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Samstag, 01.08.20

Flexibel zu sein, lernt man, wenn man allein in einen Campingurlaub startet und vorher Corona war.

Ich habe die letzte Nacht nicht gut geschlafen. Ist ganz normal - die Aufregung vor der Tour. So stehe ich schon eine halbe Stunde vor dem Klingeln der Wecker auf. Ist auch gut so, wie sich später herausstellt. Ein nochmaliger Blick ins Internet zeigt mir, dass er Zug fünf Minuten eher fahren wird. Auf S-Bahn und RE verlasse ich mich nicht. Ich fahre in Düsseldorf bis zur Haltestelle Werstener Dorfstraße und nehme für den Rest die U.Bahn. der Zug ist pünktlich in Düsseldorf, das wird sich aber im Laufe der Fahrt ändern. Bis Bsel hät er daher kaum. Es gibt nur Stopps in Köln-Deutz, Bonn-Bleuel, Mainz und Mannheim.  Ich schaue die ganze Zeit aus dem Fenster und schwelge in Erinnerung. Einenn Großteil der Strecke bin ich schon mit dem Rad gefahren.

Heute soll es sehr heiß werden, aber im Zug merkt man davon kaum was und zwischen Köln und Koblenz regnet es sogar. Das dicke Ende kommt in Basel - der Planet kocht. Die Auschilderung zum Radweg ist dürftig. Ich lande sonstwo, muss alles wider zurückzufahren bis ich endlich erst die Zollstelle und dann die Dreiländerbrücke hinter mir gelassen habe.

Der Weg nach Mulhouse immer am Kanal entlang, auf Asphalt , bei srarkem Gegenwind uns sengender Sonne gestaltet sich zu einer Gummietappe. Mein Wasservorrat schwindet schnell und die fast sechs Stunden Bahnfahrt mit Maske wirken nach. Zudem bin ich noch nicht gant fitt, da ich seit Happy Kadaver zweimal eine Woche pausieren musste mit Radfahren.  Zum Glück finde ich unterwegs eine Wasserstelle, an der ich um ein Haar vorbeigerauscht wäre. Kühles Nass ergießt sich in meine dürstende Kehle.

Die Wasserflaschen werden gefüllt und so gelange ich zum Campingplatz in Mulhouse. An der Reception dauert es wegen Corona länger und ich komme mit anderen Radlern ins Gespräch. Es sieht im weiteren Verlauf der Strecke schlecht aus mit Campingplätzen. Es gibt bis Besancon ohnehin kaum welche und die haben alle zu. Also entweder wild campen oder Planung ändern. Im Laufe des Abend verabschiede ich mich von Plan A, der eine Tour in Richtung Dordogne vorsah. Ich nehme mir vor, mit dem Zug nach Strassbourg zu fahren und mir dort einen schönen Tag zu machen.

Aber erstmal heißt es Zelt aufbauen. Auch wenn ich keine Lust habe, bekommt das Zelt eine frische Imprägnierung. Danach fahre ich einkaufen, ich finde den Weg zum LeClerc schon automatisch. Nach dem Abendessen studiere ich noch die Karte und das Tablet. Dabei merke ich, dass halb neun schon die Dämmerung einsetzt. Da ich vorhin erstmal alles nur ins Zelt geworfen habe, kehre ich nun dahin zurück und räume aus und um und ein. Gerade als ich fertig bin und noch schnell auf Toilette war, setzt Regen ein. Ich flitze los und kaum bin ich im Zelt, öffnet der Himmel die Schleusen und es gwittert die nächsten dreißig Minuten ordentlich. Im Zelt ist es schwül und ich vermeide jede Bewegung, liege einfach nur da und schlafe fast ein. Auch nach dem Gewitter bleibt es ruhig auf dem Platz und so schlafe ich schon um 23 Uhr ein.

 

Sonntag, 02.08.20

Um halb sieben habe ich ausgeschlafen. Ich bleibe noch eine Weile liegen, dann gehe ich duschen. Um acht frühstücke ich, mache dann Ordnung im Zelt un d danach mich auf den Weg zum Bahnhof. Vergeblich versuche ich am Automaten ein Ticket nach Straßburg zu bekommen, aber außer zwei Zahlungsbelegen für den Einsatz der Kreditkarte bekomme ich nichts. Mein Zug fährt ohne mich, da ich das ganze jetzt am Schalter klären muss. Es gibt Entwarnung - mein Konto wurde nicht belastet. Wenn man Französisch könnte, wäre die Aufregung nicht halb so groß gewesen. Ich pole um, und so nehme ich gleich ein Ticket für eine Fahrt von Colmar nach Mulhouse mit. Für den Hinweg muss das Rad herhalten. Das Wetter hält sich heute sehr bedeckt, ab und zu kommen ein paar Spritzer. Und ich habe keinerlei Regenschutz dabei! Und dann nach über 70 km und noch 18 km vorm Ziel fängt es immer mehr an zu regnen. Ich rette mich unter eine Schleusenbrücke, eine ältere, sehr sportliche Radlerin gesellt sich zu mir. Gemeinsam warten wir eine halbe Stunde, aber es hört nicht auf. Irgendwann hat sie die Nase voll und fährt weiter und da mich fröstelt, tue ich es ihr gleich. Tief gebeugt über den Lenker fahre ich km für km und nach einigen km läßt der Regen nach. Als ich Colmar erreiche, sind meine Sachen fast trocken. Ich genehmige mir einen heißen Kakao und eine heiße Quiche und bummele dann lange durch diese wunderschöne Stadt. Der Rückweg mit dem Zug klappt reibungslos. Am Fenster ziehen die Vogesen vorbei. Ihr höchsten Gipfel verschwinden öfters im Wolkengewabber. Nach dem Abendbrot laufe ich nochmal ins Zentrum von Mulhouse und lasse so den Tag ausklingen.

 

Montag, 03.08.20

Gestern Abend war es um zehn finster und in der Nacht so ruhig, dass ich ohne Ohrenstöpsel schlafen konnte. Es hat kräftig abgekühlt, so dass ich mich im Gegensatz zur Nacht davor, die ich neben meinem Schlafsack zubrachte, richtig rein gekuschelt habe.

Wann ich aufwache, weiß ich nicht, da meine Uhr der leeren Wohnung die Zeit anzeigt.

So stehe ich auf, mache Morgentoilette und fange an, das Zelt auszuräumen und zu packen. Nützlich ist, dass mein Zelt im hinteren Teil des Campingplatzes neben den Sanitäranlagen, die momentan außer Betrieb sind. So habe ich den offenen überdachten Durchgang für mich zum Packen zur Verfügung. Dort kann auch mein Innenzelt ein wenig abtrocknen, denn es hat Feuchtigkeit gezogen. Die Spülbecken nutze ich als Sortierhilfe. Leider muss ich das Außenzelt feucht verpacken, da es nicht trocknen will. Beim Frühstück quassele ich mit anderen Radwanderern, die alle in die Gegenrichtung wollen. Halbzehn, als ich starte, erfahre ich endlich die Zeit. Ziel ist Montbeliard udn von da aus werde ich den Zug nach Besancon nehmen. Es geht fast nur bergan - mal mehr mal weniger - bei ständigem Gegenwind, aber wenigstens ist es kühl und sonnenlos.  Als ich die Schleusentreppe von Retzviller passiert habe, bin ich froh, was später nur noch von der Ankunft am Bahnhof Montbeliard getoppt wird. Schon eine Viertelstunde später fährt ein Zug und ich genieße den Radweg aus der faulen Perspektive. Alerdings steige ich etwas unterkühlt in Besancon aus dem Zug und freue mich über ein bisschen Sonne. Die ist auch immer noch da, als ich den Campingplatz erreiche, so dass ich alles gut trocknen kann. Dieses Mal wird mir ein Emplacement zugewiesen. Fünf Minuten später habe ich ein anderes, weil der noch feuchte Boden keine größere Rasenfläche aufweisen kann. Ich habe keine Lust, wie ein Ferkel aus einer Schlammkuhle auszusehen. Außer zum Einkaufen habe ich zu nichts mehr Lust. Die Stadt kenn ich und so vetrödele ich den restlichen Tag rund um den Platz. Natürlich pieselt es zwischendurch mal wieder, aber zum Glück hatte ich schon alles ins Zelt gepackt. Und ich sehe einen wunderschönen Regenbogen über den Felsen von Besancon.

 

Dienstag, 04.08.20

Heute Morgen ist es freundlicher als sonst. Zu den Duschanlagen brauche ich nur mein Badetuch oder besser gesagt Handtuch mitzunehmen - beim Packen in Düsseldorf habe ich die falsche Größe erwischt - da der Rest, den ich brauche, alles in den Packtasche in einem Schließfach im Fahrradraum in der Nähe der Duschen lagert. Der ist neu und ich habe ihn erst abend halbzehn entdeckt. Es gibt Fahrradständer un eine lange Stange mit Bügeln. Das nenne ich mal Service!

Frisch geduscht räume ich den Rest aus dem Zelt, hänge das Innenzelt, die Isomatte und den Schlafsack an den Gitterzaun in die Sonne, das Zelt steht sehr günstig. Dann kann ich in Ruhe auf dem Groundsheet den Inhalt der Packtaschen ausbreiten und säuberlich einräumen, sodass sie fertig gepackt während meines Frühstücks im Schatten warten können. Das hat den Vorteil, dass ich sie später benutzen kann zum Luft rauslassen bei der Isomatte. Ich pack sie einfach auf die Matte und kann mich inzwischen um das Zelt kümmern. Irgendwann bin ich fertig und starte, ohne die Zeit in Erfahrung gebracht haben. Auf meinem Weg komme ich an einem deutschen Campingmobil vorbei, dessen Besitzer gerade am Räumen ist. Ich frage nach der Zeit und bekomme mit schönstem sächsischen Dialekt zu hören, das es halb elf ist. Ich rechne zurück und komme zu dem Schluss, dass ich ca. 9.15 Uhr gestartet sein muss. Der Sachse meint noch, dass das ja erst recht Urlaub ist so zeitlos zu leben. Irgendwie hat er ja recht. Um 13.20 Uhr erreiche ich den Campingplatz in Dole, die Reception macht erst um zwei wieder auf. Ich postiere mich direkt vorm Eingang auf einer Bank und bin dadurch die erste. Das Areal für Zelte auf dem Platz hat keine Unterteilungen und ist noch relativ leer, so das ic einen Platz in der Nähe eines Esplatzes ergattern kann. Ich glaube zu wissen, dass ich auf genau dieser Stelle letztes Jahr auch stand. Sobald das Zelt steht, gehe ich endlich mal Haare und Wäsche waschen. Die Chancenstehen gut, die Sachen trocken zu bekommen. Danach geht es auf Nahrungssuche und Besichtigung in die Stadt. Einen Teil kenne ich schon. Heute erkundige ich mittels Plan die anderen Teile. Dole ist sowas von historisch. Es gibt Unmengen alter toller Gebäude. Wahnsinn! Man kann es nicht beschreiben, Man muss Dole gesehen haben. Man denkt, man ist um Jahrhunderte zurückversetzt.

Nach meiner Rückkehr zum Platz ist das Zeltareal sehr gut gefüllt. Und meine Nachbarn von Besancon sind auch hier meine Nachbarn. Heute kommen wir ins Gespräch. Sie wollen in die Bretagne. Ich habe inzwischen die Hoffnung, doch die Dordogne zu erkunden. Mal sehen, was mein Rücken dazu sagt, denn morgen habe ich eine richtig große Etappe vor mir und seit meinem heftigen Sturz auf den Rücken im Februar habe ich da immer wieder Schmerzen.

Als ich abends an der Platzbar noch was trinken gehen will, höre ich ein heftiges Rauschen vom Sportplatz her. Es werden gerade zwei Heißluftballons aufgeblasen. Das ist natürlich ein Spekatkel, das fotografiert werden muss.

Den Tag lasse ich bei einem Viertel Wein und Tagebuch schreiben ausklingen.

 

Mittwoch, 05.08.20

Geweckt werde ich von einem Brummen. Als ich zum Duschen gehe, weiß ich, woher das kommt. Es wird wieder ein Heißluftballon aufgeblasen.

Die nacht war wieder sehr kühl und es hat sich eine Menge Kondenswasser angesammelt. Da ich eine günstige Stellfläche erwischt habe, bekommt das Zelt auch Sonne ab. Meine Nachbarn haben heute Morgen ein echtes Problem. Sie haben gestern ihre Wäsche gewaschen und über Nacht draußen gelassen. Nun sind die Hosen, die sie anziehen wollen, noch nass. Da bin ich besser aufgestellt, da ich seit letztem Jahr immer eine Wechselhose dabei habe, wobei mir einmal pasiert ist, dass ich beide auf einmal gewaschen habe.

Um neun starte ich - erkennbar am neunmaligen Schlagen der Kathedralenuhr. Da es sich nur langsam erwärmt, ist die Strecke bis Seurre mit ihren 42 Insiderkilometern - ich fahre an zwei Stellen Abkürzungen - schnell erledigt. Bis Verdon sur le Doubs wird es schon anstrengender, denn es geht bergan und das fast ohne Schatten auf Asphalt. Oben finde ich dann einen kleinen Rastplatz neben einem Kreuz unter einem großen Baum. Und der Wind pfeift wunderbar, sodass ich richtig gut runterkühlen kann. Doof ist, dass ich auch mal ein wenig Flüssigkeit ablassen müsste. Ein Gebüsch wäre ja da, aber das umschließt das Kreuz. Da ran zu pinkeln wäre etwas pietätlos. So verschwinde ich ins benachbarte Maisfeld. Scheiß Wind! Die Hose hat was abbekommen. Ein Tempo muss es richten.

In Verdon beschließ ich nur noch bis Gergy zu fahren, aber ich fühle mich wieder fitt und so will ich wenigstens bis Fragnes kommen. An einer wunderschönen Stelle kann ich nochmal auf meinem Weg an der Saone entlang rela en. Ich lige im Schatten von vielen Bäumen mit Blick auf den Fluss im Gras. Auf dem weiteren Weg lasse ich Chalon sur Saone südlich liegen und erreiche im weiteren Verlauf an einem Kanal entlang Fragnes. Meine Karten sind drei Jahre alt und dort ist ein Campingplatz verzeichnet, den es nicht mehr gibt. ich mus also weitere 16 km radeln. Ich habe kaum noch Kraft, der Wind bläst heftig von vorn, es ist heiß und mein Getränkevorrat ist fast erschöpft. Vier km vorm Ziel kommt endlich ein bemannter Infopoint, wo ich fragen kann, ob der Platz in Chagny überhaupt geöffnet hat. Jaaaaa, und ich bekomme auch Getränkenachschub. Völlig erschöpft checke ich in Chagny ein. Der Zeltaufbau geht nur schleppend, einkaufen muss ich auch noch und dann will ich nur noch relaxen.

 

Donnerstag, 06.08.20

Ich will doch nicht ganz so zeitlos leben, weshalb ich jetzt mein kleines Handy eingeschaltet lasse. Mein erster Blick nach dem Packen der Seitentaschen fällt um acht darauf. Vorher bin ich aber erstmal mit meinem Kram zwei Emplacements weitergezogen, da dort Sonne fürs Zelt und Schatten für mich ist. Um 9.15 Uhr breche ich schließlich auf. Auf der Strecke ist viel Fahrradweg gebaut worden. Man muss nicht mehr Riesenumwege mit ordentlichen Steigungen fahren oder sich auf der kürzeren Strecke die Straße teilen. Meine Fahrradkarte ist da nun mehr als veraltet. ab St-Berain sur Dheune bis 300 m vor St. Julien sur Dheune ist ein sehr schöner teils sehr schattiger Weg zwischen der D974 und der Eisenbahntrasse. In Blanzy weigere ich mich den EV6 zu nehmen. Es ist schon ziemlich warm und so nehme ich ab da die D974 bis Paray le Monial. In Montceau les Mines gibts am gewohnten Platz eine längere Pause, in Genelard gibts zwar einen Bahnhof in Sichtweite mit einem Ticketautomaten aber keinen Fahrplan, auf Höhe St. Aubin en Charollais muss es eine Pinkelpause sein. Barfuss laufe ich dort durch gemähtes Gras und bin anschließend eine Weile beschäftigt, lauter winzige Dornen aus meinen Fußsohlen zu entfernen. Es reicht, dass im Laufe des Tages die äußeren Fußballen stark schmerzen - da gibt es nur eins, Pause machen und Schuhe aus - pieken muss da nicht auch noch sein.

In Paray steuere ich den Bahnhof an, der Automat kommt mit Kreditkarten nicht klar, das Bahnhofspersonal schickt mich auf einen Bahnsteig, obwohl Schienenersatzverkehr ist. Ich verpasse um Haarebreite den Bus, zusammen mit dem Fahrer verstaue ich das rad samt befestigten Taschen unten in die Gepäckabteile und dann gehts die letzten elf Kilometer bequem nach Digoin. Ich bin über 80 km bei der Wärme gestrampelt und kann einfach nicht mehr. Auf dem Campingplatz, der die besten Plätze für die Radfahrer reserviert hat, lungern schon einige Radler auf ihren Emplacements erschöpft herum. Keiner hat Lust, das Zelt aufzubauen. Ich veranstalte Chaos in meinem Bereich, geh duschen und Wäsche waschen und erst als diese hängt, baue ich auf. Dann reicht es noch für einen Weg zum Minisupermarkt und dann kann ich nur noch in einen Sessel sinken, Abendbrot essen und Route planen, da ich ab morgen in unbekanntes Terrain aufbrechen werde. Zum Abendbrot gibt es übrigens kalte Ratatouille (vegetarisch) aus der Dose und dazu frisches Baguette. Genau richtig bei diesen Temperaturen.

 

Freitag, 07.08.20

Geklapper vom Emplacement nebenan sornt mich an, auch aufzustehen und zu packen. Letzte Nacht habe ich das erste Mal mit halb offener Absyde geschlafen, weil es so warm war. Dazu hate ich mich erstmal nur mit dem Schlafsack zugedeckt, bis ich dann irgendwann in der Nacht zum Schlafsack gemacht habe. Morgens war es dann doch etwas frisch. Um 9.15 Uhr starte ich und steuere Decize an. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Strecke schaffen werde, denn es soll sehr heiß werden, und ab Boubon-Lancy wartet eine Strecke mit vieln Steigungen auf mich. Von Bourbon bis Cronat habe ich sonst immer die D979 genommen, weil die kürzer ist. Heute will ich die ganz offizielle EV6-Strecke nehmen. Es geht oft hoch und runter, die Mittagssonne knallt erbarmungslos vom Himmel und nicht nur ich schiebe bei den größeren Steigungen mein Rad - immer von Baum zu Baum hangelnd. Wenigstens gibt es auf dem Veloweg mehr Bäume als auf der Autostrecke. In Cronat kehre ich erstmal in einer Gaststätte ein. Der Wirt spricht zwar nur französisch, aber ich bekomme meine Limonade ohne Sirup. Eigentlich wollte ich nur was trinken, aber dann wird ein Omelett mit Frites und Salat am Nachbartisch serviert und kurze Zeit darauf auch bei mir. Dazu wird eine Karaffe Wasser mit Eiswürfeln kostenlos kredenzt. Die Pause hat gut getan. Die nächsten Kilometer sind auch nicht ohne. Es geht kreuz und quer durch Felder und kleine Ortschaften mit wenig Bäumen und die Sonne sendet emsig ihre Strahlen. Und ich weiß, das noch eine kurze aber steile Steigung auf mich wartet. Bevor ich diese in Angriff nehme, mache ich nochmal eine längere Verschnaufpause im Schatten. In dem Moment, wo ich starte, sticht mich was ins Handgelenk. Es tut höllisch weh, auch wenn nur ein kleiner Einstich zu sehen ist. Das Fahrrad die Steigung hoch zu bekommen, ist nicht ohne. Aber dann gehts lange Zeit nur noch bergab, bis ich den Canal du Nivernais erreiche. Unmittelbar bevor ich Dezice erreiche, mache ich mich ein paar Minuten auf einer Bank im Schatten lang, bevor ich noch über zwei sonnenüberflutete Brücken schieben muss. Zum Fahren reicht die Kraft nicht mehr. Auf der zweiten Brücke passiert es dann - ich bekomme einen weiteren schmerzhaften Stich verpasst. Diesmal kommt der Angriff von hinten durch die Fahrradhose durch zwischen Pobacke und Oberschenkel. Autsch!!!

Auf dem Campingplatz angekommen, packe ich nur meine Isomatte aus und packe mich mit einer kalten Flasche Wasser in den Schatten, bevor ich duschen, Wäsche wasche und Zelt aufbaue. Bald bekomme ich auch einen netten Nachbarn - ein Franzose der deutsch spricht, weil er in Deutschland lebt. Für ihn ist es der erste Versuch mit Zelt und Rad unterwegs zu sein. Danach schleppe ich mich noch zum Supermarkt. Dort ist es wenigstens immer angenehm klimatisiert.

 

Samstag, 08.08.20

Heute werde ich von der Sonne geweckt. Mist, nun aber schnell raus aus dem Zelt. Emsig fange ich an zu packen. Mein Nachbar ist schon wesentlich weiter als ich. Als ich von fern die Kirchturmuhr höre, bin ich fast fertig mit der Packerei. Wider Erwarten gongt es nur acht mal. Super, ich hatte neun Schläge erwartet. Punkt neun Uhr starte ich tatsächlich nach Nevers. Von dort will ich den Zug nach Tours nehmen. Das habe ich gestern beschlossen. Nach 38 km erreiche ich Nevers, und da ich die Stadt kenne, weiß ich, wie man auf die sanfte Tour nach oben zum Bahnhof kommt. Um 11.25 Uhr bin ich angekommen. Laut Internet gestern Abend gibt es die ganzen nächsten Tage keine Möglickeit, Fahrräder mitzunehmen. Ich gucke erstmal am Automaten. Der nächste Zug, unabhängig von Fahrradmitnahme, würde 12.35 Uhr fahren, ist aber voll ausgebucht. Ein weitere soll 15.21 Uhr fahren. Da ich keine Lust habe, mich wieder mit dem Zahlvorgang am Automaten herumzuärgern, gehe ich zum Schalter. Vor mir sind drei junge Franzosen verärgert, weil deren Zug nach Paris ausfallen wird. Mich verweist der Schalterbeamte mit Bedauern auf den zug um 15.21 Uhr und ist froh, als ich sage, dass das für mich okay ist und ich noch ein wenig durch die Stadt schlendern werde. Auch die Fahrradmitnahme ist kein Problem. Mit meinem Ticket in der Tasche schiebe ich durch den Ort. Als ich einen Carrefourmarkt entdecke und eine Markthalle, schließe ich mein Rad in der Nähe eines Restaurants mit Freiluftbetrieb an, so dass es aussieht, als würde ich dort essen. Dann kann ich in Ruhe meinen Tageseinkauf machen und auch Mittagspause. Auf einer Treppe eines Gebäudes lasse ich mich nieder und speise Nudelsalat und Melonenlimo. Einige Menschen wünschen mir Bon Apetit.

Gegen eins bin ich wieder am Bahnhof und setze mich auf eine Bank auf dem Bahnsteig. Hier draußen wird zum einen toleriert, wenn man keine Maske anhat, zum anderen geht ein bisschen Wind und es gibt Trinkwasser aus dem Hahn. Diese kühle Nass ist doch wesentlich besser, als die lauwarme Plörre aus meiner Trinkflasche. Mit Sudoku und Streckenüberlegungen vertreibe ich mir die Zeit bis endlich mein Zug kommt. Auf der 2,5 stündigen Fahrt beschäftige ich mich weiter mit der Streckenplanung. Eigentlich könnte ich doch in Tours umsteigen in einen Zug nach Saumur und dort dann übernachten.

Und so mache ich es auch. Gegen sieben lade ich mein ganzes Gepäck auf meinem Emplacement ab und düse rüber auf die andere Seite des Flusses zum Carrefour. Da es auf dem Campingplatz an der Zelt-“Avenue“ einen kleinen Küchenbereich mit einem richtigen Gasherd gibt, kann ich mir heute eine warme Mahlzeit machen. Erst nach dem Einkauf bau ich mein Zelt auf. Zum Abendbrot sitzt man zusammen mit anderen Campern zivilisiert an Tischen und kommt miteinander ins Gespräch. Diese Mal ist es ein junges dänisches Paar, mit dem ich quassele. Die Eltern des Mannes waren in seiner Kindheit oft in Frankreich. Er kennt auch in der Provence den Grand Canyon du Verdon und findet ihn auch sehr imposant.

Nach dem Abendessen bummele ich dann noch durchs fast nächtliche Saumur.

 

Sonntag, 09.08.20

 

Die gleiche Zeremonie wie jeden Morgen, nur dass es zwischendurch einen großen Pott mit heißem Kaffee gibt. Ich kann mir Zeit lassen, da das Office de tourism erst um zehn Uhr öffnet und ich kein Kartenmaterial habe. Momentan ist es jetzt La Rochelle. Das hatte ich im letzten Jahr geplant, scheiterte aber daran, dass ich im Ort slebst keinen Hinweis auf die Richtung gefunden hatte. Erst als ich vom Atlantik kam und diesmal den Weg auf der anderen Seite der Loire fuhr, entdeckte ich den Abzweig.

Sollte ich allerdings keine vernünftigen Karten bekommen, fahre ich weiter über Angers in die Normandie und dann die Nordküste entlang gen Deutschland.

Ich habe noch mehr Pläne, aber das sind jetzt erstmal Plan A und B.

Es wird Plan A. Ich bekomme einen kleinen Kartenatlas über den La Velo Francette de la Normandie a la l'Atlantique. Die Strecke zwischen Ouistreham in der Normandie und Saumur kenne ich schon, ab heute soll es der Rest werden.

Ich erinnere mich dunkel, in welcher Richtung ich voriges Jahr das Hinweischild gesehen hatte, finde es wieder und folge von nun an dem Radweg 43. Schon nach zehn Kilometern verlässt mich die Lust. Es ist schwül. In Montreuil-Bellay en bref werde ich von zwei Fußgängern vor einer Steigung zum Absteigen gezwungen, weil sie sich unbedingt noch vor mir durch eine Wegverengung quetschen müssen. Ich reiße dafür beim Absteigen fast einen anderen Radwanderer vom Sattel, der sehr dicht an mir vorbei sich auch nuch durchfädeln muss. Klingeln wäre ja auch mal was. In Bagneux verpasse ich ein Hinweischild, fahre daufhin über Argenton-l'Eglise, folge dem Radweg und lande am falschen Fluss. Es dauert bis ich endlich den Fluss Le Thouet erreicht habe. Und ich bin nicht mehr weit von meinem Ziel Thouars entfernt. Glücklicherweise gibt es einen Campingplatz. Campingplätze sind dooferweise auf den Karten nicht vermerkt.

Meine erste Handlung ist der Weg zum Wasserhahn, meine zweite duschen und Wäsche waschen. Die Reception ist noch nicht besetzt, aber ein älterer deutscher Mann verät mir den Code zu den Sanitäranlagen.

Nach dem Zeltaufbau schleppe ich mich hoch zu Stadt. Ich darf gar nicht daran denken, dass ich da morgen mit dem Rad und Gepäck hoch muss.

Die Stadt selbst hat ein Chateau und einen schönen Jardin, aber sonst macht sie auf mich keinen schönen Eindruck, auch wenn es ein paar historische Bauten gibt.

Mit Mühe finde ich eine Bäckerei, wo ich Baguette und Kuchen bekomme.

Alsbald laufe ich wieder runter ins Tal, da es nach Regen aussieht. Den Nachmittag lasse ich ausklingen bei Tagebuchschreiben, da ich ja gestern nicht geschrieben hatte.

Das Wetter hält sich den ganzen Abend und es war ein erholsamer Nachmittag. Auf diesem Platz waren fast nur Radwanderer.

 

Montag, 10.08.20

Heute Nacht habe ich schlecht geschlafen. Es war so schwül. Irgendwann fing es dann kurz an zu regnen. Blitzschnell war ich hoch von der Matte und habe das Vorzelt geschlossen. Als ich morgens aus dem Zelt krieche, sieht der Himmel sehr trübe aus. Ich wische die letzten Tropfen vom Zelt und fange an zu packen. Genau gegenüber von meinem Zelt steht eine steinerne Tischtennisplatte,  auf der ich alles bequem sortieren kann, ohne auf dem Boden kriechen zu müssen. Sollte es ketzt tatsächlich anfangen zu regnen, kann ich alles schnell unter die Platte packen. Aber ich habe Glück - das Wetter hält. Gleich zu Beginn ist sportliche Höchstleistung angesagt - nicht die einzige heute.

Mit zwei Verschnaufpausen schiebe ich mein Rad den steilen Anstieg hoch. Eine andere Radfahrerin kommt mir von oben entgegen und ist dafür nur am Bremsen. Das bin ich später auch, als es von der Stadt wieder ins Tal geht. Da in der Stadt ausgerechnet auf der Strecke ausgerechnet eine Sperrung gibt, verfahre ich mich und lande beim Chateau. Das hatte ich gestern noch nicht gesehen. Unten im Tal sehe ich den Radweg, jetzt muss ich nur noch den Weg dahin finden.

 

Campingplatz in a ist nichts

 

Dienstag, 11.08.20

 

Ich bin die letzte, die heute Morgen aus dem Zelt kriecht. In der Nacht kamen zwar mal ein paar Regentropfen runter, aber besonders viele waren es nicht. So kann ich wie alle anderne Sachen auch blitzschnell verpacken. Dann wird schnell noch gefrühstückt und dann fahre ich auch schon los. Schätzungsweise habe ich bis acht gepennt. Ich ärgere mich darüber, da man das Quäntchen fast kühle Luft morgens wenigstens beim Fahren nutzen sollte. Nach drei km gucke ich ungläubig auf den Tacho und kann es bei jedem weiteren Gucken kaum fassen ,dass so wenige km erst zurückgelegt sind. Es geht bergauf und bergab und das wird sich auf der ganzen Fahrt fortsetzen. Gefühlt geht es hundert km hoch und zehn km herab. Als ich mal durch ein größeres Dorf komme, lädt mich ein Carrefour ein, was Kühles zum Trinken und Tomaten und eine große Paprika einzukaufen. Inzwischen habe ich es mir angwöhnt, nicht die Gänge des Fahrrades auszureizen, sonder bei Steigungen abzusteigen, bevor ich ins Schwitzen komme, da ich so auf der anderen Straßenseite wenigstens öfter mal Schatten habe. Meine erste große Rast mache ich unter einer Autobahnbrücke. Dort ist es schattig, zugig und insektenfrei. Die Fliegen sind nämich sehr lästig heute. Ich sitze da also gemütlich mit einer Unterlage auf dem Bordstein, Schuhe und Socken sind ausgezogen, ein Stück Käsebaguette und Paprika mümmelnd da. Gerade ma ein Auto kommt in dieser halben Stunde vorbei. Und dann bin ich froh, dass ich zum ersten Mal eine SIM-KARTE im Tablet habe und Internet dazu gebucht habe. Somit kann ich nun mal googeln, wo in der Nähe von Niort sich ein Campingplatz befindet. Yeah, nur noch zwanzig km. Um Energie zu sparen, schalte ich das Tablet wieder ab um es zehn Minuten später, als ich auf der Weiterfahrt bin, es wieder einzuschalten. An einer Wegkreuzung war kein Hinweisschild und prompt nehme ich die falsche Richtung. Ich schalte den Routenplaner von Google an und komme wieder auf den richtigen Weg. Vor Niort kommt noch mal ein langer sonniger Anstieg - diesmal ohne einen Baum. Aber dem Himmel sei Dank kommt anderweitige Rettung. Bei den Rohren für die Bewässerung der Felder sind die Anschlüsse nicht ganz dicht, so dass Wasser herausprüht, was ich für eine Waschung bzw. Für eine dusche des Kopfes benutze. Da der Wind auch noch weht, kühlt das ganze wunderbar. Dann geht es endlich runter in schattigere Gefilde, nochmal kommt ein kleiner Anstieg und dann endlich bin ich an einem kleinen Fluss. Ich erkenne sofort, das das endlich mal die Möglickeit ist, auch die Füße ins Wasser zu halten, und dabei Arme und Beine mit dem kühlen Nass zu benetzen. Ein altes Ehepaar amüsiert sich, wie ich mich erfrische. Es kann zwar nur französisch, aber soviel verstehe ich, dass sie mich auf eine Stelle irgendwo rechts hinweisen, wo es Eau portable als Trinkwasser gibt. Ich bin ihnen sehr dankbar. Auf der Weiterfahrt schau ich angestrengt nach der Wasserstelle Aussschau. Vier junge Mopedfahrer kommen mir entgegen, anschließend überholen sie mich wieder und stehen blöd da, als die schmale Brücke, die über den Fluss geht, von mehreren Junge und Mädchen verspert wird. Die ist nämich auschließlich für Fußgänger und Fahrradfahrer. Und dort finde ich auch meine Wasserstelle. Während ich meine Flaschen fülle und gierig kaltes Wasser trinke, bringe ich zum Ausdruck, dass die Mopedfahrer eine Meise haben und dass ich es gut finde, dass die Brücke blockiert wurde. Die Blockierer freuen sich. Dann folge ich den Hinweisschildern zum Stadtzentrum, denn so sehe ich wenigstens auf dem Weg zum Campingplatz noch das wichtigste von der Stadt. Heute bringen mich keine zehn Pferde mehr in den Sattel, um nochmal je fünf km für eine Stadtbesichtigung zu absolvieren.

Den Campingplatz erreiche ich völlig erschöpft. Es dauert lange, bis ich ein mir zusagendes Emplacement gefunden habe. Der Zeltaufbau gestaltet sich schleppend. Ein Pärchen, dass die gleichen Strecken absolviert, ist mir schräg gegenüber installiert, daneben ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen aus Oberbayern. Er ist gebürtiger Hesse und erkennt am Dialekt, dass ich Thüringer bin. Wir quasseln ein wenig, dann gehe ich an der Reception einkaufen. Es gibt alles, was man braucht, ich kaufe eine Packung Weißbrot, eine Büchse Thunfisch, Milch. Eigentlich ordere ich noch eine Dose Limo, doch als die Dame den Kühlschrank aufmacht und ich kaltes Bier sehe, schwenke ich um. Und weil wir beim Wörtchen eigentlich sind, eigentlich bin ich Vegetarier und das verträgt sich nicht mit dem Verzehr von Thunfisch. Aber manchmal muss man auch auf seinen Körper hören und der sagte heute, iss Thunfisch mit Weißbrot. Hinterher gibt es noch eine kleine Dose Ratatouille, die so warm ist, als hätte sie ein wenig auf dem Herd gestanden. Dabei waren es nur die Tagestemperaturen. Nach den Abendbrot gehe ich noch ein wenig spazieren und lade anschließend bei Naviki noch drei Kartenausschnitte, die ich offline benutzen kann. La Rochelle hatte ich ja nicht auf dem Schirm.

Als ich in einem Mehrzweckhäusschen gerade Tagebuch schreibe,  höre ich ein Geräusch wie Regen. Ich packe meinen Kram und flitze zum offenen Zelt. Ans hließend suche ich mit Stirn- und Taschenlampe intensiv den Platz nach meiner Lesebrille ab. Insgesamt habe ich drei mit, eine ist kaputt, und der Verlust der zweiten würde bedeuten, dass ich nur noch eine habe. Schließlich finde ich sie doch im Zelt.

Morgen soll es regnen. Mal schaun, vielleicht bleibe ich eine weitere Nacht.

 

Mittwoch,  12.08.20

Es ist heute Nacht trocken geblieben. Als ich um 7.15 Uhr aus dem Zelt krieche, sieht der Himmel nicht unbedingt vertrauenswürdig aus. Also wird was rumliegt, fix in den Rackpack gepackt - alles andere steht sowieso in den Seitentaschen - und das zelt abgebaut. Dann ziehe ich mit meinem ganzen Kram in das Spielehäuschen. Dort breite ich meine Decke aus und sortiere alles in die entsprechenden Taschen. Es bleibt aber vorerst trocken. Um 9.15 Uhr starte ich. Da der Campingplatz eh schon hinter Niort in Magne war, spar ich mir den Veloweg bis Coulon und amit die Hälfte der km. Eventuell will ich heute bis La Rochelle kommen. Danach nehme ich brav den Radweg 43. teilweise geht es lange über einen Bretterweg durch morastiges Gebiet unda über steile Brücken. Nach insgesamt zwölf gefahrenen km fängt es an zu regnen. Ich entscheide mich für das Regencape statt der Jacke. Irgendwann übersehe ich mal wieder ein Hinweis-Piktogramm, lande auf einer Straße und biege nach rechts ab und bin nach 5 km am Ortseingang von Coulon Also kehrt, marsch, die ganze Strecke bis zum Abbiegepunkt zurück und noch ein wenig geradeaus und in Irleau wieder auf den Velo francette bis Damvix. Dort pelle ich mir unter einer Brücke die Regensachen vom Körper. Der Regen hört auf, ich schiebe noch zweihundert Meter, dann öffnet der Himmel alle Schleusen. Schnell werfe ich mir das Cape über, setze auch die Kapuze auf, und sitze nach vorn übergebeugt auf einer Mauer und halte da Cape so weit nach vorn, dass die Schuhe nicht durchnässen. Als der prasselnde Regen nachlässt, fahre ich weiter, bis ich an einen Kreuzungspunkt von mehreren Kanälen komme. Ich muss das Tablet benutzen, um erstmal einen Anhaltspunkt zu bekommen, wo ich denn nun eigentlich entlang fahren muss. Dann taucht auch wieder das Piktogram auf. Nach einigen Kilometern verzieht sich der Regen und die Sonne kommt hervor. Endlich kann ich das Regenzeug ablegen. Die Fahradhandschuhe wringe ich aus und befestige sie am Rackpack. Während der Fahrt kontrolliere ich öfters, ob sie noch da sind, und doch fehlt bei der Ankunft in Marans einer von beiden. Mist!

In Marans war ich schon einmal vor zwölf Jahren. Damals bin ich mit meinem inzwischen verstorbenen Lebensgefährten in einem kleinen E-Boot über die Kanäle geschippert.

Bis La Rochelle sind es nun noch 27 km. Das sollte doch zu schaffen sein. Allerdings ist der Weg sehr holprig. Fünfzehn km vorm Ziel ist ein Campingplatz - der ist mir aber zu weit weg. Dann kommt der nächste Hinweis auf einen in fünf km Entfernung. Das klingt schon besser. Dieser ist in Dompierre sur Mer. Ist okay, La Rochelle kann ich morgen auch besuchen und in Erinnerungen schwelgen.

Auf dem Campingplatz ist bei allen Ankommenden das gleiche Schauspiel - das große Sachen trocknen ist angesagt.

Das Pärchen von gestern ist auch wieder da.

Ich installiere mich und fahre dann tatsächlich nach der langen Strecke noch zum Super-U. Dort bekomme ich unter anderm ein ganz kaltes Guinness, dass ich zu Baguette, Kräuterfrischkäse und Oliven-Hirtenkäse genieße. Den Rest des Tages lasse ich gemütlich ausklingen. Meine Schuhe flicke ich dabei auch wieder zusammen.

 

Donnerstag, 13.08.2020

Beim Aufwachen ist es nicht sehr hell. Ein Blick aufs Handy zeigt mir 6.55 Uhr an. Also schnell aufstehen, Zelt ausräumen, Zelt verpacken, denn der Himmel sieht trübe aus. Das Zelt ist zwar noch nicht trocken, aber es kann nur nasser werden, wenn ich warte. Und es ist so. Es setzt wieder Nieselregen ein, als ich gerade das Außenzelt zusammengerollt habe. Also schaffe ich meinen ganzen Kram zum Pavillon in der Mitte des Zeltareals. Dort ist auch schon das deutsch-französische Pärchen mit Packen beschäftigt. Nach und nach kommen noch mehr Abreisende dazu, um ihr Hab und Gut vor dem Regen geschützt zu verstauen und zu frühstücken. Eine allein reisende Frau versucht noch ihr Brot zu verschenken, worauf ein Mann den Rest eine 1-Liter-Flasche Milch und wieder jemand anderes aus Scherz Kaffeepulver anbietet. Es ist wie auf einem Markt. Alle lachen. Und es nieselt immer wieder. Mir tut das Fröhliche auch gut, denn eigentlich bin ich ein wenig geknickt. Als ich während der Packerei die Zeit noch nutzen will, um das Tablet voll zu laden, zeigt es mir an, dass es nicht gewillt ist zu arbeiten. Ich soll es an meinen PC anschließen. Super – der ist hunderte von Kilometern weit weg. Als ich abreisefertig bin und auf mein Handy schaue, ist da der Akku leer. Na toll, nun habe ich gar keine Zeitanzeige mehr. Ich mache mich auf den Weg nach La Rochelle. Es hört bald auf zu nieseln, und es zeigt sich sogar die Sonne. Erstmal steuere ich in La Rochelle den Bahnhof an., um evtl. ein Ticket nach Nantes zu bekommen. Das erhalte ich nicht. Blitzschnell schwenke ich um und frage nach einer Fahrkarte nach Poitiers. Das hatte ich sowieso in meiner ersten Planung dabei. Ja, um 12.34 Uhr wird mein Zug dorthin fahren. Mir verbleiben also 2,5 h, die ich nicht auf dem Bahnhof verbringen möchte. Bis zum Zentrum bzw. Zum Hafen ist es nur ein Katzensprung. Wenn ich schon hier bin, möchte ich nun auch kurz einen Blick auf den Atlantik erhaschen und Meerluft schnuppern. Ich fahre ein Stück den Velo Odyssee entlang in Richtung Biarritz und komme an eine Stelle außerhalb des Hafens, wo ich den Ozean, den Strand und einfach nur Ferne sehe. Eine Weile genieße ich den Anblick und überlege, ob ich mal kurz die Füße ins Wasser tauchen soll, lasse es aber, da mein vollgepacktes Fahrrad neben mir steht. Dann radele ich zurück zum Bahnhof. Es ist nur noch eine Stunde bis zur Abfahrt. Ich komme mit einer jungen Familie ins Gespräch, die das erste Mal eine Tour macht. Sie haben täglich 15 km mit ihren kleinen Kindern zurückgelegt und muss nun zurück nach Niort, um die Leihräder abzugeben. Die beiden Fahrradabteile im Zug werden proppenvoll. Sowohl die Familie als auch ich finden keinen Platz. Wir stellen uns in die Mitte des Zuges. Damit ist der Zugbegleiter nicht einverstanden, da beide Türen frei bleiben müssen. Ich dar mein Rad in den Gang stellen, blockiere damit zwar vier Sitzplätze, aber wegen Corona ist eh nur jeder zweite Platz verkauft. In Frankreich habe ich übrigens noch nie diese rappelvollen Züge wie in Deutschland erlebt. Ich glaube, dass Stehplätze da nicht vorgesehen sind. In Poitiers angekommen kaufe ich mir gleich ein Ticket nach Tours. Ich habe mehr als 3 h Zeit für eine Stadtbesichtigung, die sich wirklich lohnt. Ich ächze mit meiner Last eine der Straßen zum Zentrum hinauf und gucke mir vieles an. Zum Glück erwische ich beim Rückweg eine sehr historische Straße mit Gebäuden, die teils aus dem 15. Jahrhundert stammen. Es ist die Grand Rue, die eigentlich nur ein Auto breit ist. Das Fotografieren erweist sich allerdings als etwas schwieriger, da die Straße ein großes Gefälle hat und ich mein Fahrrad ja irgendwie parken muss. Den Rest der Zeit verbringe ich im Bahnhof. Ich lade mein Handy, mache Sudoku und freu mich, dass mich der heruntergehende Wolkenbruch nicht erwischt hat. Bei der anschließenden Zugfahrt überlege ich, ob ich in Tours einen Campingplatz ansteuern oder mit dem Zug nach Saumur oder Amboise weiterfahren soll. Ich werde das entscheiden, wenn ich in Tours angekommen bin. Das Kriterium wird sein, wann der nächste Zug wohin fahren wird. Die Entscheidung fällt für Amboise, obwohl sich auch noch die Option mein Lieblingsort Chinon auftut. Halb acht checke in Amboise ein, halb neun mache ich mich auf den Weg in die Stadt, viertel vor neun betrete ich den Carrefour und um neun sitze ich unter einer überdachenden Hecke im Zentrum am Fuße des Chateaus auf einer Bank, esse Nudelsalat, Baguette und Käse, trinke ein heimisches Bier und schauen dem abendlichen Treiben zu. Im Chateau wir heute Abend ein mittelalterliches Spektakel stattfinden, aber ich bin nicht warm genug angezogen. Um zehn schlappe ich zum Zelt zurück. Statt Spider Solitär auf dem Tablet, gibt es heute bei einer halben Flasche Wein meines Lieblingsrotweins Webers “Freischützmesse” auf die Ohren. Ist auch schön!

Freitag, 14.08.2020

Um sieben Uhr bin ich wach. Das Wetter ist grau und ich werde heute mein Zelt stehen lassen und einen Ausflug nach Tours machen. Meine Hoffnung ist, ein Decathlon zu finden, denn ohne Fahrradbrille und –handschuhe fährt es sich nicht so toll. Mit einem Pott Kaffee in der Hand träume ich zum Zelt hinaus und schau den anderen zu, wie sie ihre nassen Zelte verpacken müssen. Dann sortiere ich erstmal meine Sachen, gehe duschen und frühstücke. Es nieselt immer mal wieder. Den Zug nach Tours verpasse ich haarscharf und so bleiben mir 1,5 h Zeit, Tagebuch vom gestrigen Tag zu schreiben. Das dauert fast eine Stunde. In Tours steuere ich als erstes die Kathedrale an, da ich von dort den Weg zum Office de tourism kenne. Die Dame dort versucht mir den Weg zu Decathlon zu erklären. Da ich sehe, dass sie den Routenplaner von Google dafür benutzt, bitte ich sie, mir doch einfach einen Ausdruck zu machen. Irgendwie bekommt sie es hin – es ist ihr erstes Mal – und ich strampele los. Es geht bergauf, aber so, dass ich nicht schieben muss. So ohne Gepäck ist das auch schön. Im Decathlon, das riesig ist, verbringe ich viel Zeit. Neben Fahrradbrille und Handschuhen bekomme ich ein vernünftiges Radregencape (billiger als in Deutschland) und einen Überzieher für meinen Sattel, der inzwischen einige Risse aufweist und mir die Hosen kaputtmacht. Um zu probieren, ob es die richtige Größe ist, darf ich mein Fahrrad in den Markt holen. Perfekt! Mit insgesamt glatt 50 € insgesamt bin ich dabei. Und da sogar meine Kundenkarte aus Deutschland akzeptiert wird, habe ich meine erweiterten Kundenrechte. Dann rausche ich wieder 5km runter in die Stadt. Ich lande in der Altstadt und bummele durch die Gassen. Leider bekomme ich in einem Imbiss, der damit lockt, keine Pizza- Dafür finde ich eine Vinosserie, in der man zuschauen kann, wie die Backwaren hergestellt werden, eine kleine Quiche und einen Rosinenschnecke. Lecker! Damit ist auch mein innerer Schweinehund besiegt, der eigentlich auch für den Rückweg den Zug nehmen wollte. Und ich fahre auch nicht zwecks Abkürzung die Straße, sondern nehme originalgetreu den Eurovelo 6 über die Weinberge. Noch nie habe ich die Strecke als so einfach empfunden, da ich ja sonst immer mit vollbeladenem Rad fuhr. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Reifen mal wieder ein bisschen mehr Luft gebrauchen könnten. Somit steuere ich in Amboise gleich die Fahrradwerkstatt an zwecks Überprüfung des Reifendrucks. Ein junger Angestellter meint nach einer Prüfung mittels Fingerdruck, dass der Druck in Ordnung wäre. Ich bitte darum, dies doch mittels Barometer nachzuprüfen. Er macht es tatsächlich und ist erstaunt. Ich glaube, ein wenig peinlich ist es ihm auch, dass er unrecht hatte.  Aber ich kenne ja die Belastung, der meine Reifen täglich ausgesetzt bin, ganz gut und merke, wenn Luft fehlt. Mit gut gefüllten Pneus und um ein kleines Trinkgeld leichter kehre ich zurück zum Campingplatz.

 

Samstag, 15.08.2020

 

Kurz nach sieben Uhr wache ich auf. Der erst Blick aus dem Sichtfenster meines Zeltes sagt “grau”. Das Außenzelt ist auch von innen klatschnass. Letzte Nacht war es kalt. Ich bin zwar nicht ganz in den Schlafsack gekrochen, aber ich habe mich bis obenhin zugedeckt. Als ich das Zelt ganz öffne, liegt dicker Nebel über dem Platz. Aber es besteht Hoffnung auf Lichtung selbigen, denn die Sonne kann ich, als ich vom Duschen komme, schon hinterm Nebel sehen. Im Laufe der nächsten Stunde kämpfte die gesamte Radlerschar gegen ihre nassen Zelte. Da wo mein Zelt installiert ist, weht Wind und scheint auch bald Sonne. Ich lasse mir beim Packen besonders viel Zeit. Mit 3,5 H stelle ich einen neuen Trödelrekord auf.  Aber immerhin habe ich schon um 11 Uhr den Veloway hoch zum Chateau erklommen. Oben auf dem Plateau geht es durch die Weingebiete bis Marnes. Dort gibt es eine steile Abfahrt ins Tal. Von da aus fahre ich entlang der Loire bis Lussault. Eigentlich gebietet die Route wieder zu klettern, aber dazu habe ich keine Lust. Per Straße - auf den Samstag ohne LKW – sind es 3 km fast flache Strecke, bis der Radweg wieder kreuzt und nach Chaumont und weiter nach Candes führt. Ich mache kurz Pause, weil es jetzt wieder eine letzte ordentliche Steigung geben wird. Eine Dreiergruppe junger Leute saust vorbei, will erst die Straße nehmen, die ich später hochschiebe, kehrt um und folgt dem EV 6 – Piktogrammen. Zeitgleich kommen wir oben an. Ich grinse sie an und meine, dass das der kurze Weg gewesen sei. Ich folge ihnen, bis wir wieder unten im Tal sind. Da an einer Dreierkreuzung das Hinweisschild fehlt, biegt die Gruppe links ab. Ich fahre zielsicher geradeaus, da ich glaube mich erinnern zu können, dass ich im letzten Jahr von da gekommen war. Hurra, an der nächsten Kreuzung finde ich auch wieder ein Piktogramm. Bald bin ich in  Chailles, wo ich 2015 einen spektakulären Sturz ohne weitere Folgen hingelegt hatte und erreiche Blois. Im Restaurant an der Brücke zum Zentrum mache ich Mittag, lasse mir einen großen Salat mit kleinen überbackenen Ziegenkäsebaguettstückchen schmecken, dazu eine große Limonade ohne Sirup aber mit Eiswürfeln. Dazu habe ich eine wundervolle unversperrte Aussicht auf Blois. Bei der anschließenden Weiterfahrt nach Beaugency nehme ich die Route auf der rechten Seite flussaufwärts. Die andere Seite habe ich im letzten Jahr absolviert und fand sie einfach nur ätzend - über lange Passagen kein Fluss in Sicht, dafür u.a. eine endlos lange schnurgerade Straße ohne Abwechslung und Schatten. Kurz vor dem Ziel halte ich wie immer in Lestiou an einer alten Waschstelle, wo zwei größere Becken eiskalten Wassers sind. Sonst bin ich hier immer allein, aber heute werden es immer mehr Menschen, die unbedingt ihre Füße ins Wasser tauchen wollen. Und jedem ist anzumerken, wie die Kälte des Wassers nach einer Weile schmerzt. In Beaugency auf dem Campingplatz ist tatsächlich mein Lieblingsstellplatz frei. Sofort wird er von mir blockiert und erst dann eingecheckt, schnell das Zelt aufgebaut, die Restfeuchte aus den Sachen gelassen, zum Leclerc gefahren, um für heute und morgen einzukaufen. Im Leclerc erstehe ich ein neues Tablet, das zwar wesentlich größer als mein bisheriges, aber im Angebot ist. Wie ich das noch auf dem Fahrrad verstauen will, muss ich später sehen.

 

Sonntag, 16.08.2020

 

Gestern Abend war ich damit beschäftigt, mein neues Tablet einzurichten und mir mein geliebtes Spider Solitaire aus dem App-Store herunterzuladen. Natürlich hatte ich mein Password nicht zur Hand, aber nach dessen Änderung klappte alles. So war das abendliche Ritual, nach zehn im Zelt auf dem Bauch liegend bei einer halben Flasche Rotwein Spider zu spielen und so langsam müde zu werden, wieder aufgenommen worden. Dabei konnte ich aus dem Zelt genau auf die Stadt und den Fluss gucken. Dort, wo mein Zelt stand, darf man, wenn man nachts raus muss, nicht zu benommen sein, da man sonst den Abgang in die Loire macht. Nachts hat es geregnet. Als ich um sieben aufwache, ist der Himmel verhangen und Sonne nicht in Sicht. Wenigstens hat sich an den Zeltinnenwänden diesmal kein Kondenswasser gebildet. Ich organisiere mir einen Stuhl, packe die Seitentaschen voll, rolle das Innenzelt zusammen. Es schauert erneut. Ich rette meine Matte, die noch im Gras liegt, schnell ins Spiele-Häuschen. Später hänge ich das Außenzelt samt Gestänge über meine Wäscheleine, die im Schutz der Bäume gespannt ist. Es trocknet fast vollständig, während ich mit einem jungen Pärchen aus Deutschland quassele, das schon abreisefertig ist. Sie erzählen mir, dass sie wie ich in Basel gestartet und von Mulhouse aus 140 km am Stück  bis Besancon gefahren sind, weil ja die beiden Campingplötze auf der Strecke gfeschlossen waren. Auch fragen sie mich, ob ich Erfahrung mit Bahnfahren in Frankreich habe. Ich kann ihnen wertvolle Tipps zu Campingplätzen und Zugverbindungen geben für ihre spätere Rückreise vom Atlantik nach Hamburg. Um ca. 11 Uhr starte auch ich. Jetzt ist schönster Sonnenschein. Mein Ziel, Orleans um 13 Uhr passiert zu haben, erreiche ich, mein Ziel Gien nicht. Es siegt die Vernunft und die sagt, dass ich in Chateauneuf-sur-Loire übernachten soll. Den Platz dort kenn ich und weiß, dass man dort auch geschützt bequem sitzen kann. Der Raum de jeux ist zwar geschlossen, aber davor gibt es einen überdachten Platz mit Tischen und Stühlen und sogar einer Steckdose. Bis dahin beobachte ich ständig den Himmel. Es braut sich etwas zusammen und ich strampele, was das Zeug hält. Ich komme trocken an, fange sofort mit dem Zeltaufbau an. Kaum steht mein Außenzelt provisorisch, wird es auch schon nass von oben. Gerade so schaffe ich es mit der Tasche mit den restlichen Zeltutensilien unters Außenzelt. Das nenne ich mal exaktes Timing. Der Boden bleibt trocken - ich muss allerdings anfangs die Wände etwas nach außen drücken, damit er es an den wichtigen Stellen auch bleibt. Ich rolle den Groundsheet aus und Hänge das Innenzelt ein, ohne dass etwas nass wird. Als ich fertig bin, hört auch gerade der Regen auf. Die Packtaschen, die die ganze Zeit draußen standen, haben auch den Regen gut abgehalten. Ich räume mein Zelt ein, mein Shirt bekommt eine Wäsche und schon geht‘s los in die Stadt. Eine Patisserie befriedigt meinen Heißhunger auf Süße Leckereien. Dann spaziere ich durch den Park des Chateaus. Es hat sich in den vergangenen fünf Jahren viel getan. Er ist wunderschön geworden. Und ich sage mir wiedermal, Heidrun, du hast heute alles richtig gemacht. Später richte ich mich häuslich im geschützten Bereich des Campingplatzes ein, schreibe Tagebuch, trinke Bier, esse Abendbrot. Heute Abend soll es noch an der Brücke über die Loire Lichtillumination geben.

 

Montag, 17.08.2020

 

Sieben Uhr wache ich auf und der Tag scheint trocken zu beginnen. Allerdings ist das Zelt von außen und innen feucht. Es war kalt letzte Nacht. Ich musste richtig in meinen Schlafsack kriechen. Um 9 Uhr ist alles verpackt und ich bin abreisefertig.Vorher versucht mich einer der Dauercamper mit Frühstück in seine Campinghaus zu locken., aber ich verweise aus sicherer Entfernung, dass ich eigens Frühstück habe. Die erste Rast mache ich nach 20 km in Sully in einem Café. Auf der Weiterfahrt nach Gien möchte ich eigentlich zwischen Lion-en-Sullias und St. Gordon die Abkürzung über die D951 nehmen, merke aber erst nach einer Steigung am Ortsausgangsschild von Lion, dass das zu spät ist. Nun gut, umkehren wäre Blödsinn, sind es halt 7 km mehr auf dem Originalweg. In Briare werde ich in einem Restaurant an der Kanalbrücke mit meinem Wunsch, im Innenraum zu speisen, abgewiesen. Ich soll mich draußen hinsetzen, wo es sehr zugig ist. Ich verzeichte auf Bewirtung und mümmele auf einer Bank sitzend mein Drittel Käsebaguette von gestern. In Bonny-sur-Loire bin ich bereits 60 km gefahren und habe Hunger!!!. Es sit jetzt nachmittags um drei, ich sehe einen Imbiss und freu mich schon auf eine Portion Fritten - wieder nichts. Um diese Uhrzeit gibt es nichts zu essen. Unter einer Brücke mampfe ich einen Hafervoll-Müsliriegel (die sind wirklich gut). Weiter geht‘s - davon drei km auf einem leuchtend weißen Weg. Somit komme ich nach Belleville-sur-Loire. Und da steht er - meine Rettung - ein Baguette-Automat. 90 Cent habe ich als Kleingeld und ich verschlinge fast die Hälfte des frischen Baguettes. Lecker !!! So gestärkt kann ich die letzten km in Angriff nehmen. Da mir aber der Hintern schmerzt und der Wind stark von der Seite oder von vorn weht, schiebe ich dann 8 km vorm Ziel ein Stückchen mein Rad. Ein Paar überholt mich - Hotelradwanderer - und fragt mich auf englisch, ob alles okay sei. Ich deute auf meinen Po. Lachen! Das Paar - Niederländer? -  fährt weiter und ich nach einer Weile auch. Das Paar bleibt stehen. Diesmal frage ich, ob alles okay sei. „The same problem“ meint die Frau. Ich frage sie auf englisch nach ihrem Herkunftsland. „From Germany.“ „Dann können wir ja auch auf deutsch weiter reden“ feixe ich. Wir quasseln noch 10 Minuten, dann fahren wir weiter. Als ich in Cosne-sur-Loire abbiege, winken sie mir hinterher. In Cosne installiere ich in Windeseile mein Zelt und flitze zu Fuß hinüber in die Stadt. Ich brauche Nahrung. Ich finde tatsächlich den Carrefour wieder. Als ich den 19.10 Uhr verlasse, gehen hinter mir die Jalousie des Marktes herunter. Schwein gehabt! Mit einer kleinen Flasche Bier, Kartoffelsalat und 2 Schoko-Eclairs abendbrote ich an einer schönen Stelle auf einer Bank und schlendere danach zurück zum Campingplatz. Mein Nachbar - Autokennzeichen Darmstadt - sitzt vor seinem in die Jahre gekommenen Zelt. Wir grüßen uns, er biete mir einen Platz und Wasser an, und so verplaudern wir eine weitere Stunde, in der ich eigentlich Tagebuch schreiben wollte, bis mir kalt wird. Das mache ich später da, wo es hell ist, im Spülbereich auf dem Boden sitzend, während mein Tablet an der Stromdose hängt. Als ich damit fast fertig binm werde ich gestört von zwei Jugendlichen, die ständig den Bereich mit Fahrrädern umrunden und immer zu mir gucken. Als sie gerade außer Sicht sind, verschwinde ich erstmal in eine Waschlkabine und dann schnell durchs Gebüsch von Baum zu Baum huschend zu meinem Zelt. Den Reißverschluss arretiere ich von innen vorsichtshalber mit einem Häring, so dass man ihn nicht einfach aufzeihen kann. Außerdem lasse ich die Ohrstöpsel weg. Es ist das erste Mal auf meinen Touren, dass ich nachts ein wenig Angst verspüre.

 

Dienstag, 18.08.2020

Letzte Nacht hat es wiedermal geregnet und das Außenzelt ist vom Kondenswasser auch innen nass. Ab 7 Uhr fange ich an zu kramen und zu packen, aber das Außenzelt trocknet einfach nicht. Mein Plan für heute ist, spätestens 15 Uhr in Nevers zu sein, um dann mit dem Zug bis Digoin zu fahren.Unterwegs erlebe ich nicht enden wollende Dammfahrten mit Seitenwind oder Wind von vorn. Oft sind die Wege - obwohl geteert - holprig, weil mehrfach geflickt. Wenigstens entkomme ich sämtlichen Regenschauern. In Marseille-les-Aubigny futtere ich mein Stück Käsebaguette und eine Tomate, fahre anschließend in die richtige Richtung auf dem falschen Weg, werde von Anwohnern darauf hingewiesen, muss ein Stück zurück radeln um dann festzustellen, dass ich nicht die einzig Doofe gewesen bin, die den falschen Weg genommen hat. Ich passiere den Bec d‘Allier, wo die Allier und Loire zusammenfließen, und stehe wenig später an der riesigen Schleuse in Le Guetin. Ich benötige eh eine längere Pause und habe Glück, als ein Schiff diese Schleuse passieren muss. Somit beobachte ich dessen gesamten Schleusenfahrt. Noch 15 km, die ich so lala hinter mich bringe, dann erfahre ich in Nevers am Fahrkartenautomat, dass es heute keine Direktverbindung inclusive Fahrrad mehr nach Digoin geben wird. Ich müsste umsteigen und wenn ich Pech habe, gibt es keine Fahrstühle. Ich stelle mich am Ticketschaalter an, kaufe mir für den nächsten Tag ein Direktticket, düse hinunter zum Campingplatz, baue mein Zelt auf, bummele zu Fuß nochmal hoch in die Stadt, während mein Zelt und miene Wäsche bei der jetzt kräftig scheinenden Sonne trocknen können. Beim Einkaufen nehme ich mir eine kleine Spnat-Ziegenkäse-Quiche mit, da man diese auch kalt essen kann, und freu mich umso mehr, dass sich auf dem Campingplatz eine Mikrowelle befindet. Dazu trinke ich ein kühles Bier vom Platzimbiss und futtere Fritten. Zwischenzeitlich nehme ich meine Wäsche von der Leine - rechtzeitg - 5 Minuten später ergießt sich ein Regenschauer. Mit Zettel, Stift und Händen und Füßen unterhalte ich mich mit einem französischen Paar. Sie sind glücklich, dass ich einen französisch sprachigen Reiseführer für den Velo Francette dabei habe. Später sitze ich noch in der Dunkelheit auf einem Stuhl an der Loire und schaue hinüber auf die Stadt.

 

Mittwoch, 19.08.2020

Gestern Abend wurde ich beim Einschlafen durch Quasseln aus dem Nachbarzelt gestört. Halb zwölf bat ich höflichst um Ruhe. Alsbald schlief ich. Morgens schlafe ich mal etwas länger. Ich habe viel Zeit, denn mein Zug fährt erst nachmittags halb drei. Trotzdem bin ich um 10 Uhr mit allem fertig und lasse mich auf dem Campingplatz im Außenbereich des Imbisses nieder, wo man sich kostenlos Tee und Kaffee zuvereiten kann,, lese erst einen Führer mit europäischen Campingplätzen und danach ein mehrsprachiges Journal über die Bourgogne, während meine Flipflops, mein Handtuch und meine Schlafanzughoseüber Stühle gehängt im Wind trocknen können.so vergeht langsam die Zeit. Ist jedenfalls besser, als sinnlos auf dem Bahnhof herumzusitzen. Das beste am heutigen Vormittag war, dass ich das Zelt und co. Alles vollständig trocken verpacken konnte. Um 12 Uhr mache ich mich gemächlich auf den Weg zum Bahnhof auf, um dort mir die Zeit bis halb drei mit Sudoku zu vertreiben. Habe inzwischen auch den angenehmsten Weg nach oben in die Stadt gefunden. Wenn man die Brücke passiert hat, folgt man am besten keineswegs der Ausschilderung zum Bahnhof, sondern biegt hinter dem Restaurant schräg nach rechts oben in die Rue Cathedrale ab. Vor der Kathedrale nimmt man den Weg rechtsherum, passiert das Office de Tourism, umrundet die Markthalle entgegen dem Uhrzeiger und biegt dann links ab direkt auf den Bahnhof zu. Das Schöne an der Rue Cathdrale ist, dass man auf dem Bürgersteig gehend und das Rad auf der Straße schiebend ein besseres Hebelverhältnis hat. Als der Zug kommt, sind alle Stellplätze (Hängeplätze) für Fahrräder belegt. Mein Fahrrad könnte ich locker vor die Hinterräder stellen, ohne dass jeamnd behindert würde, aber der Zugbegleiter schnauzt mich an, dass das nicht gehen würde. Auch weiter hinten im Zug gäbe es noch eine Stelle, wo man das Rad abstellen könnte zwischen Stehtischen, wo sowieso niemand steht, aber er lässt n icht mit sich reden. Nun stehe ich da, das Ticket bereits abgestempelt und heute keine Direktverbindung mehr. Ich sause zum Schalter. Die dortige Servicekraft holt sich Unterstützung durch eine Kollegin und ich bekomme ein Ticket mit 2x Umstiegen angeboten. Was soll ich machen? Ich bin einverstanden. Mein Ticket bekommt einen entsprechenden Vermerk. Mein Einverständnis hat auch damit zu tun, dass der zweite Umstieg in Paray-le-Monial wäre. Da gibt es einen Campingplatz und ich würde von der morgigen Etappe 11 km sparen, da die sowieso über Paray führen würde. Aber es soll noch besser werden. Als ich mir während der Fahrt im Zug auf der Karte anschaue, wo sich der erste Umsteigeort Montchanin befindet, beschließe ich, nicht in den Zug nach Paray umzusteigen, weil ich diesen ersten Umsteigepunkt morgen auch passieren würde. Und wenn ich gut bin, schaffe ich es in 2 Stunden bis Chagny. Damit spare ichg eine Tagesetappe, die noch dazu nicht gerade spannend ist. Um 17.10 Uhr steige ich in Montchanin aus dem Zug, fahre die Landstraße bis Ecuisses und dann den Radweg bis St. Berain-sur-Dheune, ab da wieder Straße bis St. Eger-sur-Dheune und dann wieder den Radweg immer am Kanal entlang bis Chagny. Schlag 19 Uhr erreiche ich den Campingplatz, suche mir ein Emplacement, stelle mein Rad samt Gepäck dort ab und flitze zu Fuß in den kleinen Supermarkt „Casino“, um für Abendbrot und Frühstück zu sorgen. Notfalls wäre ich essen gegzeltes angen oder hätte mich an den eigenen Vorräten bedient, die da wären: 1 kleine Bücaufbau meines hse Rattouille, 2 Tomaten, 6 Müsliriegel, 1 Packung Studentenfutter. So genieße ich nach dem eine kleine Büchse Rosenkohl mit Kartoffel- und Möhrenstückchen, 1 kleines Stück Baguette, 1 Tomate, 2x Creme Brulee und 1 Bier.

 

Donnerstag, 20.08.2020

Gestern Abend musste ich meine Nachbarn um Ruhe bitten. Sie waren die einzigen, die weit nach 23 Uhr sich noch lautstark unterhielten - vorwiegend Jungvolk um die 20 in 2 Wohnmobilen und drei Zelten. Sie hatten aber Verständnis für meine dünnen Zeltwände. Morgens bin ich 20 vor 7 wach. Wie es aussieht, wird es heute ein sonniger Tag. Beim Packen lasse ich mir Zeit, um das Zelt trocken verpacken zu können. Außerdem muss ich warten, bis die Rezeption geöffnet wird, da diese gestern beim Einchecken schon geschlossen hatte. Halbz zehn starte ich. Eigentlich würde ich gern bis Dole chalon-sur-Saone passiert haben - das klappt. Um eins soll es Gergy sein - ich bin 30 Minuten früher dort und mache Rast. Viertel vor eins erreiche ich Verdon-sur-le-Doubs, bin einziger Gast in einer gut klimatisierten Patisserie mit wunderbar weichen Sitzmöbeln und vertilge hausgemachten Nudelsalat und etwas, das mir als Quiche verkauft wird, aber eher nach Pizza aussieht, dazu eine kühle Orangina. Alles schmeckt köstlich. So gestärkt nehme ich den schlimmsten Abschnitt des Tages in Angriff,  nämlich von Verdon hoch nach Mont-les-Seurre. Glücklicherweise habe ich wie schon den ganzen Tag Rückenwind. Es gibt kaum mal Schatten auf der Strecke. Die Abfahrt nach Chazelle genieße ich. Die letzten km an der Saone entlang nach Seurre schaffe ich auch noch. Dort muss ich mich wieder einige Minuten im Schatten mit Wind herunterkühlen, da ich jetzt gleich bis Pagny nicht den Radweg (16,5 km) sondern die D976 (7 km) nehmen werde, auf der es keinen Schatten gibt. Auf dem anschließenden Weg nach wird mir klar, dass die 24 km bis Dole nicht mehr packen werde. Es ist kochend heiß und ich mache Schattenhopping. So checke ich in St. Jean-de-Losne auf dem Campingplatz ein. Die Dame an der Bar/Rezeption ist sehr freundlich. Zur Begrüßung bekommt jder Neuankömmling einen Becher eiskalten Wassers aus dem Zapfhahn inclusive Nachschlag. Das tut so was von gut nach der Hitzefahrt. Mein Zelt baue ich langsam - mehr geht nicht mehr - im Schatten auf, dazu pfeift der Wind übern Platz. Duschen und große Wäsche folgen. Bei diesem Wind und der Sonne wird alles trocken werden. Auch die Taschen und deren Inhalt lüfte ich gründlichst durch.  Und bummele anschließend in den Ort. St. Jean ist eine Station auf dem Jakobsweg. Es hat eine kleine Kirche mit bunten Dachziegeln, aber die Innenaussattung der Kirche kann sich sehen lassen. Nach Einkauf und Füße in den Kanal tauchen, bleibe ich bei einem großen kühlen Bier im Platzrestaurant hängen und da Abendbrotzeit ist und ich so einen schönen Sitzplatz mit Blick auf den Kanal habe, bleibe ich länger und esse im Restaurant. Mein eigentlkches Abendbrot - ein Glas Bio-Ravioli- freut sich ein junges Radwanderpärchen, das sich auf dem Weg nach Grenoble befindet. Den Abend verbringe ich auf meiner superleichten Picknickdecke mit Tagebuchschreiben. Die letzten Worte, die ich schreibe, sehe ich kaum noch.

 

Freitag, 21.08.2020

Eine tropische Nacht liegt hinter mir. Nicht einmal zugedeckt habe ich mich. Um 6.40 Uhr werde ich wach, dusche und packe. Frühstück nehme ich zivilisiert an einem Tisch sitzend beim Restaurant einb. Um 8.20 Uhr starte ich. Der Wind weht kräftig. Vor allem bis Dole muss ich mich öfters gegen ihn stemmen. Später habe ich oft Rückenwind. In Aubergement fülle ich wie immer meine Trinkvorräte an der Wasserpumpe auf, in Dole genehmige ich mir eine Ruhepause mit Schuhe aus, in Orchamps kaufe ich mir etwas Herzhaftes und mache Mittagspause bei dem neuen Picknickplatz an der Apotheke. Diese war mein eigentliches Ziel beim Zwischenstopp gewesen, da mein Rücken muckert und meine starken Ibuprofen für den Notfall irgendwo in den Tiefen der Packtaschen verschwunden sind. Schon am Ende der Pause wirken die neugekauften Ibu und so beschließe ich, heute nicht wie sonst die Abkürzung über die D673 zu nehmen sondern den Originalradweg EV6. Ich stelle fest, dass dieser in diese Richtung gar nicht so schlimm ist, wie ich immer dachte.Ich schiebe das Rad ein kleines Stückchen bis aufs Plateau - oben bleibt es flach bei wunderbarer Aussicht auf die Rehebungen des Jura - danach geht es 2 km bergab. In die entgegengesetzte Richtung empfehle ich trotzdem jedem lieber die D673 zu nehmen. Nun liegt n ur noch eine kräftige Steigung vor miur, abgesehen von der kleineren zum Campingplatz in Besancon. Ab Thoraise muss man nochmal alle Kräfte mobilisieren, um nach Montferrand La Chateau zu kommen. Der Fluss selbst, der mein treuer Begleiter war, fließt kanalisiert unter dem Berg durch einen Tunnel. Wer darauf mit einem Boot durchfährt, wird am Ende des Tunnels Opfer eiínes Wasserfalls, der sich über das Boot ergießt. Ich fahre komplett die Straße bis nach oben, weil der eigentliche Radweg nach einem Stück die Straße hoch links abbiegt, da wieder ins Tal führt, um dann umso steiler nach oben zu führen. Der Vorteil der Straßenfahrt ist, dass sie nachmittags schön schattig ist, was man vom Radweg nicht behaupten kann. Den Tunnel mit Wasserfall und einer Mariengestalt sieht man auch so, wenn man auf der anderen Seite wieder im Tal ist. In Besancon führt der Eurovelo 6 durch einen Tunnes´l unter der Zitadelle entlang, die sich hoch oben auf dem Fels erhebt und einen Tierpark beherbergt. Jetzt liegen noch 6,5 km vor mir. Emplacement 10, das ich gern hätte, ist belegt, aber mit Nr. 7 bin ich auch zufrieden. Da wird bis zum Abend höchstens mal eine Stunde mein Zelt von der Sonne beschienen werden. Sobald das Zelt steht, gehe ich umgehend duschen und frische Wäsche anziehen. Die Wespen umschwärmen mich, eine sticht mich. Als ich sauber bin, lassen sie mich in Ruhe. Nun ist einkaufen und bummeln angesagt. Carrefour und Intersport befinden sich in höchstens 10 Minuten Entfernung. Ich lasse mich richtig viel Zeit. Im riesigen Carrefour ist es so kühl, dass ich mich nach einiger Zeit nach ein bisschen Wärme sehne. Hier bekomme ich auch endlich neue Einlegesohlen für meine Schuhe - die bisherigen haben Löcher bei den Zehen. Zum Feierabend ist gründliches Taschen sortieren angesagt. Ich sitze auf meiner Decke, den ganzen Kram aus den Taschen um mich verteilt, und sortire durch. Danach kann ich am gleichen Platz ohne Wespenbesuch Abendbrot essen und Tagebuch schreiben. Leider hatte ich gehofft, zwei Damen, die auch auf dem Platz in St. Jean waren, zu treffen, weil auch ihr Ziel Besancon war. Das letzte Mal hatte ich sie in Dole an einer Abzweigung gesehen.

 

Samstag, 22.08.2020

Ab 4.45 Uhr hat es immer wieder geregnet. Der letzte Schauer kommt um 6.45 Uhr und es sieht keineswegs nach Sonne in nächster Zeit aus. Aber wenigstens bleibt es trocken. Ich hole meine Packtaschen aus dem Safe,  parke dafür mein Frühstück darin, verpacke alles außer meinem Außenzelt. Das ist so richtig schön pitschnass. Ich hänge es am Gitter des Fahrradraumes, wo sich auch die Schließfächer befinden, auf. Dort kommt kein Regen hin, dafür weht ein leiches Lüftchen, und so kann ich es anch dem Frühstück halbwegs trocken einpacken. Vom Campingplatz sind es bis zum Bahnhof in Besancon 11 k. 2 h halte ich mich im Bahnhofsgebäude auf, bis mein Zug nach Montbeliard fährt - die alte Leier: keine offenen Campingplätze bis Mulhouse. Während der Bahnfahrt gucke ich die ganze Zeit aus dem Fenster. Ich wäre ja lieber mit dem Rad gefahren, da dies der schönste Abschnitt des EV 6 entlang des Doubs ist. Der Fluss schlängelt sich durch eine Schlucht mit hochaufragenden Felsen und viel Laubwald. Ab Montbeliard radele ich den langsam anstegenden Weg bis Montreux-Jeune. Danach rollt es. Die Schleusentreppe vor Retzviller ist in diese Richtung besonders angenhem zu fahren. Trotzdem m uss ich gegen Ende wieder in die Pedale treten, weil gemeinerweise der Wind von vorn kommt. Der Campingplatz in Mulhouse ist noch leerer als vor drei Wochen und das samstags, wenn sich sonst die Franzosen versammeln. Man spürt die Corona-Krise. Kann aber auch daran liegen, dass in Frankreich jetzt bald die Ferien enden. Ich bau mein Zelt auf, schmeiße erstmal alles rein und fahre zum Leclerc. Heute Abend gibt es ein leckeres Spinat-Nudel-Gericht mit 2 vegetarischen Frikadellen dank Mikrowelle, dazu als Nachtisch 2 Gläschen Kokospudding.. Die anderen beiden stelle ich verbotenerweise in den Kühlschrank, wo auch schon Sachen anderer Menschen lagern. Mein Grimbergen Rouge kommt für 15 Minuten ins Gefrierfach. Das Bier einnert mich an Alain, mit dem ich vor zwei Jahren hier gesessen und getrunken und gequatscht habe, so wie wir das mehrere Etappen lang gemacht haben, wenn wir abends uns auf dem nächsten Campingplatz wieder getroffen haben. Danach räume ich im Zelt auf und laufe um 20 Uhr nochmal in Richtung Stadt. Ich muss m ich informieren, ob das Office de Tourism sonntags geöffnet hat. Im Moment weiß ich nicht wirklich, wohin mich mein Weg führen soll. Auf dem Rückweg entdecke ich noch einen Carrefour Express, der sonntags geöffnet ist. Das ist gut - damit habe ich den morgigen Tag Zeit für eine Entscheidungsfindung und zum Ausruhen.

 

Sonntag, 23.08.2020

Endlich mal kann ich morgens die Äuglein nochmal schließen. Viertel vor acht beginne ich den Tag gemütlich mit einem Pott Kaffee. Halb neun frühstücke ich und quaasele immer mal wieder mit meinem Nachbarn, einem Ende Dreißigjährigem aus Freiburg. Wir fachsimpeln und er ist froh, dass ich ihn über die geschlossenen Campingplätze informiere. Halbzehn dusche ich schließlich und ziehe mich ordentlich an, denn bis dahin bin ich in meinen Schlafklamotten herumgehoppelt. Diese kommen gleich noch in die Wäsche und auf die Leine. Ist doch schön so ein Tag ohne Strapazen. Im Office de Tourism bekomme ich leider kein Kartenmaterial für den weiteren EV 6. Ich soll es in Basel probieren. Daheim in Düsseldorf liegt das gesamte Kartenmaterial bis Budapest, das ich vor zwei Jahren genau hier in diem Büro gekauft habe. Hatte es auf diese Tour nicht mitgenommen, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass ich es eventuell gebrauchen könnte. Was nun? Auf den EV15 bis Düsseldorf habe ich keine Lust und auch nicht auf den EV5 bis Sarreguimoine und dann weiter bis zur Mosel. Ich werde wohl morgen den Zug nach Basel nehmen, denn ein fünftes Mal muss ich die Strecke dorthin nicht auf dem Rad absolvieren. Die Schweiz selbst möchte ich so schnell Geschäften beim Einkauf Schweizer Währung Wechselgeld bekommt, wenn man mit Euro bezahlt. Den Nachmittag vertrödele ich damit, dass ich auf der Suche nach einem Café, in dem man eventuell einen Eisbecher essen könnte, nochmal in den Carrefour gehe und mir dort ein Stück Apfeltarte und 2 Creme Brulee hole. Später liege ich auf meiner Decke vor dem Zelt und löse Sudoku. Ein kleiner Spaziergang nach dem Abendbrot rundet die Sache ab.

 

Montag, 24.08.2020

Gestern Abend um 22 Uhr kehrte schon absolute Stille auf dem Platz ein . Da hebt sich besonders ab, wenn jemand in einem anderen Zelt laut telefoniert. Nachdem ich mir das Gequatsche15 Minuten angehört hatte, habe ich der jungen deutschen Dame mitgeteilt, was sie so alles gerade erzählt hat. War ganz schön erschrocken und hat dann wesentlich leiser gesprochen. Heute hat sie mich keines Blickes gewürdigt. Um 6.30 Uhr bin ich wach und sitze schon um 9.16 Uhr im Zug nach Basel. Ich bin gespannt, wo ich im Laufe des Tages landen werde. Ich habe während der anschließenden Radtour keinen blassen Schimmer, wo genau ich mich befinde. Ich fahre stur nach den Piktogrammen, was bedeutet, dass ich nicht, wie ich das sonst so gern mal mache, vor mich hinträumen kann. Der EV 6 ist wirklich sehr gut ausgeschildert und vorerst liniengleich mit dem EV 15 - dem Rheinradweg. Das ist gut, weil ich dadurch gleich ein weiters Stück vom letzteren als gefahren abhaken kann. Die Strecke ist zwar nicht unbedingt flach, aber dafür meist schattig. Allerdings nerven die oft holprigen Wege. Da muss man den Lenker fest umschließen, um nicht mit seiner Ladung unsanft zu landen. Mir schlafen öfter die Hände vor Anstrengung ein, weil ich nicht wie gewohnt umgreifen kann. Durch Rheinfelden schiebe ich, weill ich die historischen Bauten mit der -kamera einfangen will. In Mumpf gibt es einen Campingplatz, aber ich habe noch viel Energie und setze meine Fahrt fort. In Koblenz/Suisse denke ich so, dass es nun mal langsam an der Zeit wäre, sich um Übernachtung zu kümmern. In Bad Zurzach komme ich endlich an einer Tourist-Info vorbei. Im Ort gibt es unten am Rhein einen Campingplatz. Ich checke dort ein. Auf dem kleinen Zeltareal und nur noch ein weiters Zelt mit zwei jungen Mädchen. Im Platzrestaurant bekomme ich sehr leckere Spaghetti mit hausgemachtem Pesto und Parmesan vorgesetzt, dazu einen Salat und ein hiesiges Bier. Die Wirtin und überhaupt alle hier sind sehr sehr freundlich. Nach meinem Abendessen laufe ich über die Brücke über den Rhein hinüber nach Deutschland in der Hoffnung, an einen Geldautomaten der Sparkasse mein Handyguthaben aufbessern zu können - ohne Erfolg. Ich hatte vergessen, mein Prepaidhandy vor Urlaubsantritt guthabenmäßig zu laden, das nur 87 Cent Guthaben aufwies. Wenigstens habe ich noch ca. 2 € Treuebonus bekommen. Meine Freunde und Familie wissen überhaupt nicht, wo ich im Moment stecke. Da kommt erst eine Suchmeldung, wenn ich am 31.08. nicht wieder in Düsseldorf erscheine. Der Ort auf der anderen Rheinseite ist keinen Besuch wert. Da sieht das in Bad Zurzach ganz anders aus.  Es gibt viel alte Bausubstanz und die meisten Häuser haben einen Namen. Mir gefällt es hier. Auf dem Rückweg zum Campingplatz halte ich meine Füße in den Rhein, der hier im Gegensatz zu Düsseldorf sehr schmal ist. Ich bin es gewohnt, ewig über eine Rheinbrücke zu laufen, hier ist man im Nu auf der anderen  Seite. Dann schreibe ich fix noch im Licht einer Laterne Tagebuch.

 

 

Dienstag, 25.08.2020

Heute Nacht war es wieder kalt. Glücklicherweise befinden sich Wollsocken im Gepäck, die ich abends immer vorsichtshalber bereit lege. Fürs Frühstück hatte ich mir 2 Ciabatta, 2 Stückchen Butter und 2x Konfitüre bestellt und bezahlt. Die Tüte, die bereit steht, enthälz zwar die Ciabatta und die Konfitüre, aber statt Butter gibt es Butterhörnchen. Reklamieren geht nicht, weil erst ab 10 Uhr jemand da ist und ich nicht so lange warten will. Nun gut, eine Tomate aus meinem Fressbeutel aufs Ciabatta und dazu Babybel schmeckt auch lecker. Die Tüte mit den Butterhörnchen stelle ich mit entsprechender Beschriftung zurück.

Der Fahrradweg führt oft am Rhein entlang - wenn nicht, geht es mit Sicherheit bergauf. Und ich fahre über jede Menge Schotterwege. Eine Steigung wird sogar angekündigt : 110 m auf 4 km. Schlimm ist aber nur der erste Kilometer, weil es da steil hoch geht. Ich schnaufe ganz schön beim Schieben. Fahren wäre nicht machbar. Ich bin nur 5 km von Winterthur entfernt. In der Ferne sehe ich einige Alpengipfel. Die anschließende Abfahrt auf glatter Straße tut gut. Dann geht es wieder nach oben. Zwischenzeitlich geht der Radweg wieder von der Straße ab. Ein Blick darauf genügt, dass ich mich für eine Weiterfahrt auf der Straße entscheide. So komme ich bei der Laufenburg an. Da ich mich an einem Wegweiser entschieden hatte den kürzeren Weg zum Rheinfall zu nehmen, befinde ich mich nun oberhalb desselben. Ab da geht ein gemeinsamer Rad-Fuß-Weg steil nach unten und zwar auf Schotter. Gleich am Anfang der Abfahrt passiert, womit ich schon gerechnet hatte. Mein Hinterrad rutscht weg, Das Fahhrad geht zu Boden, ich selbst glücklicherweise nicht. Ich bekomme nur ein paar blaue Flecken an den Beinen, wo mir der Rahmen dagegen knallt. Andere Touristen erkunden sich sofort, ob mir was passiert sei. Ich beruhige sie, dass alles okay sei. Den Rest des Weges schiebe ich den Hang hinunter und kann das Rad kaum halten. Ich bleibe fast die ganze Zeit mit der Hüfte auf Tuchfühlung mit dem Geländer, bis dieses aufhört. Ich werde jetzt immer schneller. Jetzt nur nicht stürzen! Ich bin so froh, als ich gerade Strecke erreiche. Für heute habe ich die Nase voll und fahre über Neuhausen nach Schaffhausen mit dem Rad und von dort mit dem Zug bis Konstanz. Mit großen Augen schau ich aus dem Zugfenster auf den Bodensee, den ich nur aus dem Fernsehen kenne. In der Konstanzer Touristinformation macht man mir keine Hoffnugn, einen Campingplatz mit freien Plätzen zu finden. Aber das Glück ist mir hold. Nach einigen Kilometern finde ich einen. Später kommen dort noch 2 Motorradfahrer aus Düsseldorf und schon sind wir am Schwatzen. Um 18 Uhr mache ich mich zu Fuß auf in die Stadt, so ca 4 bis 5 km am See entlang. In der Stadt erspähe ich, hungrig wie ich bin, in einer kleinen Seitengasse eine Pizzeria mit einem freien Tisch und lasse mir eine Pizza schmecken. Dann besichtige ich die Stadt. Als ich mich auf den Rückweg mache, wird es bereits langsam dunkel, und der Weg hat auf der zweiten Hälfte meist keine Laternen. Überall lagern allerdings Grüppchen und Paare, die den lauen Sommerabend genießen. Am Ziel lande ich auf dem verkehrten Platz, da zwei nebeneinander liegen und ich nicht über den Haupteingang sondern über einen Durchgangsweg gekommen bin. Das bemerke ich, als ich von der Sanitäranalge aus mein Zelt anpeilen will. Aber schon eine Minute später begrüße ich mein Heim. Es ist 21.25 Uhr und stockdunkel.

 

Mittwoch, 26.08.2020

In der letzten Nacht war es zur Abwechslung wieder warm. Aber m orgens schon weht eine steife Brise über den Bodensee. Das Zelt ist daher auch supertrocken. Während des Packens fachsimpele ich noch mit einem der Düsseldorfer über Fahrradgepäckvarianten. Meinbe Version finder er sher gut. Halb zenh starte ich, finde ewig nicht aus Konstanz heraus, bin plötzlich wieder in der Schweiz in Kreuzlingen, fahre einen Teil der Strecke zurück, finde den Weg, verliere ihn wieder und gerate beim Nachfragen glücklicherweise an einen einheimischen Radler,  der mir bestätigt, dass die Ausschilderung nach Radolfzell eine Katastrophe und teilweise sogar falsch ist. Dank seiner Einweisung lasse ich Konstanz bald hinter mir. Der Wind pfeift mir kräftig entgegen. Oft fahre ich in den unteren Gängen und teilweise reicht die Kraft bei Steigungen nur noch zum Schieben. Einmal fragen zwei überholende Radler, ob mit dem Rad alles in Ordnung sei. Ich antworte ja, aber dass ich diesen sch... Wind zum K..... finde. Beim Blick auf ihre E-Räder grinse ich und füge hinzu, dass ich noch selbst trete. In Radolfzell entdecke ich auch endlich einen Hinweis auf den Eurovelo 6. Leider fahre ich 1 km lang in die falsche Richtung. Am Bahnhof ist eine Karte. Zurück geht‘s den Kilometer, biege später einmal falsch ab, kehre um, nehme die richtige Abzweigung und komme an ein kräftige Steigung. Eine Wespe oder Biene meint, mich beim Erklimmen stechen zu müssen. Meine Armbeuge ist wie betäubt. Aber dann werde ich entschädigt mit einer 10 km langen Abfahrt. In Waldwies wäre ein Campingplatz, aber ich habe die Hoffnung, heute noch Tuttlingen zu erreichen. Das doofe an Abfahrten ist, dass man durchaus mal ein Hinweisschild übersieht, und somit verliere ich den EV6, dahre in Richtung Ludwigshafen am Bodensee, finde kurz vor dem Ort einen Campingplatz. Mir wird ein Fleckchen direkt am Zugang zum See zugewiesen. Der Platz ist sehr voll - fast Zeltwand an Zeltwand. Schnell ist man im Gespräch mit seinen Nachbarn. Ich baue auf und gehe auf Ortsbesichtigung. Gleich zu Beginn entdecke ich ein Lokal, in dem ich lecker speisen kann. Wieder auf dem Platz baut ein Neuankömmling sein Zelt sehr dicht neben meinem auf. Ich frage ihn, ob er schnarcht, „ja“. „ist nicht so toll“. „ja, die Frauen mögen das nicht, aber wenn du willst, setze ich das Zelt weiter rüber“. „oh ja“ Freude. Ich blockiere vorsichtshalber die frei werden Stelle mit meiner Decke, setze mich drauf und sortiere meine Sachen. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie der Platzwirt da noch am liebsten jemanden platzieren würde. Aber er traut sich das dann doch nicht. Mein netter Nachbar ist Motorradwanderer. Als er sich fertig installiert hat, unterhalten wir uns ao prima, dass wir zum Platz-Restaurant wechseln.Bis elf sitzen wir da, trinken Wein und quasseln über Gott und die Welt. Danach verschwindet jeder in seinem Zelt. Zum Schlafen komme ich nicht, weil sich auf den Bänken in der Nähe junge Leute treffen und quasseln, während sie mit ihren Smartphones beschäftigt sind. Gegen zwölf beschließe ich, im Scheine meiner Stirnlampe, die ich auf rot geschaltet habe,  in einen ruhigeren Bereich umzuziehen. Zwei Frauen aus einem Wohnwagen spenden helfend mir noch zusätzlich Licht und 10 Minuten später liege ich im Zelt und kann endlich schlafen. Zuvor beim Toilettengang werde ich allerdings noch zurückgeschickt, weil ich meine Maske vergessen habe. Ich kann mir nicht verkenifen darauf hinzuweisen, dass eventuell auch mal für Ruhe gesorgt werden könnte.

 

Donnerstag, 27.08.2020

Die Nacht war saukalt. Am Morgen dampfte der Bodensee. Trotz zusätzlichem Thermoshirt und Wollsocken habe ich im bis obenhin geschlossenen Schlafsack gefroren. In allerletzter Not habe ich meine Rettungsdecke heraus gekramt, die zwar entsetzlich knisterte, aber Abhilfe schaffte. Ich deckte sie über den Schlafsack und Tatsächlich durchströmte mich schon nach kurzer Zeit wohlige Wärme. Dass ich für Warmduschen einen Jeton brauche, hatte mir gestern keiner gesagt. Zum Glück ist in meiner dusche noch eine Restminute, so dass ich noch ein wenig warm duschen kann. Beim Packen muss ich mich beeilen, da ich bis Viertel vor acht gepennt habe, ich ein Frühstücksmenu mit Rührei bestellt habe und mein Zug um 10.30 Uhr fährt. Ich habe gestern Abend noch beschlossen, bis Mainz den Zug zu nehmen. Auf der Fahrt von Konstanz nach Karlsruhe gucke ich die ganze Zeit aus dem Fenster. Adieu Bodensee! Kurz bevor der Zug in den Schwarzwald eintaucht, entdecke ich das, was ich eigentlich noch mit dem Rad erreichen wollte - den Donauradweg, der auch Teil des Eurovelo 6 vom Atlantik zum Schwarzen Meer ist. In großen Lettern ist er ausgeschildert am Bahnhof von Immendingen. Nun gut - vielleicht im nächsten Jahr. Als der Zug durch den Schwarzwald fährt, erkenne ich viele Orte wieder, in denen ich früher mit meinem Lebensgefährten war. Ganz kurz quetschen sich ein paat Tränchen in die Augen. Das Umsteigen in Karlsruhe klappt prima, auch wenn sich zwei Rentner mit E-Bikes am Fahrstuhl vordrängeln wollen. In Mainz frage ich mich einfach zum Rhein durch, ab da kenne ich den Weg zum Campingplatz. Ich installiere mein Zelt an genau der gleichen Stelle wie vor zwei Jahren und mein Nachbar ist ein alter Bekannter, mit dem ich damals bis abends um 10 Uhr geklönt habe und der in Equador lebend jedes Jahr für drei Wochen hierher kommt. Ich mache mich bekannt mit Rocco, einem jungen Studenten, und Paul, einem angehenden Lehrer in den Dreißigern. Rocco ist das erste Mal auf Tour und dankbar für jeden Tipp. Allerdings ist er auch sehr ambitioniert. Sein Ziel ist Italien. Paul ist erfahrener Camper. Beide sind Kölner, so dass wir uns auch über Wege dort austauschen können.

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