Zelt auf dem Gepäckträger auf einem Faltrad. Ich falle auf und das ist gut so. Auf einem normalen Rad wandern kann ja jeder. In Tours baue ich mein Zelt auf - mein holländischer Nachbar, der schnell von englischer auf deutsche Konversation wechselt, borgt mir einen Hammer - und schwinge mich danach gleich wieder auf's Rad, um ins Zentrum zu fahren, das ca 25 Fahrradminuten entfernt ist. Vor der Kathedrale angekommen merke ich noch rechtzeitig, dass ich meine Fahrradschlüssel nicht bei mir habe. Stimmt, die hatte ich ja morgens bei der Abfahrt ausnahmsweise in den Rucksack gepackt und der liegt im Zelt. Was tun? Schlüssel zu holen habe ich keine Lust. Aber ich will mir doch die Kathedrale von innen ansehen. Ich wage es und stelle mein Rad in eine Nische zwischen die beiden Haupteingänge und verschwinde im Inneren. So schnell habe ich noch nie eine Kirche besichtigt. Ich treffe meine Holländer vom Campinplatz wieder und sie winken mir freundlich zu.  Juchhu, das Rad befindet sich noch immer an Ort und Stelle (und ziert jetzt bestimmt etliche Fotografien anderer Touristen).  Ich erobere Tours - eine Stadt mit einer großen Altstadt, in der es etliche enge Gassen und viele schöne Fachwerkhäuser gibt. Gleichzeitig halte ich Ausschau nach einer ganz bestimmten Bank, da ich Geld brauche und ich da kostenlos Geld abheben kann, da sie partnerschaftlich mit meiner in Deutschland verbunden ist. Da ich keine Filiale finde, rufe ich die Servicenummern in Deutschland an. die Computerstimme erzählt mir was von einer anderen Telefonnummer.  Ich bewaffne mich mit Zettel und Stift und rufe die alte nummer an, um mir die neue notieren zu können. Ich starte den dritten Versuch - diesmal die richtige Nummer - und die Computerstimme will die PIN meiner Bank wissen, als ich bejahe, dass ich Kunde der Bank bin. Himmelherrgottnochmal, die habe ich doch nicht bei mir. Habe die doch noch nie gebraucht. Beim vierten Versuch verneine ich einfach, dass ich Bankkunde bin und  und prompt bekomme ich endlich ein menschliches Wesen an die Stripp und drei Adressen. Ich bin von einer gar nicht weit entfernt, nur durch diese Gasse war ich bisher noch nicht gegangen. Stunden später fahre ich zurück zum Zelt, fahnde nach einem Internetladen, da ich kein Smartphone habe. Ich muss die Buchung des Hotels stornieren, das ich eigentlich von Donnerstag zum Freitag hier in Tours benutzen wollte. Meine Zeitplanung war ursprünglich eine andere. wusste ja nicht, wie ich auf dem Faltrad mit Gepäck auf dem Rücken vorankommen würde. Einen Laden mit Internet finde ich nicht und ich überlege, ob mein Sohn daheim für mich stornieren kann. Heute bis 22 Uhr ist der letzte Termin für Kostenfreiheit. Als ich auf die ausgedruckte Buchungsbestätigung in meinen Unterlagen schaue, entdecke ich eine Service-Telefonnummer. Schnell habe ich jemanden an der Strippe und die Stornierung erledigt. Super ! Jetzt kann ich anders planen. Vielleicht finde ich wieder eine schönen Platz, an dem ich mehrere Tage bleiben kann. Bis Orleans sind es nur noch 150 km und ich habe noch 10 Nächte im Zelt vor mir.

Die Sonne ist heute Nachmittag unerwartet auch noch erschienen, womit ich nicht gerechnet hatte. Nun habe ich über meiner Bräune einen sanften Rotton.

 

Mittwoch, 22.07.2015

Es gibt immer wieder Camper, die sich nicht an Regeln halten - so meine französischen Nachbarn hinter der Hecke.

Es gibt ein ungeschriebenes (manchmal auch geschriebenes) Gesetz, dass ab 22 Uhr nicht mehr abgewaschen wird. Viertel vor elf fiel  ihnen ein, nun endlich mal den Tisch abzuräumen und spülen zu gehen. Eine halbe Stunde später war Ruhe nebenan - sie sind glücklicherweise in ihrem Womo verschwunden - und auch Ruhe auf dem ganzen Platz, da es plötzlich anfing zu regnen und sich alle verkrochen haben.

Heute Morgen erwache ich schon  halbsieben , döse noch ein wenig und mache mir einen Kaffee. Als ich schon anfangen will zu frühstücken, fällt mir ein, was Reinhard mir immer eingebleut hat : erst packen - vor allem, wenn es nach Regen aussieht - und dann alles Andere. Ich lege mein Zelt trocken, packe zusammen und mache mich 20 nach 9 auf den Weg nach Amboise, durchstreife den Ort und begebe mich weiter auf Campingplatzsuche. In Amboise gäbe es zwar einen, aber vor dem wird in meinem Reiseführer gewarnt wegen Diebstählen. Also fahre ich weiter nach Limeray. Der dortige liegt wirklich in der Pampas, ist klein und mit Swimmingpool, der überwölbt ist und dadurch alles Geschrei so richtig schön laut ist. Ergo hau ich wieder ab und peile Onzain an. Die Fahrt ist anstrengend und toll ist der Platz auch nicht aber äußerst preiswert (4,62 €). Strom brauche ich ja nicht. Der Platzwart fragt noch ungläubig, ob ich denn keine Handy oder ähnliches laden müsste. Als ich verneine, bricht es aus ihm heraus : Aaah, yo make holyday ! Ich grinse und erwidere: Oui ! Der Boden auf dem Platz ist eine Katastrofe - knochenhart ! Die Häringe fürs Zelt bekomme ich nur mittels eines geborgten Hammers hinein. Einige sind hinterher ganz schön krumm. Dass ich jetzt so weit weg von Amboise bin, bedaure ich, da ich dort mir das Da-Vinci-Museum  im Schloss Clos Lucé ansehen wollte.

Was mache ich nun mit dem Rest des Tages? Auf der anderen Seite der Loire liegt Schloss Chaumont oben auf einem Plateau. Gibt es halt heute noch Schlossbesichtigung. Die Werbung besagt, dass zur Zeit auch das internationale Gartenfestival stattfindet.

Mit dem Schloss bin ich schnell fertig und auch mit dem großen Park - wo viel Kunst von Zeitgenossen steht . Bin ein wenig enttäuscht. Unter Gartenfestival hatte ich mir etwas Anderes vorgestellt. Ich bin schon auf dem Weg nach unten, überlege noch, was ich anstellen kann bis zur Nachtruhe. Ich kehre wieder um, da ich einen  kleineren Teil des Parks noch nicht gesehen habe. Hier oben ist es viel schöner als unten und man hat eine fantastische Aussicht. Es ist die richtige Entscheidung. Genau in diesem Teil des Parkes präsentiert sich das Gartenfestival. Jedes Jahr kommen im Schlosspark von Chaumont-sur-Loire um die dreißig Künstler und Landschaftsgärtner aus der ganzen Welt zusammen, um zeitgenössische Gärten nach einem bestimmten Thema zu kreieren. Es ist herrlich und inspirierend.

Danach geht es zurück zum Zelt und beim Abendbrot können sich meine Beine endlich erholen. Weil es erst halbzehn ist, laufe ich nochmal rüber nach Chambord, setzte mich auf eine Wiese an der Loire und schreibe Tagebuch. Eine Horde Reiter sprintet vorbei - vorwiegend Kinder. Man sieht  Pferden und Kindern  den Spaß am Galoppieren an.

 

Donnerstag, 23.07.2016

So langsam verliere ich das Zeitgefühl. Würde ich nicht jeden Tag aufschreiben, was ich erlebt habe, wüsste ich nicht, welcher Tag heute ist. Heute bin ich morgens so zeitig fertig, dass ich 8.15 Uhr starten kann. Allerdings habe ich noch nicht gefrühstückt, da ich dämlicherweise keine Milch eingekauft hatte. Das mache ich im Dorf und frühstücke auf einer Bank vor der Tourist-Info. Kaffee gibt es mangels heißem Wasser nicht...oder doch...mir kommt eine Idee. Ich kippe 2 Packungen (lösliches) Kaffeepulver in die Milchflasche, schraube sie zu und schüttele kräftig. Es funktioniert !!! Lecker Milchkaffee. Danach fahre ich weiter mit Kurs auf  Blois begleitet von der Hoffnung, endlich einen Campingplatz zu finden, an dem ich mehr als eine Nacht bleiben will. Fünf Kilometer vor Blois passiert etwas ganz Anderes. Auf dem Radweg ist die Durchfahrt zwischen zwei Pfählen sehr schmal und noch dazu sind diese höher als der Lenker. Ich bleibe mit dem Lenker hängen und in der anschließenden Flugphase denke ich kurz : gleich tut's weh, sch... das war's.Und dann tut es auch schon weh. Eine Autofahrerin hält sofort an, andere entgegen kommende Radfahrer stoppen auch. Währenddessen befreie ich mich von meinem Rucksack, da ich mir wie ein auf der Seite liegender Maikäfer vorkomme und mit ihm mich nicht erheben könnte. Alle sind sehr besorgt und können kaum glauben, dass ich nur zwei kleine Schürfwunden davon getragen habe. Sie helfen mir diese zu verpflastern und geben mich in die Obhut zweier weiterer Radfahrer, die auch Blois als Ziel haben. Dort trennen wir uns nach einer gemütlichen Fahrt mit englischem Smalltalk, weil ich erstmal zum Campingplatz will, um mein Gepäck loszuwerden. Der Platz ist groß und nicht sehr belegt und ich schlage mein Zelt in der hintersten Ecke in der Nähe eines Baumes auf. Da dort sonst kein Schatten ist, sind dort auch kaum Camper. Anschließend fahre ich15 Minuten  zurück bis zur Stadt. Blois gefällt mir. Es ist - wie der Dichter Hugo schrieb - wirklich "ein Durcheinander von eng beieinander stehenden Häusern, Türmen, einem Schloss, steinernen Giebeln usw."

Für 7 € könnte man eine Kutschfahrt machen - mir kommt aber eine bessere Idee. Ich zuckele einfach mit dem Rad in angemessener Entfernung, damit es nicht auffällt, hinter einer Kutsche her. So sehe ich das Wichtiste. Als ich meine Kutsche an einer Ampel verliere, kommt schon die nächste von hinten und meine Stadtbesichtigung geht weiter. Danach laufe ich noch Stunden durch die Straßen. Überall gibt es was zu entdecken.

In einer Apotheke mache ich mich verständlich - ich benötige eine Salbe gegen meine Sonnenallergie, die gerade anfängt. Die Apothekerin  macht mir klar, dass die Salbe auch gegen Insektenstiche hilft. Auf dem Rückweg muckert meine Gangschaltung, aber ich schaffe es im gleichen Gang fahrend um 19 Uhr wieder zurück zu sein, wasche fix Wäsche und eile zum Swimmingpool des nahegelegenen Sportzentrums, den die Camper mitbenutzen dürfen.  Tut das gut !!! Es ist Balsam für meine geschundenen Knochen. Später werde ich mir ein Bruscetta leisten, heute ein drittes Mal Baguette zu essen habe ich keine  Lust.

 

Freitag, 24.07.2016

Ist das schön, wenn man sich morgens Zeit lassen kann. Erstmal begutachte ich mein Rad. Warum muckert die Gangschaltung? Vielleicht fehlt es am fehlenden Schmierstoff. Meine österreichischen Nachbarn, mit denen ich mich gestern schon unterhalten hatte, sehen aus, als könnten sie Kettenöl haben. Haben sie zwar nicht, aber der männliche Teil zaubert aus der Versorgungskiste eine Flasche feinstes italienisches Olivenöl hervor und ölt einfach alle wichtigen Stellen meines Fahrrades damit. Dem scheint das zu gefallen, es läuft im wahrsten Sinne des Wortes alles wieder wie geschmiert. Halbzehn starte ich zum Schloss der Schlösser an der Loire. Die Straße, die ich entlang fahre, führt direkt durch eine Maueröffnung in das Terrain von Schloss Chambord. Die umgebende Mauer ist 32 km lang. Als Radfahrer darf ich direkt bis vor den Eingang fahren. Ich fange an mit der Besichtigung ohne mich vorher informiert zu haben. Nach einer Weile weiß ich nicht mehr, in welchem der vier Flügel bzw. in welchen Räumen (jeder Flüger hat etliche davon) ich noch nicht war. Ich hätte gleich am Anfang den Entreeraum mit den Bildschirmen aufsuchen sollen, auf denen in mehreren Sprachen (Untertitel) man sich das Wichtigste angucken konnte. Aber irgendwann habe ich das System auch so erfasst. Es ist beeindruckend. In der Mitte befindet sich eine Treppe besser gesagt, es sind zwei, die ineinander verschlungen sind. So hat man den Eindruck , man begegnet sich gleich...und trotzdem wird man sich nicht treffen. Die Treppenkonstruktion wird der Feder von da Vinci zugeschrieben. Nach der Schlossbesichtigung, bei der ich auch meinen Zeltplatznachbarn über den Weg laufe, durchstreife ich per Rad den Schlosspark und folge dabei der Route der Elektroautos, die man sich hier  für 20 € mieten kann. An einem Wildbeobachtungsstand hat leider eine lärmende Großfamilie ihren Picknickplatz aufgeschlagen. Aber ich habe Glück. Ich finde einen anderen Stand und kann tatsächlich ausführlich eine Wildschweinfamilie beobachten. Ich bedaure sehr, meine Spiegelreflexkamera nicht bei mir zu haben sondern nur meine kleine Fuji, mit der ich nicht so nah zoomen kann. Zurück nehme ich die Rote über St. Dye und habe Mühe, wieder zurück zur Loire zu finden. Ich habe ein wenig Schiss auf dem Radweg durch den Wald wegen der Wildschweine. Dazu weht ein kräftiger Gegenwind. Ich fahre durch bis Blois, bummeln, shoppen, Törtchen essen. Ich schaue einigen Franzosen beim Boule zu. Ein ganz alter Mann versucht mich in ein Gespräch zu verwickeln. Auf dem Weg zum Campingplatz überrascht mich kurz vorm Ziel ein beginnender Regenguss. Im Rezeptionsgebäude lass ich mich trocknen. Bald scheint wieder die Sonne und ich gehe noch ein paar Bahnen schwimmen. Mein Knie muckert, die Schürfwunde auf der Schulter sieht eitrig aus und die vordere Halsmuskulatur schmerz kräftig. Zum Abendbrot gibt es wieder Bruscetta - die war ja so lecker - und dazu ein Bier ... und Donner ...und dann noch ein richtig doller Regenguss.

 

Samstag, 25.07.2015

Ich schlafe lange und weiß nicht, was ich heute machen soll. Also werde ich erstmal frühstücken - ausnahmsweise mal drinnen, da die Wiese noch zu nass ist.  Bei der Zubereitung meines Milchkaffees löst sich der Deckel der Milchflasche und ihr Inhalt ergießt sich im Zeltinneren. Glücklicherweise fließt alles in eine Ecke, da der Boden leicht abfällig ist. Die nächsten Minuten verbringe ich also mit Putzen.  Und nun? Bummeltag oder Weiterfahrt. Da meine netten Nachbarn packen, reise auch ich ab. Ziel ist Beaugency. Den größten Teil der Strecke fahre ich an der Loire entlang. Es ist angenehm kühl. Heute Nacht war es sehr stürmisch - auch deshalb hatte ich überlegt, ob ich weiterfahren soll. Aber der Wind kommt von Westen. In Beaugency installiere ich mein Zelt und besichtige danach die Stadt. Eine kostümierte Frau will mir einen Flyer in die Hand drücken, aber solchen Leuten weiche ich grundsätzlich aus. Die Stadt hat, wie soll es anders sein, ein Chateau. Muss aber nicht sein. Stattdessen besuche ich die Abteikirche und bin fasziniert vom Anblick der Orgel, die wie eine Festung gestaltet ist. Später auf dem Campinplatz komme ich mit einem Paar aus dem Erzgebirge ins Gespräch Sie geben mir den Tipp, dass heute Abend ein Orgelkonzert in der Abteikirche stattfinden wird. Das ist doch mal eine ganz andere Abendgestaltung. In der Kirche sitzt das Pärchen neben mir und am Eingang  treffe ich auch die kostümierte Frau von nachmittags wieder. Es wird u.a. Bach gespielt und am Schluss auch Ravel. Das Pärchen sagt danach, dass es bedauerlich ist, dass in Deutschland kaum noch jüngere Leute bei diesen Konzerten anzutreffen sind. Nach dem Konzert mache ich mich auf eine kurze Nacht gefasst. Auf der anderen Seite des Flusses dröhnt laut Musik und schräg gegenüber sind zwei Wohnmobile mit ganz vielen Italienern angekommen und die sind erfahrungsgemäß sehr laut. Dabei wirkte mein Plätzchen hier so lauschig. Ich bin die einizige, die auf dem Areal "nur für Zelte" campt, hatte nachmittags und abends viel Schatten. naja, morgen suche ich mir einen ruhigen Campingplatz. Ich bin nur noch 29 km von Orleans entfernt und werde mich jetzt südöstlich bewegen, denn in Orleans muss ich erst am 31.07. sein.

 

Sonntag, 26.07.2015

Es war gestern doch bald Ruhe und ich bin um Mitternacht in den Schlaf gesunken. Letzte Nacht und heute Morgen war es sehr kühl. Man hat keine Lust, aus dem Schlafsack zu krabbeln. Während und nach dem Frühstück betreibe ich Kartenstudium. Ich beschließe, noch eine Nacht hier zu bleiben und die Gegend zu erkunden. Ziel ist La Ferte St. Aubin. Es ist die langweiligste Stadt (?), die ich bis jetzt erlebt habe. Enttäuscht fahre ich zurück, nehme aber eine andere Route. Da der beginnende Nieselregen immer stärker wird und dazu ein kräftiger Gegenwind herrscht, habe ich kein großes Interesse mir Clery und Meung anzuschauen. Kurz vor Beaugency schüttet es dann richtig. Nass und frierend komme ich wieder bei meinem Zelt an, ziehe mich um und genehmige mir im Campingplatzbistro eine heiße Schokolade und einen Whisky. Der Betreiber des Bistros kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Danach setze ich mich in das kleine Infohäuschen, wo auch der WIFI-Point ist und lese in ausliegenden Materialien. Bald komme ich ins Gespräch mit einem deutschen Ehepaar, mit dem ich meine Erfahrungen austausche. So vergeht die Zeit wie im Fluge. Warm ist mir aber immer noch nicht so richtig. Irgendwann gegen 22 Uhr wechsle ich ins Zelt. Im Schlafsack wird es mir endlich warm. Leider ist noch fast eine Stunde Krach, ausgelöst durch die Italiener vom Vortag.Keiner sonst rennt und schreit noch über den Platz. Irgendwann ist aber auch dort Ruhe.

 

Montag, 27.07.2015

 

Da ich morgens nochmal einschlafe, beginnt für mich die Weiterreise recht spät. Erstmal packe ich alles, was in den Rucksack gehört, ein, gehe duschen und bau erst dann das Zelt ab. Ich kann es trocken verpacken. Kaum bin ich fertig, fängt es an zu regnen. Hektische Betriebsamkeit bricht auf dem Platz aus bei all jenen, die gerade beim Packen sind. Ich gehe ins WIFI-Häuschen und frühstücke dort. Als ich fertig bin, kommt blauer Himmel zum Vorschein. Also werden die Regensachen wieder in der wasserdichten Packrolle, wo auch das Zelt ist, verstaut - nur der Rucksack bekommt für den Ernstfall schonmal die Regenhülle drüber. Ich fahre wieder bis Meung - da weiß ich, dass die Strecke schön eben ist. Von da aus geht es weiter nach Olivet. Unterwegs fängt es kräftig an zu pieseln. Ich flüchte mich unter die Bäume einer kleinen Kirschplantane und ziehe mich um. Die Weiterfahrt wird ein ewiges Jacke-auf-Jacke-zu, da Niesel und Sonne sich abwechseln. Zwischendurch verfahre ich mich - es ist plötzlich nichts mehr ausgeschildert. Meine Wasserflasche ist schon längst leer und dann springt auch noch die Kette vom hinteren Ritzel und verklemmt sich so, dass ich nichtmal mehr treten kann. Glücklicherweise bekomme ich das nach einigem Gemurkse wieder hin. Ich sehe aus wie ein Ferkel mit meinem ölverschmierten Händen. Mühsam schleppe ich mich bis Vienne-en-Val, aber im Gegensatz  zu sonst hat dieser Ort keine Wasserstelle. Aber mir kommt eine Idee. An einer Baustelle frage ich die jungen Männer, die dort gerade ein Haus bauen, nach Wasser, denn Mörtel anrühren geht nur mit Wasser.  Einer verweist mich auf den Sanitärcontainer neben dem Haus und ich fülle meine Flasche. Als ich gerade fertig bin, kommt einer der Arbeiter angeflitzt und drückt mir eine große Flasche Mineralwasser in die Hand, die aber nicht in meine Trinkflaschenhalterung passt. Doch ich kippe das andere Wasser aus und fülle meine Flasche mit dem Mineralwasser.  Mann, tut das Wasser gut. Ich strahle die Männer an und bedanke mich überaus herzlich.

In Tiggy soll sich der von mir anvisierte Campingplatz befinden...SOLL...es gibt ihn nicht mehr, erfahre ich. Der nächste soll 5 km weit weg sein. Ich fliege erstmal beim Bäcker ein und bekomme dort einen Riesenberliner mit ganz viel leckerer Schokoladencremfüllung. Das ist Balsam für den Magen und für die Seele. Ich kann wieder klar denken und beschließe nach Châteauneuf-sur-Loire durchzufahren. DIE 8 km schaffe ich jetzt auch noch! Mein Tempo gleicht gefühlt trotzdem dem einer Schildkröte und ich bin froh, dass - am Zielort angekommen - der Campingplatz mich gleich nach dem Ortseingansschild zum Verweilen einlädt. Bin ich froh ! Das Zelt wird aufgebaut und ich bin   zum zweiten Mal froh, als es endlich steht, da ich gegen sehr starken Wind ankämpfen muss. Die Stadt ist fußläufig zu erreichen und ich mache mich auf die Socken zu einer Stadtbesichtigung. Es gibt ein Chateau, das keines mehr ist, aber einen schönen Schlossgarten hat. Wieder auf dem Platz zurück komme ich mit meinem Gegenüber ins Gespräch - einer Familie aus Unna. Die Welt ist klein. Es stellt sich heraus, dass sie ganz in der Nähe von Reinhards ehemaliger Wohnung leben. Auch kennen sie die Provence. Ich ziehe mich für eine Weile zurück, aber später quasseln die Frau und ich noch eine ganze Weile über unsere Jungs, denn sie und ihr Mann haben auch zwei dabei...und der Mann ist auch Lehrer so wie Reinhard es war.

 

Dienstag, 28.07.2015

 

Es ist gleich morgens schönes Wetter. Das Zelt bleibt heute stehen und ich werde einen Ausflug nach Sully machen. Der fällt um ein Haar ins Wasser. Als ich aus der Duschkabine trete, übersehe ich in dem diffus beleuchteten Vorraum eine kleine Wasserlache, rutsche aus und knalle schon wieder auf die gleiche Seite wie beim Fahrradsturz auf die Fliesen. Die bereits verschorfte Ellenbogenwunde blutet wieder und am Handgelenk ist eine Vene geplatzt. Nachbars geben mir ein Kühlpad, das wenigstens erstmal den Schmerz lindert. Trotz allem schwinge ich mich auf's Rad und fahre die 20 km nach Sully-sur-Loire - endlich mal eine absolute Flachetappe. Dann wird wenigstens der Rückweg mit dem Gegenwind nicht so anstrengend. Im Nu bin ich da. Heute gibt es die letzte Schlossbesichtigung für mich. Dieses Schloss ist von allen anderen Schlössern das erste große Schloss der Loire ab der Quelle. Ich schau mir den Introfilm diesmal zuerst an und habe Glück, dass gerade die Version mit deutschen Untertiteln anfängt. Dann tappel ich durch die Räume. Auf dem Rückweg kaufe ich noch kurz ein und als ich aus dem Super-U komme, fängt es doch tatsächlich an zu nieseln - die ganzen 20 km zurück und noch länger bis abends halbneun. Die Familie aus Unna ist leider abgereist, dafür hat  - obwohl wirklich genügend Platz überall ist - eine Familie mit quengelndem Kleinstkind ihr Zelt sehr dicht an m einem aufgebaut. Ich verziehe mich kurz in die Stadt und krieche durchgefroren um acht im Zelt in meinen Schlafsack. Als der Regen aufhört, erwacht der Platz zum Leben. Die meisten suchen erstmal die Toilette auf. Auf dem Weg dorthin unterhalte ich mich mit einem Paar aus dem Bonn-Sieg-Kreis, die mit einem selbst ausgebauten alten VW-Bus unterwegs sind. Der erinnert mich ein wenig an unseren Caddy, als ich mit Reinhard unterwegs war.

P.S. Auf dem Weg nach Sully wurden heute alle Radfahrer gestoppt zwecks Befragung. Als Dankeschön erhielt jeder eine gelbe Warnweste mit der Werbung für den Loire-Radweg - ein schönes Andenken!

 

Mittwoch, 29.07.2015

 

Boah, tut die Stelle, wo die Vene gestern geplatzt ist, weh. Das merke ich so richtig, als ich die Luft aus meiner Isomatte pressen und sie dabei fest rollen muss, weil sie sonst nicht in die Schutzhülle und den Rucksack passen würde.

Ich habe beschlossen, heute wieder Richtung Orleans zu fahren, mir dieses aber nicht anzuschauen. - einfach nur schonmal da sein. Ich will auf einen Campingplatz, der nicht weit vom Zentrum entfernt ist. Bis dahin wären es nur 33 km - mit Gepäck und Wind von vorn ausreichend für eine Tour. Leider entpuppt sich der Platz als absoluter Reinfall. Fast nur Schatten herrscht, aber abends und morgens war es jetzt immer ganz schön kühl. Und außerdem sind die wenigen schönen Plätze alle schon belegt. Was tun? Es nutzt nichts, der nächste Platz ist in der Nähe von Meung, also weiter westlich, ca. 16 km entfernt. Natürlich ist der nirgends ausgeschildert (später stelle ich fest, dass er auf der anderen Flussseite irgendwo gelegen hätte). Die Fahrt bis Meung zieht sich wie Gummi. Ich komme wieder an der Kirschplantane vorbei und pflücke mir ein paar von dem einzigen  Baum, der noch nicht abgeerntet ist - dicke dunkle Kirschen...hmmmmmm.....irgendwo lese ich einen Apfel auf, der superlecker ist mit festem Fleisch und einer angenehmen Säure. In Meung findet noch eine Quiche den Weg in meinen Magen. So gesättigt beschließe ich, wieder auf den Platz in Beuagency zu fahren, auf dem ich neulich schon zwei Nächte zugebracht habe. Diesmal schlage ich mein Zelt direkt am Ufer der Loire auf. In Beuagency entdecke ich, dass es in 800 m Entfernung vom Ort einen LeClerc-Markt geben muss. Das ist ja super !  Ich laufe zu Fuß dorthin und kaufe ein. Heute Abend wird es einen  frischen Wurstsalat von der Wursttheke geben, der ganz lecker schmeckt. Nach insgesamt 60 km habe ich mir das verdient. Ich bin übrigens erstaunt, wie schnell mein Körper sich von den Strapazen jedesmal erholt. Ich kam heute wirklich erschöpft an, baute das Zelt in Ruhe auf und war dann schon regeniert. Und der LeClerc kam wie gerufen. einer meiner Häringe ist verlustig gegangen und dort hatten sie welche.

 

Donnerstag, 30.07.2015

 

Heute werde ich den Tag ganz entspannt angehen.Morgens wache ich halbsieben auf und schlafe gegen 7 Uhr wieder ein, um später den Tag um halbneun zu beginnen. Einem gemütlichen Frühstück folgt Ordnung machen im Zelt. Ich schaffe es täglich wieder alles durcheinander zu werfen. Nach elf starte ich in Richtung Kernkraftwerk Saint-Laurent, erreiche den Besuchereingang 5 für zwölf. Das Besucherzentrum schließt von 12 - 14 Uhr, so dass ich unverrichteter Dinge wieder abziehen muss. Also radele ich weiter nach Muides-sur-Loireund von dort nach der Überquerung der Loire nach Mer. Da ich das Ortszentrum nicht finde, geht es links der Loire zurück nach Beaugency. Es sind nur 16 km, aber es scheint ewig zu dauern bis ich ankomme. War wohl gestern doch ein wenig viel. Ich merke, dass mir das Sitzen im Sattel heute etwas schwerer fällt. Unterwegs treffe ich noch ein Ehepaar aus Dresden. Wir unterhalten uns und sie erzählen mir ganz begeistert auf mein Fragen vom Elberadweg. Wieder auf dem Platz angekommen, lege ich mich in die Sonne. Hach is' dat schön! Später laufe ich nochmal zu dem großen Supermarkt, gehe nochmal durch die Stadt und bin traurig und froh, dass nun alles bald vorbei ist. Mein Abendbrot nehme ich mit Blick auf den Fluss und Beaugency ein, abends schreibe ich dort auch bei untergehender Sonne Tagebuch. Heute ist es nicht so kühl am Abend wie in den letzten Tagen. Livemusik trönt von der anderen Seite des Ufers herüber, die aber gegen 11 verstummt.

 

Freitag, 31.07.2015

 

Es ist schönes Wetter und ich kriege mein Zelt trocken verpackt. Das ist wichtig, da ich die nächsten zwei Nächte im Hotel verbringen werde. Aber erstmal frühstücke ich in Ruhe, während mein Schlafsack auf der Leine zum Lüftenhängt. Danach wird der Rucksack gepackt und ich gehe duschen. Währenddessen hängen jetzt das Innenzelt und der Groundsheet auf der Leine in der Sonne. Ein letztes Mal packe ich anschließend das Zelt ein. Schade eigentlich. Ich könnte jetzt noch ein paar Wochen dranhängen - ein bisschen Meer wäre schön. Bei meiner nächsten Reise bin ich nicht so dämlich und lege mich auf einen Endort fest. Dann wird nur der Thalys ab Paris zurück schon gebucht und ich bin flexibler. Eigentlich wäre ich mit meiner Tour nach nichtmal 14 Tagen fertig gewesen. Da hätte ich gut noch eine Woche in der Bretagne relaxen können. Nun ja , lässt sich diesmal nicht mehr ändern, ich habe ja trotzdem noch was daraus gemacht.

Ich fahre los in Richtung Orleans. Schon  nach 5 km gerate ich in Konfrontation mit einem großen schwarzgelben Insekt (einer Hornisse), das sich zwischen dem Helmgurt und meiner Schläfe verfängt und prompt zusticht. Ich will es entfernen, da sticht es mich auch noch in den Finger. Ich muss anhalten. Ein holländisches Radlerpaar hilft mir meine Salbe aufzutragen. Der Stich in die Schläfe wird den ganzen Tag wehtun, ich darf gar nicht an die Stelle 'rankommen. Die weitere Fahrt verläuft ohne Pannen und gegen halbeins bin ich in Orleans. Und dann beginnt das große Suchen nach meinem Hotel. Es liegt irgendwo in einem der Vororte in der Nähe der Autobahn bzw. Nationalrouten. Mit dem Auto wäre das kein Problem, aber ich habe nunmal ein Fahrrad unterm Po und kein Blei im Tank sondern eher in den Beinen. Ich bin schon nahe am Aufgeben, bin drauf und dran die Buchung zu stornieren und auf einen Campingplatz zu ziehen, da entdecke ich es endlich. Es ist mittlerweile fast halbdrei. Später werde ich feststellen, dass es einen einfachen idiotensicheren Weg vom Zentrum bis zum Hotel gibt, als ich wieder nach Orleans hinein fahre. Ich habe ja meiner Schwester versprochen, in der Kathedrale heute eine Kerze für jemanden anzuzünden, der heute beerdigt wird. Ich gucke mir alles Wichtige in der Stadt an, bummele auch etwas abseits durch die Gassen. Wieder zurück im Hotel lese ich in meinem Reiseführer die Seiten zu Orleans und mache mir innerlich Notizen, was ich noch nicht gesehen habe. Ich weiß noch nicht, was ich morgen angucken werde. Schloss Chamerolles, in dem sich alles um die Welt der Düfte dreht, wäre nicht schlecht, aber ich wollte auch einen bestimmten Garten besuchen. Beides geht nicht, da sich das Schloss nördlich und der Garten südlich von Orleans befindet. Zudem bedaure ich, dass ich das Hotel gebucht habe. Zum einen fühle ich mich eingesperrt nach so vielen Tagen nur an der Luft, zum anderen war es auf dem Campingplatz wesentlich ruhiger als hier im Hotel. Zwei holländische Familien, die auf dem gleichen Flur nur leider an entgegengesetzten Enden ihre Zimmer haben, scheinen nicht zu wissen, dass man sich in einem Hotel rücksichtsvoll benimmt. Es wird über den ganzen Flur von einem zum anderen Ende gebrüllt.

 

Samstag, 01.08.2015

 

Viertel nach sechs werde ich wach vom Krach im Gang. Die ersten Hotelbewohner reisen schon ab. Ich versuche nochmal zu schlafen, nicke auch wieder ein und gucke dann fern. Ich habe vergessen zu fragen, wann es Frühstück gibt. Um 8 gehe ich frühstücken, genieße es, heißen Kaffee zu trinken und schlage mir den Bauch voll. Dann erst dusche ich, starte irgendwann nach zehn in Richtung Olivet zum Le Parc floral de la Source. Es lohnt sich und es sind kaum Leute da jetzt um die Mittagszeit. Einer lauten  französischen Großfamilie weiche ich aus, indem ich die Tour durch den Garten in entgegengesetzter Richtung absolviere. An die Flamingos komme ich endlich mal ganz dicht heran und im ganzen Park stehen auf den Weisen Liegestühle, die man kostenlos benutzen darf. Danach kehre ich nach Orleans zurück und bummele durch die Stadt, kaufe mir billig ein Kleid, das mal sündhaft teuer gewesen ist, sitze mindestens eine halbe Stunde auf einer Bank am Place du Martroi mit Blicke auf die Statue der Jeanne d'Arc - der berühmten Johanna von Orleans, die nur ganze 10 Tage in ihrem Leben in Orleans verbracht hat - und mit Blick auf die Wasserspiele, die sich mal als Fontänen und mal als feuchter Sprühnebel darstellen und mich ein wenig an die Wasserspiele in Bordeaux erinnern. Erwachsene und Kinder bleiben immer wieder staunend davor stehen und laufen dann durch die Nebel.Danach will ich mir noch die Kirche St. Aignon ansehen, die aber geschlossen ist, und fahre nochmal den Loire-Radweg ein bisschen entlang. Da es auch in Orleans einen LeClerc-Markt gibt, kaufe ich dort für ein richtig schönes Abendbrot ein - Wurstsalat, Käse, Schinken, Baguette, Wein und noch ein paar Kleinigkeiten für meine Söhne als Mitbringsel. Meine Henkermahlzeit lass ich mir später im Hotel schmecken.

 

Sonntag, 02.08.2015

 

Der gestrige Abend im Hotel war nicht ganz so laut, auch wenn wieder holländische Kinder im Flur herumtobten. Meine hätten das nicht machen dürfen!

 Ich habe noch eine Musiksendung der beliebtesten Songs im TV geschaut - dafür muss man kein Französisch können - habe mein Buch zu Ende gelesen - da muss ich es nicht mehr mitschleppen - habe halbzwölf den Fernseher ausgeschaltet und bin in tiefen Schlaf gefallen.

Munter werde ich von Kinderlärm auf dem Flur, fluche innerlich, um dann festzustellen, dass es schon 8 Uhr ist. Schnell ziehe ich mich an und gehe frühstücken. Dann packe ich meine Sachen, mache Morgentoilette und checke kurz nach 10 aus. Bis in die Stadt brauche ich 40 Minuten, doch mein Zug nach Paris wird erst um 15.28 Uhr fahren. Also setze ich mich auf die Bank von gestern, schaue den Wasserspielen zu,  esse einen Crepe sons confiture - die schmecken ganz anders als in Deutschland - und laufe immer wieder durch die Wasser nebel. Die Sonne brennt, es ist wolkenloser Himmel. Da tut der feuchte Film auf der Haut gut. So sitze ich dort 1,5 Stunden. Danach fahre ich zur Kathedrale und zünde eine Kerze für meine Mutter an, die heute Geburtstag gehabt hätte, halte Zwiesprache mit ihr. Ich weiß nicht, ob ich ihr jemals verzeihen kann, aber es ist ein erster Schritt, ein erstes Mal, dass ich sowas mache, erwacht aus einem Bedürfnis. Das alles wird begleitet vom Klang der Orgel. Später sitze ich noch lange auf einer Bank an der Loire, bevor ich mich eine Stunde vor Abfahrt zum Bahnhof aufmache.

Der Zug aus Orleans hält in Paris auf dem Bahnhof Austerlitz. Ich habe 1,5 Stunden, um zum Bahnhof Paris-Nord zu kommen. Aber wie? Ich kenne mich mittlerweile mit der Pariser Metro  ganz gut aus, aber in Austerlitz war ich noch nie. Verzweifelt suche ich den Zugang zur Metro. Die Zeit verrinnt und ich überlege schon, ob ich mich am besten auf's Rad schwinge und entlang der Seine bis in vertraute Gefilde radeln soll. Schließlich werde ich doch fündig und 30 Minuten vor Abfahrt des Thalys nach Düsseldorf erreiche ich den Bahnhof Nord - nassgeschwitzt bis zum Gehtnichtmehr. Jetzt sitze ich im Thalys in der ersten Klasse, nehme, bevor es nachher Abendbrot geben wird, das erste Gebäck zu mir, trinke Rosé dazu, höre Queen Symphonie und schreibe die letzten Zeilen in mein Tagebuch. In drei Stunden werde ich in Düsseldorf sein. Morgen ruft die Arbeit.

 

Ein schöner Urlaub geht zu Ende.

Ich habe mir meinen jahrelangen Traum erfüllt - eine Mehrwöchige Radtour mit Zelt.

Ich wusste nicht, ob ich das bewältigen würde. Die Tour kam ganz kurzfristig zustande, war eigentlich eine Flucht in eine Zeit ungestörten Nachdenkens, was ich will oder auch nicht bzw, was mit guttun wird oder nicht.

Obwohl ich in einigen Regionen der Loire schon 2008 mit Reinhard - meinem verstorbenen Lebensgefährten - gewesen war, hat nichts weh getan, nichtmal wenn ich Paare mit Camp-Mobilen sah. Es war einfach ganz anders. Ich habe das Tal der Loire neu erlebt, intensiver, konnte tun und lassen, was ich wollte, und war ganz allein auf mich selbst gestellt.

Trotz aller Freiheit habe ich immer versucht, wenigstens ein klein wenig Struktur in meinen Tagesablauf zu bringen.

Dazu gehörte z.B. das abendliche Tagebuchschreiben, dessen Notizen jetzt hier niedergeschrieben sind.

Getränke habe ich ganz selten gekauft - nur wenn ich mal Lust auf etwas Anderes als Wasser hatte.

Ansonsten habe ich es gemacht wie alle Franzosen - meine Trinkflasche aus der Wasserleitung gefüllt.

Und ansonsten habe ich auf spezielle Radfahrerkost verzichtet und gegessen, was mir gefiel.

 

Zahlen:

925 km per Rad, dazu unzählige Kilometer zu Fuß

Gesamtkosten der Tour 750 € für fast drei Wochen

 

7,93 € im Durchschnitt Campingplatzgebühren 

200 € Gesamtkosten für Übernachtung (134,84 € Camping + 64 € Hotel )

350 € Fahrtkosten Zug (1. Klasse)

200 € Verpflegung

 

 

 

 

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