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Sonntag 31.07.2022.    41 km

Noch Anfang Juni hatte ich nach einer Hand-OP mit anschließenden Komplikationen alle Hoffnungen aufgegeben, dass ich meine jährlicher Radtour durch Frankreich machen würde. Ganz in Ordnung ist die Hand immer noch nicht. Es ist also ein Austesten, wieviel ich sie belasten kann. Durch die viermonatige Trainingspause bin ich zudem relativ untrainiert. Die längste Strecke nach der Opration war bisher 30 km ohne Gepäck. Dazu wiege ich etlich kg mehr als sonst. Wie immer fahre ich mit dem Zug von Düsseldorf nach Basel und von da mit dem Rad nach Mulhouse. Der Zug wird bis Freiburg von Halt zu Halt voller. Eine Familie packt einfach ihr Gepäck zwischen die Fahrräder, deren Stellpätze kostenpflichtig sind, und auch davor. Kurz vor Basel mache ich darauf aufmerksam, dass sie ihr Gepäck entfernen sollen. Aud dem Weg nach Mulhouse ist es heiß und der Wind kommt von vorn. An einem Picknickplatz mit Wasserstelle, ca dreißig km von Basel entfernt, lerne ich ukrainische Gastfreundschaft kennen. Ich werde eingeladen, beim Picknick mit zuzugreifen. Nach weiteren zwei km hat ei Angler gerade einen großen dicken Fisch aus dem Wasser gezogen. Auf dem Campingplatz in Mulhouse hat man umstrukturiert. Radwanderer dürfen sich nicht mehr überall hinstellen. So steht mein Zelt dann erstmal in der prallen Sonne. Ich mache mich auf den Weg in die Stadt. Ich weiß, dass es einen Carrefour express gibt, der sonntags den ganzen Tag geöffnet hat. Für Abendbrot und Wein als Absacker ab 22 Uhr im Zelt ist also gesorgt und für meine Frühstücksmilch auch.

 

Montag, 01.08.   66 km

 

Gegen halb sechs werde ich wach, weil es mir kühl ist. Ein kurzer Blick aus dem Zelt zeigt leichten Nebel, bevor ich komplett in den Schlafsack krieche. Ich dämmer noch ein wenig vor mich hin. Halb sieben stehe ich auf, mache mir einen Kaffee, träume noch bissel vor mich hin und fange dann auch an zu packen. In den Taschen herrscht Chaos, da ich gestern Abend erst meine Stirnlampe und anschließend draußen in der Dunkelheit mein Fahrradschloss gesucht habe, dass ich beim Umsetzen des Rades verloren hatte. Fünf nach neun starte ich. Der Himmel ist wolkenlos und ich habe leichten Gegenwind. Dazu geht es 30 km sacht bergan, bei der Schleusentreppe von Retzviller stärker. Viertel nach eins erreiche ich Montbeliard-Bahnhof. In wenigen Minuten würde ein Zug nach Besancon fahren, aber ich muss noch ein Ticket kaufen und den Bahnsteig wechseln. Dreißig Minuten später fährt schon der nächste. Im Zug ärgere ich mich, dass ich nicht gleich bis Lyon gebucht habe, denn bis dorthin fährt die Bahn. In Besancon muss ich nochmal ca 7 km strampeln bis zum Campingplatz, wo ich langsam im Schweiße meines Angesichts mein Zelt aufbaue. Der anschließende Besuch im Supermarkt ist umso erfrischender. Das Grimbergen Rouge zum Abendbrot haut mich fast um. Vielleicht hätte ich nicht nur trinken sondern tagsüber auch mal was essen sollen. Somit gehe ich anschließend spazieren. Am Platzeingang treffe ich auf ein junges Trio, das gerade mit den Rädern angekommen ist. Ein Kölner, der mit einem Camper schon länger hier ist, gesellt sich zu uns, und gemeinsam suchen wir auf auf dem vollen Platz ein ruhigeres Plätzchen, als das ihnen am Eingang zugewiesene. Ich hatte ihnen Asyl auf meinem Emplacement angeboten, aber neben dem Kölner ist auch noch ein freier Platz, der eigentlich kein Emplacement ist. Nach neun schreibe ich Tagebuch.

 

Dienstag, 02.08.2022  66 km

 

Meine Nachbarn hatten gestern Abend nichts Besseres zu tun, als bis elf Uhr zu würfeln. Das kann schön nerven. Da es aber eine gewisse Gleichmäßigkeit hatte, bin ich doch zwischendurch weggedämmert. In der Nacht musste ich raus und habe bei der Gelegenheit gemerkt, dass ich vergessen hatte, das Ventil der Isomatte zu schließen. Aber ich bin es dank einer defekten Matte bei einer früheren Reise schon gewohnt, ohne Luft in der Matte zu schlafen. Halb sieben stehe ich auf, räume das Zelt aus, hänge alles was trocknen muss an den Zaun, wo alsbald die Sonne darauf scheinen wird, und stelle das Außenzelt entsprechend auf, da da jede Menge Kondenswasser innen und außen ist.

Kurz vor meiner Abreise kommt ein Platzkontrolleur und meint, ich müsste noch bezahlen. Hallo? Ich habe gestern schon meine 17,50 € gelöhnt. Kurze Rücksprache mit der Rezeption per Walkytalky und die Sache ist geklärt. Halb zehn starte ich. Ich mache heute mehr Pausen, wollte eigentlich zwischendurch den Zug nehmen, für den ich erstmal bergauf fahren müsste. Dann kann ich auch alles fahren und zwar in dieser Richtung zum ersten Mal den kompletten Originalweg. Unterwegs gibt es zwei Wasserstellen, bei der zweiten werden auch die Füße mit abgebraust. Ich bin froh über jeden Schatten, da die Sonne es wieder sehr gut meint. Halb drei logge ich nach 66 km auf dem Campingplatz in Dole ein und kann dort endlich Wäsche waschen. Das Zelt baue ich erstmal nur provisorisch auf, packe die Taschen samt Inhalt rein und gehe in die Stadt - immer bemüht im Schatten zu bleiben. In der Kathedrale zünde ich eine große Kerze an, da meine Mutter heute hundert Jahre alt geworden wäre, und für die anderen Verstorbenen der Familie. Dazu spielt die Orgel, und bei mir öffnen sich die Schleusen. Später auf dem Campingplatz esse ich im neuerbauten Restaurant meinen Lieblingssalat und trinke ein frisch gezapftes Bier. Danach gebe ich meinem Nachbarn - ein Lehrer, wie soll es anders sein - wertvolle Tipps zwecks Abkürzungen bzw. Vermeidung von Steigungen. Er ist begeistert. Tagebuch schreibe ich heute relativ spät.

 

Mittwoch, 03.08.2022.    74 km

 

Als ich heute Morgen um 6.40 Uhr aus dem Zelt krieche, fährt mein Nachbar gerade ab. Wir können uns noch tschüß sagen. Um 8.50 Uhr gehe auch in die Spur. Den ersten Halt gibt es wie immer nach 16 km in Aubergrment, um die Wasserflasche an der dortigen Wasserpumpe nachzufüllen. Ich hangele mich heute von Ort zu Ort. Es ist tierisch warm und ständig klebt einem die Zunge am Gaumen. Zwischen Saint Jean de Losne und Pagny ist der Weg gewöhnungsbedürftig weil sehr schadhaft. Zum Ausgleich nehme ich wie immer zwischen Pagny und Seurre die D976 statt des Eurovelo6. 8 km spare ich damit. Nächster Halt wäre Verdun sur le  Doubs.  Bei Mont les Seurre treffe ich auf einen älteren Deutschen aus Augsburg . Unter dem großen alten Baum, der hier auf der Höhe Schatten und ein wenig Wind spendet, quasseln wir eine ganze Weile. In Verdun frage ich nach dem Bahnhof, werde nach Allerey geschickt, um dort zu erfahren, dass die Strecke nach Chalon stillgelegt ist. Ich mache dabei die Erfahrung, dass der Weg über die D970 dahin wesentlich kürzer ist als der Radweg. Ich schleppe mich bei 36 Grad noch bis Gergy - dann will mein Körper nicht mehr. 74 km sind genug.bei den Temperaturen. Ich installiere mein Zelt, abkassiert wird erst später, da sowohl Rezeption als auch das Restaurant zu sind. Als ich später mich im Schatten hinauf ins Dorf pirsche, hat der kleine Laden natürlich auch zu. Ich hole mir in einer Patisserie eine süße Verführung, futtere die gleich und kehre zurück zum Platz. Dort mache ich es mir gemütlich auf meiner Decke, überzeuge mein Handy, dass es mich doch ins Internet lässt mittels Neustart, mache Sudoku, dass ich für alle Fälle immer in Heftform dabei habe, und gehe gegen sieben Uhr nochmal hoch ins Dorf. In einer Kneipe mit Außenplätzen unter lauter Reben esse ich fantastisch. Nun bin ich zufrieden und kann wieder auf dem Campingplatz den Platz auf meiner Decke einnehmen. So viel Ruhe tut auch mal gut und vor allem blicke ich direkt auf die Saone.

 

Donnerstag, 04.08.   61 km

 

Gestern Abend kam noch ein Radwanderer meines Alters an, ein Lehrer, der eine ähnliche Route wie ich vor sich hat und dessen Hobby auch fotografieren ist. Einziges Manko: verheiratet.Wir hatten uns viel zu erzählen. Heute Morgen wollte er eigentlich sehr zeitig losfahren. Als ich halb sieben aus dem Zelt krieche, ist er noch da und alles sieht sehr unfertig aus. Es stellt sich heraus, dass ihm eine Olivenölflasche in der Fahrradtasche ausgelaufen ist und damit eine Riesensauerei verursacht hat. Ich starte schließlich halb neun, er nur 15 Minuten vor mir. Bis Chalon Bahnhof läuft es noch gut, da noch ein wenig Morgenkühle da ist. Ich nehme den Zug bis Chagny. Das sind zwar nicht so viele km, aber es geht hoch und das habe ich heute noch mehr vor mir. Der Einstieg in den Zug ist sehr anstrengend, da er drei hohe Stufen und eine sehr schmale Tür hat. Dazu gibt es weder in Chalon noch in Chagny einen Lift, so dass man alles hoch und runter tragen muss. Von Chagny aus will ich bis Montchamin kommen, um dort den Zug nach Nevers zu nehmen. Es geht erst leicht kanalaufwärts bis Leger de Dheune- nur 12,5 km aber es sind inzwischen 35 Grad, leichter Gegenwind und kaum Schatten. Durch den Ort schiebe ich mein Rad und demoliere die außen aufgestellte Ware einer Kleinhändlerin. Ist zwar nur eine Vase und sie will keinen Schadenersatz, aber ich gebe ihr trotzdem 10 €. Bis Barrein muss ich wieder viel Sonne ertragen, dann geht es mit Unterbrechung eine Art schattigen Treidelpfald entlang. Ab Saint Julien sur Dheune gibt es eine über sieben km lange Schleusentreppe - natürlich nach oben. Ich muss ständig stehen bleiben, bin kurz vorm Kollaps. Bis Montchanin wird es dann aber schattiger. Zwischen Kanal und einem See find ich unter einem Baum mit großer Krone eine Steinbank. Ich lege mich hin, genieße das Lüftchen, das über mich streift. Es tut gut zu liegen. Mir fällt plötzlich ein, dass ich ja einer Nuss-Frucht-Mischung in der Lenkertasche habe. Die Hälfte davon landet in meinem Magen, dann lege ich mich wieder hin. Meine Lebensgeister erwachen wieder und so komme ich ohne Erschöpfungszustände am Bahnhof an. Mein Zug steht zwar schon bereit, wird aber erst in eineinhalb Sunden fahren. Ich stelle mein Rad so vor die Tür vom Radabteil, dass niemand vor mir einsteigen kann, weil ich nicht riskieren will, nicht mitgenommen zu werden, weil alle Radstelpätze belegt sind. Dann setze ich mich auf irgendeinen Sockel und vertrödel die Zeit. ,Die Sonne ist verschwunden, der Himmel hat sich zugezogen. In Nevers biege ich noch kurz zum Carrefourexpress ab, düse dann runter zum Campingplatz. Die Rezeption ist zu, aber man kommt trotzdem auf den Platz. Meine Nachbarn sind aus London und amüsieren sich, weil ich die Weinflasche im Getränkehalter des Fahrrades transportiert habe. Ich quatsche mich erstmal fest und erledige alles Andere so peu a peu später. Mein Essen muss ich kalt essen, weil der Raum, in dem die Mikrowelle steht, gerade geschlossen wurde. Schmeckt aber trotzdem.

 

Freitag, 05.08.     70 km

 

Manchmal kann es ein Segen sein, wenn man nachts raus muss. Ich hatte vergessen, das Vorzelt zu schließen, was ich dann mitten in der Nacht tat. Kaum bin ich wieder im Zelt, fängt es an zu regnen. Zehn nach sechs werde ich wach, zwanzig nach acht starte ich. Nachdem der erste Teil der Nacht sehr warm war, hat es gut abgekühlt. Zwanzig Grad sind erträglich, da nimmt man auch stärkeren Wind in Kauf. Bis zur großen bemerkenswerten Schleuse sind es 14 km und da gerade ein riesiges Hausboot darin ist, gicke ich in Ruhe zu und mein erstes Päuschen. Weiter geht es nach Marseilles les AubIgny, wo nach insgesamt 32 km eine längere Pause angesagt ist. Um zwanzig vor zwei erreiche ich schließlich den Campingplatz in Saint Satur. Ganz in Ruhe richte ich mich ein und nehme dann die fast drei km hoch nach Sancerre in Angriff. Unterwegs nasche ich Weintrauben und Brombeeren direkt von der Pflanze. In Sancerre leiste ich mir einen großen Eisbecher und Limo und genieß das fantastische Panorama über die Loireebene. Noch schnell einkaufen auf dem Rückweg und dann Irgendwo Beine hochlegen. Es sind doch noch 28 Grad geworden.

 

Samstag, 06.08.    50 km

 

Bis auf die Tatsache, dass mein Gegenüber - ein jüngeres englisches Pärchen nicht ganz nüchtern erst gegen 11 Uhr wieder zu ihrem Camper zurückkehren und gar nicht merken, wie laut sie als einzige sind, war gestern Abend nichts mehr los. Zwanzig nach sechs stehe ich auf, trinke in Ruhe meinen Kaffee, und packe meine Sachen zusammen. Das Zelt ist heute frei von Kondenswasser, also trocken, und so bin ich um 8.10 Uhr eigentlich fertig zum Frühstück. Doof ist nur, dass ich mir Pains au chocolat bestellt und schon bezahlt habe, die Ausgabe aber erst um 8.30 Uhr öffnet. Um 8.45 Uhr kann ich endlich starten. Es sind 15 Grad und es ist windig. Von Barnay? ab geht es wieder 11 km lang auf dem Damm entlang, bis kurz vorm Kernkraftweg Belleville der Weg abbiegt. Ab Belleville schließen sich 9 km Kanal an, immer wieder mit Schikanen, wenn eine Brücke quert, muss man da erst mal hoch auf ihr Niveau. Von Chatillon bis Briare ist der Weg eine Huckelpiste mit vielen Steinen. Ab Briare beschließe ich, heute mal die D951? auszuprobieren, da ich keine Lust auf Steigungen habe, und es oben bestimmt noch windiger ist. Auf wunderbar flacher Strecke bin ich im Nu in Gien. Es ist zehn nach eins, die Rezeption hat bis zwei Uhr geschlossen und so reserviere ich mir schon mal einen schönen Platz. Ab halbzwei baue ich auf. Ich würde gern die Öffnung de Zeltes mit Blick auf die Stadt stellen, aber dann würde der Wind ungebremst hineinstürmen. Schon der Aufbau des Zeltes gestaltet sich zum Kampf. Aber als ich fertig bin, steht mein Zelt wie eine Eins. Dafür steh ich kurz vorm Hexenschuss. Ich werfe mir eine starke Ibuprofen ein. Ich gehe hinüber in die Stadt einkaufen, wieder zurück. Oh Schreck, Zwei Familien mit einer Menge Kindern hat sich neben mir niedergelassen. Vier der Kinder versuchen den Baum an der Emplacementgrenze hochzuklettern. Zu einem stört mich das auf meiner Bank, die gleich daneben steht, zum anderen habe ich erst vorhin einen großen abgebrochenen Ast zur Seite geräumt. Ich sage zu den Kindern “non“, zeige auf den trockenen Ast, und mache eine Bewegung, die einen abbrechenden Ast symbolisieren soll. Die Muter kommt dazu, versteht, ich erkläre noch kurz auf Englisch, dass alles sehr trocken ist, und sie sagt den Kindern es auch nochmal. Kurze Zeit darauf schlendere ich zum Restaurant, ergattere einen Superplatz, wo am sich auf eine Matratze mit Blick zur Stadt lümmeln kann und genieße einen Cocktail Baccardi. Nach dem Abendbrot laufe ich nochmal rüber zur Stadt, denn da ist Samstagabendmarkt. Ich futtere noch ein Stück Far Breton, schlendere durch den Ort, kehre zurück zum Campingplatz, wo ich Tagebuch schreibe. Der Wind hat nachgelassen, und die Temperatur von 27 Grad auf 19 Grad um 22 Uhr abgerutscht.

 

Sonntag, 07.08.     106 km

 

Gestern Abend war es ewig lau auf dem Platz. Die Hüpfburg für die Kinder wurde erst nach elf Uhr stillgelegt, so dass bis dahi. Ein ziemlicher Geräuschpegel war. Die Familien von nebenan kamen dann, waren aber relativ leise. Dafür waren Spätankömmlinge aus Kaiserslautern umso lauter. Die waren nach der Ankunft in die Stadt gegangen und fingen dann erst Viertel nach elf an lauthals ihren Wagen umzuräumen. Denen war gar nicht bewusst, wie laut sie sind. Als endlich Ruhe war kreiste ewig ein Hubschrauber übers Gelände. Heute Morgen wache ich gegen sechs auf, habe aber keine Lust aufzustehen, da es sehr kühl ist, döse bis zwanzig vor sieben und mache mir einen Kafee. Es sind ganze elf Grad. Während ich meinen Kaffee schlürfe, kuschel ich mich in meinen Schlafsack. Langsam wird mir wärmer und ich kann anfangen mit Packen. Vorher lasse ich mir vom heißen Strahl der Dusche den Rücken massieren, den ich später mit Voltaren schmerzgel forte einreibe. Um neun starte ich schließlich. Wider Erwarten fährt es sich gut. Es geht zwar Wind, aber der stört nicht. Ab St. Gondon nehme ich die D751 bis Lion....Das sind in dem Fall nur moderate Steigungen, während aud dem Originalradweg ordentliche Steigungen zu überwinden wären. Außerdem ist der Weg über die Autostraße kürzer und Sonntag morgen noch nicht so viel Verkehr. Ab 8 km vor Sully fängt die Dammfahrerei an, die sich bis auf kleine Unterbrechungen bis Meung fortsetzen wird. Im letzten Jahr bin ich da bald verzweifelt, weil ich schlimmen Gegenwind hatte. Eigentlich wollte ich heute nur bis Orleans kommen und entweder dort in einem Hotel übernachten oder mit dem Zug weiterfahren. Aber ich beschließe mutig zu sein und bis Beaugency zu fahren. Irgendwann müssen doch auch mal wieder Etappen von hundert km drin sein. Nach einer langen Pause in Orleans auf einer Bank schaffe ich die letzten 30 km. In Beaugency bekomme ich war nicht meinen Stammplatz, dafür eine ganz nette Nachbarin aus Hamburg. Sie ist eine junge Frau, die per Rad Portugal erreichen will. Wir verstehen uns auf Anhieb und quatschen viel. Abendbrot gibt es heute im Campingplatzrestaurant: Fish & Chips, am Ufer der Loire mit einem traumhaften Bick auf Fluss, Brücke uns Stadt.. Dann gibt es nochmal eine Quasselrunde, bevor ich endlich im Aufenthaltshäuschen auf einer Couch lümmelnd Tagebuch schreibe.

 

Montag, 08.08.2022.    43,5 km

 

Gestern Abend war es schon um 22 Uhr recht ruhig in dem Bereich des Platzes, wo die Radwanderer ihr Zelte aufgeschlagen hatten, da kam doch tatsächlich noch ein Holländer mit Wohnwagen und installierte sich lautstark in unserem Bereich. Da habe ich freundlich darauf aufmerksam gemacht, dass sie im Radlerbereich sind und sie doch bitte etwas leiser sein mögen, wenn sie schon so spät kommen. Das ging wirklich über sehr lautes Reden, immer wieder die Autotür zuknallen, Hydraulikbrummen für das Austarieren des Wohnwagens bis zum Poltern im Wohnwagen. Heute Morgen hat der männliche Teil des Duos seine Strafe bekommen. Um acht haben meine Nachbarin und ich uns schön laut unterhalten, Holland schlief noch und hatte die Fenster offen. Später dann gegen neun, als Holland aufgestanden war und sich Wasser nehmen wollte, spritzte der Wasserhahn ihm seitlich eine volle Ladung auf die Hose, sodass er aussah, als hättever eingepullert. Halbzehn schwinge ich mich aufs Rad, kaufe am Bahnhof ein Ticket nach Angers. Ich habe beschlossen, direkt in die Normandie zu reisen. In Angers ist es brüllend warm. Als ich dann die Mayenne entlangradele, ist es angenehmer. Endlich mal kein Asphalt und endlich mal öfters Schatten. Die Strecke geht zwar flussaufwärts, aber es ist kaum zu merken.nur eibmal vor Chamballe gehts erst heftig und dann moderat bergan. Eigentlich habe ich den Campingplatz in Doan im Visier, sehe vorher einen Hinweis auf einen anderen Platz und da, dass es bergauf geht. Keine Lust! Dann 4,5 km vorm Ziel fahre ich direkt an einem Campingplatz vorbei, logge wenig später im selbigen ein, lasse alles stehen und liegen und laufe 10 Minuten nach oben ins Dorf la Jaille-Yvon zu einem Restaurant mit Epicerie. Es ist mittlerweile um sechs. Ich betrte den Laden, sehe zwei Baguettes, freue mich und muss erfahren, dass dies bestellte Ware ist. Ich bin geknickt, aber der junge Mann meint, er würde mal in der Küche fragen und bringt mir tatsächlich eins. Ich bin überglücklich, nehem noch eine kalte Orangina mit. I h bekomme noch ein Glas herrlich kühles Wasser und marschiere wieder runter zum Platz, um mich zu installieren. Beim Einräumen merke ich, dass ich vergessen habe, Wein zu kaufen. einer meiner Nachbarn ist ein sehr betagter Engländer. Er will nochmal nach oben ins Dorf radeln. Ich frage ihn, ob er versuchen kann, Wein mitzubringen. Während er weg ist, lasse ich mich mit meinem Abendessen auf einer Picknickbank direkt am Fluss nieder. So ein schöner Ausblick und so eine Ruhe. Herrlich! Später sitze ich noch bis zehn auf meiner Decke beim Zelt, schreibe Tagebuch und geh nochmal fotografieren. Schlafen wird heute ohne Wein gehen müssen.

 

Dienstag, 09.08.     93 km

 

Halb elf war gestern alles ruhig. Ich wach gegen sieben Uhr auf und starte um neun Uhr. Erstmal will ich bis Laval kommen, eventuell Mayenne erreichen. Es geht weiter flussaufwärts mit vielen Schleusen und Mühlen und kleinen Chateaus. Dazu sind die Wege überwiegend schattig, so dass sich die zunehmenden Temperaturen ertragen lassen. Dazu bläst ein mäßiger Wind von vorn, was selbst die nachmittäglichen 31 Grad erträglich macht. In Laval, das ich halb eins erreiche, muss ich erstmal auf Futtersuche gehen, finde eine Brasserie und esse so eine Art vegetarischen Flammkuchen. Ich bin richtig schön vollgefressen, hatte eine lange Pause und nehme die letzten 35 km in Angriff. Halb fünf erreiche ich Mayenne, erschöpft aber glücklich, und brauche ewig zum Zeltaufbau und -einräumen. Wäsche muss ich auch machen, meine Radlerhosen zeigen weiße Krusten und jede Menge Staub. Überhaupt liegt auf dem gesamten Fahrrad nebst Taschen eine dicke weiße Staubschicht. Dann laufe ich nochmal zurück in die Stadt, ich bin nicht zum Einkaufen gekommen. Wein konnte ich an der Rezeption bekommen, genauso wie Baguette für morgens bestellen. Habe ja noch Käse und Beurre caramel. Und als Notrarion gäbe es auch noch eine Büchse Fisch unerledigted eine Dose Dickebohneneintopf und Müsliriegel von Hafervoll.

 

Mittwoch, 10.08.2022.    89 km

 

Gestern Abend habe ich mich auf den Spielplatz zurückgezogen, da es mir einfach zu laut war. Mit einer Flasche Ros'e , natürlich aus einem Glas getrunken, lag ich in so einer riesigen runden Schaukel und träumte in den Sternenhimmel. Das war sooo schön! Nachts habe ich miserabel geschlafen, da mein Zelt im Einzugsbereich von zwei Laternen lag. Zwischen fünf und sechs war ich mehr munter als wach, dann muss ich nochmal eingeschlafen sein. Um sieben werde ich wach und komme irgendwie nicht in die Pötte. Erst halb zehn starte ich. Als ich die Strecke von Angers 2016 das erste Mal gefahren bin, wusste ich noch nichts vom Velofrancette und bin große Teile frei Schnauze Landstraße gefahren, was der Horror war mit dem ständigen bergauf und bergab. Dabei kann man fast die ganze Zeit bis Mayenne am Fluss langfahren, bzw. Gibt es später bis Domfront bis auf 9 km wunderbare schattige Radwege. Beim Velofrancette muss man sich nach C.... entscheiden, ob man die Originalstrecke über Frambault nimmt, was nochmal Steigungen bedeuter, oder ob man die Voie Verte nimmt, die wunderbar flach und wesentlich kürzer nach Domfront führt. Da ich die lange Streck schon kenne, nehme ich natürlich die kürzere. Kurz vor Domfront muss ich mich wieder entscheiden, wo es hingehen soll: Nach Ouistreham, nach Paris oder zum Mont St. Michel. Ich vertage die endgültige Entscheidung und beschließe einen Abstecher zum Mont zu machen und in zwei Tagen dann zwischen den beiden letzten Varianten zu entscheiden. Heutiges Etappenziel ist St. Hilaire du Harcouet. Der Campingplatz ist voll belegt. Es gibt dort aber noch eine Wiese, wo ich mein Zelt aufbauen darf. Mit 4,73 € zahle ich einen absoluten Dumpingpreis. Und das Terrain ist wesentlich schöner, schattiger und man hängt seinen Nachbarn nicht so auf der Pelle. Kühler ist es da hinten auch. Während ich später zum Supermarkt laufe, 20 min eine Strecke, können meine Taschen und ihrr Inhalt endlich mal gründlich auf der Decke auslüften. Später beim Abendessen angele ich mir eine französische LeCusine Zeitschrift, die i h glatt mitnehemn würde, lägen vor mir nicht noch zweieinhalb Wochen Fahrt. Die Temperaturen gingen heute von 16 auf 32 Grad hoch.

 

Donnerstag, 11.08.   86 km

 

Ich wache gegen 7 Uhr auf und in mir ist ein Entschluss gereift. Die Nacht war außerordentlich ruhig, mein Zelt steht den ganzen Tag im Schatten, warum also nicht bleiben und von hier aus eine Tagestour ohne Gepäck zum Mont St. Michel machen. Eine Strecke sind 42 km. Meine Nachtwäsche kommt frisch gewaschen auf die Leine und ich frühstücke gemütlich auf meiner Decke vorm Zelt, bevor ich halbzehn starte. Ich nehme komplett den Fernradwanderweg. Bis Pontabault geht es erst 5 km mäßig bergan, bevor es dann 20 km lang abwärts geht und das alles schattig. Die restlichen 17 km bis zum Ziel lassen dann schon das schlimmste für die Rückfahrt erahnen. Kaum Schatten, teils sehr gefurchte Wege, wo in den Furchen Sand ist, sodass man immer befürchten muss, dass man wegrutscht. Und danntaucht er in der Ferne irgendwann auf und ist ständig präsent - der Mont St. Michel. Neuerdings dürfen Radfahrer bis an das Monument heranfahren. Es gibt 70 Stellplätze im Burgvorhof. Draußen vor den Toren stehen aber auch Unmengen von Rädern. Nun gut, es ist gerade absolue Ebbe. Ich stelle mein Fahrrad im Innenhof ab, da ich es dort anschließen kann. Und dann stürze ich mich ins Gewühl. Solche Menschenmassen habe ich hier noch nie erlebt. Ich will einfach nur noch mal einen Blick von oben auf die Landschaft werfen und durch die engen Gassen bummeln, wenn ich nun schonmal hier bin. Ich mache also nicht den großen Rundgang, was eh nicht ginge, da Teile der Burg gesperrt sind. Sechs Uniformierte mit Mp im Anschlag halten Wacht. Da kann einem schon anders werden. Anschließend umrunde ich die Burg, nicht ohne eine ausgiebige Rast auf einem Stein im Schatten zu machen. Dazu pfeift ein kühlender Wind. Dann mache ich mich auf den Rückweg. Es ist heiß, dazu bläst der Wind von seitlich vorn kräftig. Anfangs folge ich noch dem Radweg, an einer Baustelle, wo man sowieso die Straße nehmen muss, bleibe ich auf dieser D43 und biege in P...... ab nach Pombault, da ich keinen Bock auf die gefurchten Wege habe. Dort gibt es übrigens einen großen schattigen Rastplatz mit Picknickbänken und Wiese und auch Toilette mit angeschlossenem Trinkwasser. Alle Radfahrer machen hier heute erstmal Pause. Jedem ist die Anstrengung anzusehen. Und alle füllen sämtliche Wasserflaschen auf. Auf der Weiterfahrt wirs wieder schattig und die Bäume und Sträucher bremsen den Wind. Aber es geht 20 km stetig nach oben. Ich habe keine Lust mehr, mache alle ein bis zwei km einen Trinkstopp, weil es ja auch insgesamt so staubig und trocken ist. Ich bin so froh, als das Rad endlich wieder allein rollt und fahre sogar noch zum Supermarkt. Ich bin heilfroh, als ich endlich wieder am Zelt bin, duschen kann, fix noch alle Klamotten wasche und Abendessen kann.

 

Freitag, 12.08.   41 km

 

Ich war gestern Abend so müde, dass ich nichtmal meinen Wein ausgetrunken habe. Morgens um 7 Uhr werde ich wach von der Kirchturmuhr. Ich würde gern weiterschlafen, noch dazu, da ich weiß, dass ich heute nur eine kurze Etappe habe, aber in Anbetracht der angekündigten Temperaturen muss ich packen. I h komme trotzdem erst halbzehn los. Glücklicherweise geht es wieder größtenteils unter Bäumen entlang einer ehemaligen Bahntrasse. Die Schrankenwärterhäuschen zeugen noch immer davon. Um viertel vor eins erreiche ich den Campingplatz, der oben in der Stadt ist, und das Tor zum Platz ist zu. Ein Schild zudem sagt, dass er voll belegt ist. Da Radwanderer inzwischen ein eigenes Terrain im unteren Teil des Platzes haben, hoffe ich, dass ich die Nacht hier verbringen kann. Da die Rezeption erst halb drei wieder öffnet, parke ich meine Sachen im Zeltbereich und mich selbst vor der Rezeption. Schon um zwei wird geöffnet, ich darf bleiben, bau auf, dusche und wasche. als ich fertig bin, gerät mein Zelt langsam in den Einzugsbereich der Sonne. Da ich aber sowieso den Rest des Tages mich erstmal nicht beim Zelt aufhalten werde und ab acht die Sonne verschwunden sein wird, ist das nicht weiter schlimm. Im Zelt ist Chaos, aber bei der Hitze habe ich keine Lust aufzuräumen, gehe in die Stadt und zum Chateau, anschließend einkaufen und bin halb sieben zurück. DernPlatz hat sich gefüllt, vor allem in der gegenüberliegenden schattigen Seite stehen die Zelte geballt. Ich verziehe mich nach oben zur Rezeption, wo ein gut ausgestatteter Aufenthaltsraum und Relaxliegen sich befindenden. Ich schiebe mir eine der Liegen an ein schattiges Plätzchen. So läst es sich aushalten. Später gibt es Abendbrot, unter anderm ein Nudelgericht aus der Mikrowelle und ein kühles Grimbergen Rouge. Um acht steht die Sonne hinter den Bäumen, ich kann endlich mein Zelt aufräumen und danach Tagebuch auf der Decke neben dem Zelt schreiben.

 

Samstag, 13.08.    81 km

 

Rücksichtnahme ist nicht von allen die Stärke. Gegen sechs Uhr abends trafen noch zwei radwandernde Familien mit Kleinkindern ein, stellten ihre Zelte neben die Picknickbank in der Mitte des Platzes auf, verschwanden, kamen viertel nach neun wieder und fingen dann erst an zu kochen. Halb elf, als alle anderen schon in ihren Zelten ruhig waren, räumten sie endlich im Schein ihrer Stirnlampen auf. Bis das letzte Kind endlich mal die Klappe hielt, war es halbzwölf. Morgens halb fünf musste ich mir tatsächlich noch meine Schlafbrille aufsetzen, da der Vollmond nun mein Zelt erleuchtete. Für den heutigen Tag habe ich zwei Varianten, entweder ich campe nochmal in Mayenne oder in Laval. Ich darf heute morgen nicht so spät starten, da es zwischen Ceauce und Souze ein Teilstück Straße gibt, wo es ständig hoch und runter geht, und das macht bei Hitze keinen Spaß. Viertel vor neun starte ich, absolviere das Stück bei noch erträglichen Temperaturen und erreiche um zwölf Mayenne. Dort gibt es zwei Wege des Velofrancettes und da ich einmal oberhalb von Mayenne bin, nehem ich nicht den Weg ins Tal sondern dämlicherweise die andere Route. Die ist überhaupt nicht schön. Irgendwann reicht es mir, nehme Googlemaps zur Hilfe und fahre runter nach Baudolere, um endlich wieder fast flach am Fluss langzuradeln. Ein wenig später genehmige ich mir in einem an der Strecke liegenden Hotelrestaurant ein kleines Mittagessen. Ich darf Platz nehmen, obwohl ich nicht reserviert habe, und das sogar an einem Tisch, wo ich mein Fahrrad im Auge behalten kann - Accueil Velo eben. Daran sollte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen. Auf der Weiterfahr brauch ich immer öfter kleine Pausen, da es immer heißer wird. Kurz vor vier errei he ich endlich Laval. Bis zum Campingplatz wären es 6,5 km und zwar nach oben. Ich habe ihn auch als nicht einladend im Nichts in Erinnerung. Über Bookingcom finde ich eine kleine Ferienwohnung mit voll ausgestatteter Küche. Einlass wäre ab fünf, ich schreibe eine kurze Nachricht an den Vermieter, und fünf Minuten später ist er da und lässt mich rein. Die Wohnung ist nah dem Zentrum und auch des Bahnhofes, und da ich auf dem Weg dorthin zu weit gelaufen war - ich hatte als Hausnummer den Preis im Kopf - habe ich au h einen kleinen Supermarkt entdeckt, wo ich später einkaufen werde. Den Rest des Tages verbringe ich mit einem kurzen Bummel durch die Stadt und faulenzen.

 

Sonntag, 14.08.   23 km

 

Gestern Abend lief der Ventilator die ganze Zeit. Am liebsten hätte ich ihn nachts angelassen. Um elf ging ich schlafen. Das Kopfkissen erwies sich als zu dick und kpmpakt. Da musste mein eigenes aufblasbares Kissen herhalten. Decke brauchte ich keine - das passiert mir äußerst selten. Mitten in der Nacht werde ich munter, weil der Vorhang gegen die Heizung klappert. Es gewittert draußen und regnet ein wenig rein, weil ich das Fenster offen und die Jalousie oben habe. Also Jalousie runter, so dass aber noch Luft reinkommt. Dann schlafe ich weiter bis sieben. Kaffee vorm Fernseher, später in Ruhe frühstücken, Mal richtig Ordnung in den Taschen machen, Klamotten nähen - ich habe Zeit bis halbzwölf, da dann mein Zug nach Angers fährt. Immer wieder regnet es am Vormittag. Halb elf bin ich am Bahnhof und gelange dort endlich die Gewissheit, dass mein Velo kostenlos und ohne Reservierung reisen darf. Ein holländisches Radler-Ehepaar kommt an und hat die gleiche Frage. Wir kommen ins Gespräch und verbringen die Zeit bis zur Abfahrt mit Erfahrungsaustausch. In Angers folge ich den Piktogrammen des Eurovelo6, verliere den Weg aber wieder an der gleichen Stelle, wie 2018, ziehe Googlemaps zu Rate, finde ihn wieder, fahre lange den Radweg entlang und verliere ihn in einem Kreisverkehr wieder. Immerhin war ich 2020 da nicht so weit gekommen. Ich hätte doch über Bouchemaine statt Trelaze fahren sollen. Der ist zwar länger, aber den finde ich im Schlaf. Hatte ich noch gehofft, heute bis Saumur zu kommen, entscheide mich mich für Les Ponts de C'e. Die Plätze ohne Elektrizität sind alle belegt. Ich muss ein teures Emplacement nehmen. Nr. 59 reklamiere ich, da es zu sehr Schräglage hat. Ich würde ständig von der Matte rutschen. Auf Nr. 49 steht ein italienisches Wohnmobil. Schließlich lande ich auf Nr. 34. Das ist so groß, dass ich an der Rezeption sage, dass man mir gern noch jemanden mit aufs Emplacement stellen kann. Ich bekomme tatsächlich abends noch nette Gäste, die an der Rezeption auch nochmal abkassiert wurden. Die Frau könnte fast mein Alter haben, ihr Lover ist etliche Jahre jünger. Den Nachmittag vetrödele ich mit Spazieren und entdecke sogar noch neue Sachen, weil ich einfach mal kleinere Straßen und Gassen erkunde. Zu guter Letzt bekomme ich sogar noch ein frisches Baguette in St. Maurille, dass durch die Loire von Les Ponts de C'e getrennt ist.

 

Montag, 15.08.     76 km

 

Gestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr hat es kräftig geregnet. Das Trommeln des Regens auf dem Zeltdach macht mich so müde, dass ich halb elf schon mal wegdöse. Am Morgen stehen noch immer überall große Pfützen auf den Wegen. Auf dem Weg zur Dusche passiert es: ich rutsche über eine leichte Schräge ab und schon liege ich. Weh tut nichts, aber ich sehe aus wie ein Schwein. Meine Schlafanzughose ist von oben bis unten voller Schlamm, der Fuß natürlich auch. Lohnt sich doch das Duschen. Die Hose lasse ich erstmak mit Schlamm trocknen, vielleicht kann ich sie heute Nachmittag noch waschen.Ich will sie auf keinen Fall klatschnass einpacken, genauso wenig wie das Zelt. Das bekomme ich doch tatsächlich so gut wie trocken, ebenso die Unterlage. Meine Blicke gehen im er wieder gen Himme, der sehr verhangen ist. Ich bin froh, als alles verstaut ist. Frühstück gibt es vorsichtshalber regengeschützt. Da ich heute bis halb acht geschlafen habe, wird es halb zehn, bis ich starte. Ich muss nochmal ein kurzes Stück zurück, da ich vergessen habe, die Wasservorräte aufzufüllen. Ich nehme heute bis St. Mathurin die D971?, folge dann auf der rechten Seite der Loire dem Eurovelo 6, wechsele in Gennes wieder die Flussseite und fahre dort rotzfrech die D weiter bis Saumur und nicht die linksseitige Variante des Fahrradweges, da mir diese zu holprig ist. Nach einem kräftigen Mittagessen geht es wieder auf der rechten Seite des Flusses die Straße komplett lang bis Candes St. Martin mit sei er wunderschönen Kirche, da der Eurovelo Tücken hat. Das sind zum einen versandete Wege, die das Rad zum Schlingern bringen, und zum anderen ordentliche Steigungen bei Souzay mit seinen befahrbaren Höhlen bw. bei Parnay eine Kirche hoch oben. Bis Savigny folge ich noch dem EV6, dann biege ich ab in Richtung Chinon. Dank Insiderwissen komme ich direkt auf der richtigen Seite des Flusses am Campingplatz an. Ich darf mir ein Emplacement aussuchen und finde eines mit direktem Blick auf das Chateau Forteresse Royale, dessen Besuch sich sehr lohnt. Ich war schon vor sechs Jahren drin. Nach einer gemütlichen Installation auf dem Platz und Wäsche waschen laufe ich durch das alte Chinon, dann hoch zur Chapelle Sainte Radegonde, oben an den Felsenhöhlen vorbei bis zum Chateau zu meiner Bank (wo ich bei vergangenen Besuchen abends so oft gesessen habe und so auch heute), dann wieder runter, um die andere Hälfte des Ortes zu erkunden. Zum Abendbrot gibt es Pizza in einer Pizzeria am Markt und dann ist auch schon wieder Zeit, Tagebuch zu schreiben. In Den Ort habe ich mich schon bei meinem ersten Besuch unsterblich verliebt. Er ist so vielfältig: die vielen alten Häuser, die engen Gassen, das Chateau, die Caves, halt das Ursprüngliche.

 

Dienstag, 16.08.       76 km

 

Um sieben wache ich auf. Blick zum Himmel, ich werfe alles in die Packtaschen und roll erstmalndas Zelt ein, dass trocken ist - nichtmal Kondenswasser innen ist da. Danach werden die Inhalte der Taschen nochmal sortiert. Während des Frühstücks bin ich ständig am Räumen und gerade unter einem Baum, als meine Nachbarn alle plötzlich in Hektik ausbrechen. Die ersten Tropfen kommen. Schnell ist auch der eltzte Rest meiner Sachen verschwunden. Viertel nach neun fahre ich ab. ich habe keinen Bock auf Steigungen. Erstmal geht es also ca. 9 km zurück bis Savigny (der Regen hört auch auf) und dann in Richtung Bourgoueil. Noch vor der Brücke über die Loire sollte eigentlich ein Weg am Fluss langführen, aber ein riesiger Industriekomplex lässt mich nicht durch. Also fahre ich über die Brücke und dann halt mal auf der anderen Seite der Loire die D972 bis Langeais, wo ich wieder die Flussseite wechsele und nun wieder den EV6 fahre. So komme ich nach Savennieres. Dort leiste ich mir am Ufer der Cher in einem kleinen Restaurant ein superleckeres komplettes Menu. Bei den nächsten Kilometern bis Tours muss ich erstmal wieder in Tritt kommen, so vollgefressen bin ich. In Tours fängt es wieder an zu tröpfeln, aber den Bahnhof erreiche ich halbwegs trocken. Bis Amboise nehme ich den Zug, eine weise Entscheidung. Auf dem Weg vom Bahnhof Amboise bis runter zum Campingplatz werde ich ziemlich nass. Eine englische Familie kommt auch im Regen an. Sofort haben wir Gesprächsstoff, bauen unsere Zelte im Regen auf. Als mein Zelt steht und grob eingeräumt ist, hört der Regen auf. Ich radele zu Stadt hinüber, ich brauche Lebensmittel und mein Fahrrad Luft und eine Ventilkappe.wir bekommen alles, ich schaffe Rad und Einkauf zurück und laufe nochmal in den Ort hinüber. Später beim Abendessen wird mir Platz auf eine der Picknickbänke gemacht. Überall sitzen buntgemischte Nationen zusammen und unterhalten sich miteinander. Es ist richtig schön.

 

Mittwoch, 17.08.   60 km

 

Ich schrecke heute Morgen hoch, weil ich denke, dass es bestimmt schon acht ist, doch die Uhr zeigt sieben. Da ich nur eine kurze Etappe fahre, kann ich mi Zeit lassen. So bekomme ich das Zelt trocken,in dem sich jede Menge Kondenswasser gebildet hat. Viertel vor zehn lege ich ab. In Amboise muss man erst mal hoch auf's Plateau und bleibt dort oben bis Mosnes. Im oberen Ortstel von Charge fehlt der Hinweis, dass die Radfahrer rechts abbiegen müssen. Eigentlich müsste ich es ja wissen, aber ich bin unsicher. So fahre ich geradeaus, es geht nach unten und nach hundert Metern weiß ich mit Bestimmtheit, dass ich hier noch nicht entlanggefahren bin. Zum Umkehren habe ich keine Lust. Ich rolle ins Tal hinunter und lande auf der D751. Die kenne ich auch. Zudem ist sie fast flach. Im Nu bin ich in Mosnes. Dort kreuzt der Radweg und verläuft größtenteils entlang der Loire. InIch Rilly sur Loire kreuzt er wieder die D751 und steigt wieder den Berg hoch. Nee, ohne mich. Bis Chaumont sind es per Straße ohne Berg 3 km, per Radweg mit Berg 5 km. Die Entscheidung fällt nicht schwer. Von Chaumont, dass im Garten des Chateaus jedes Jahr Gartenkunst präsentiert, bis Candes sur Beuvron ist der Weg holprig, da Baumwurzeln den Asphalt nach oben getrieben haben. In Candes ist nochmals eine Steigung, dann geht es irgendwann auf Wegen mit versandeten Spurrinnen nach unten. Böserweise soll man nochmals nachoben, wenn man unten die Straße erreicht hat, aber wenn man das ignoriert und einfach die Straße , auf der ganz selten ein Auto kommt, weiterfährt, kommt der Radweg irgendwann von oben, vereinigt sich mit der Straße und führt dann eigenständig durch einen kleinen Park und durch Felder bis Blois. Der Campi gplatz liegt ca 4 km hinter Blois. Lange su he ich einen geeigneten Standort, installiere mein Zelt, mache mich bekannt mit einer gleichaltrigen, ebenfalls alleinreisenden Holländerin und radele zurück nach Blois. Ich will heute unbedingt das Chateau besichtigen. Beim Erklimmen der Anhöhe, auf der das Chateau steht, fängt es an zu tröpfeln und wird immer mehr. Ich schaffe es gerade noch, mein Rad an einem Fahrradgestell abzustellen - anschließen ist nicht mehr drin - und unters Dach des Office tourism zu flüchten, dann regnet es ordentlich. Als der Regen aufhört, schließe ich mein Velo an und starte die Besichtigung. Das Chateau birgt vier verschiedene Baustile und innen gibt es viel zu sehen. Als ich später überdacht ein kleines Bier genieße, kommt der nächste Schauer. Wie die Leute plötzlich alle rennen können. Gegen halb sieben kehre ich zurück zu meinem Zelt, immer wieder den Blick zum Himmel, wo sich eine bedrohliche dunkle Wand gebildet hat. Ganz trocken komme ich nicht ins Ziel, aber ich bin auch nicht so nass wie gestern. Im großen Aufenthaltszelt für Cyclists bin ich nicht allein.

 

Donnerstag, 18.08.    40 km

 

Als i h viertel vor sieben aufwache ist das Zelt sowas von nass von innen und von außen. Schnell räum ich alles raus, hänge Innenzelt und Groundsheet zum trocknen auf und stelle, als die Sonne erscheint, das Außenzelt in die Sonne. Erst dann räume ich in Ruhe die Packtaschen aus und ein. Nach dem Frühstück ist alles einigermaßen abgetrocknet, sodass ich nun auch die Zelttasche einräumen kann. Ich kann mir Zeit lassen, da i h nur bis Beaugency kommen will, um dort das Chateau zu besuchen. Wie immer mache ich sieben Kilometer vor dem Ziel in Lestiou bei der alten Waschstelle Pause, um die Füße ins klare Wasser zu halten. Auf dem Campingplatz suche ich lange nach einem geeigneten Platz, bau mein Zelt auf, quatsche mit den Nachbarn, probiere deren KTM Ebikes aus, mache große Wäsche und fahre anschließend hinüber ins Städtchen. Im Chateau sind nicht die üblichen Sachen wie Möbel , Teppiche und Gemälde zu sehen, sondern es gibt Lichtinstallationen mit Musik in den einzelnen Räumen. Man kann sich gemütlich niederlassen und alles auf sich wirkenlassen - z.B. Kombination aus van Gogh mit Original-NASA-Aufnahmen oder man fliegt durxh ein Meer von Wolkenkratzern, die an eine große gewölbte Decke projiziert werde. Original ist aber in einer kleinen Hauskabelle das Deckengemälde, das Jesus im Auge Gottes zeigt. Es ist einfach nur geil. Meine Nachbarn treffe ich in einem Cafe wieder, erzähle ihnen davon und werden mir abends berichten, dass sie auch ganz begeistert waren. Anschließend fahre ich zu Leclerc einkaufen und danach laufe ich nochmal zu Fuß rüber in die Stadt und sitze gemütlich mit einem Bierchen an der Loire im Liegestuhl. Abendbrot gibt es im Restaurant auf dem Campingplatz, meine dortigen Tischnachbarn kommen aus Wuppertal. Wir reden über Ausflugsziele per Rad in der Heimat und was es hier so zu sehen gibt. Ich kann ihnen gut über Entfernungen Auskunft geben.

 

Freitag, 19.08.   81 km

 

Ich wache erst 7.23 Uhr auf. Es ist trocken, aber der Himmel verhangen. Zwei Stu den späer starte ich. Halb zwölf habe ich Orleans hinter mir gelassen, kurz nach eins mache ich Rast in Chateauneuf sur Loire und gegen drei Rolle ich in Sully sur Loire auf den Campingplatz. Immer wieder gibt es leichte Schauer feinen Landregens, immer wieder Jacke an Jacke aus. Es sind kühle 19 Grad. Sehr selten kommt die Sonne durch, dann wird es auch gleich wieder unangenehm. Während der Fahrt denke ich an die Streckenaufteilung der nächsten Tage und merke nach den ersten zehn Kilometern, dass ich seit gestern mich im Wochentag geirrt hatte und das nur, weil ich beim Tagebuchschreiben gestern statt Donnerstag Freitag geschrieben hatte, allerdings mit dem richtigen Datum. Also heute ist Freitag und nicht Samstag und ich bin beruhigt. Inly unterhalte ich mich erstmal mit meinen Nachbarn. Es sind ältere Franzosen mit sehr geringen Englischkenntnissen. Ich habe eine Idee. Mein Smartphone hat eine Übersetzungsapp, die mir das, was sie erzählen, in deutsche Schrift übersetzt. Der weibliche Teil des Paares ist total begeistert. Immer wieder spricht sie was drauf. Dann gehe ich nach dem Zeltaufbau erstmal einkaufen, bringe den Kram zum Zelt, gehe Duschen, betreibe Kosmetik und laufe wieder rüber in die Stadt, wo ich in einer Braaserie mir einen Tisch reservieren lassen habe und jetzt zu Abend esse. Auf dem Rückweg regnet es wieder, ich habe mein Cape dabei und kann seelenruhig in normalem Tempo zum Platz laufen.

 

Samstag, 20.08.    81 km

 

Entgegen aller Befürchtungen war die Nacht wunderbar ruhig. Als ich gestern ankam, telefonierte ein Engländer lange und laut, so dass er auch im hintersten Winkel des Platzes zu hören war. Franzosen, die schon länger da waren, erzählten mir, dass er auch nachts laute Musik abgespielt und telefoniert hätte, aber betreffs Verständigungsschwierigkeiten er nicht reagiert hätte. Als ich sah, dass er den Platz verließ, schrieb ich einen Zettel in seiner Sprache, auf dem ich ihn um Rücksichtnahme bat und ihm mitteilte, dass die Rezeption über sein Verhalten Bescheid weiß. Er hielt sich diesmal an die Regeln und alle dankten es mir. Ansonsten hatte es bis kurz vor Mitternacht immer mal wieder Regen gegeben. Morgens um sieben ist das Zelt schon ein wenig abgetrocknet. Etwas Feuchtigkeit bleibt heute in sämtlichen Sachen drin. Viertel nach neun starte ich, gönne mir kaum Pausen und erreiche St. Satur um drei Uhr nachmittags. Es ist trocken, die Sonne scheint, ich räume alles aus den Taschen und lass es gründlich durchtrocknen. Vierw nach fünf mache ich mich auf den Weg zum Supermarkt und ärgere mich, dass ich nicht mit dem Fahrrad gefahren bin, da sich dort auch eine Velo-Werkstatt befindet, die bis sieben aufhat. Die hätten mir meine Gangschaltung richtig einstellen können. Nun ist es zu spät. Wieder auf dem Zeltplatz esse ich Abendbrot und mache tabula rasa mit dem ganzen Kartengedöns, was sich so angesammelt hat bzw. Plane die letzte Woche..

 

Sonntag, 21.08.     81 km

 

Um sieben wache ich auf. Die Nacht war kühl. Die Loire dampft. Und das Zelt ist feucht. Ich muss heute alles mit einer Restfeuchte einpacken. So richtig weiß ich noch nicht, wo ich die nächste Nacht verbringen werde, Nevers oder Chagny. Die Kühle hält sich lang, da auch die Wolken sich immer mehr verdichten. Halb zehn fahre ich los. Nach Menetreol bis zum Damm an der Loire ist der Weg furchtbar, da Baumwurzeln den Teer aufgetrieben haben. Nach dem Abzweig Pouilly sL beschließe ich, heute mal ni ht ewig Damm zu fahren, sondern der Straße über Herry, La Chapelle-Montlinard bis Argenvieres zu folgen, wo ich dann wieder auf den Radweg treffe. Es sind kaum Autos unterwegs und da es irgendwie stetig sanft und einmal nach einer kurzen Abfahrt mit Schwung etwas steiler nach oben geht, habe ich von oben den Blick auf ein wunderschönes Panorama. Als ich in Argenvieres wie immer eine längere Pause ei legen will, sehe ich hinter mir eine Regenwand kommen. Die Pause dauert nur eine Viertelstunde, dann sitze ich wieder im Sattel. Ich möchte solange wie möglich trocken bleiben. So erreiche ich nach 81 km den Campingplatz in Nevers. Jetzt no h nach Chagny zu wollen, würde bedeuten, hoch in die Stadt das Rad zum Bahnhof zu schieben, eineinhalb Stunden Zug zu fahren und dann nochmal 30 km mit dem Rad bis Chagny. Ich hab genug und checke in Nevers ein. Das Zelt wird aufgebaut und notdürftig eingeräumt. Die Sonne scheintinzwischen auch wieder und oh Glück, der campingplatz-Imbiss hat offen und bietet Pizza an. Erst jetzt merke ich, was ich für einen Hunger habe. Meine Nahrungsbilanz sieht für heute sehr mau aus: 1 Pott Kaffee, 1 Pott Milch, 2 Rosinenschnecken, 1,5 l Wasser. Also gibts erstmal ne Pizza mit Gemüse und ein kleines Bier, bevor ich einkaufen und zum Bahnhof gehe. Das Schöne in Frankreich ist, dass es Carrefour Express gibt, die auch sonntags den ganzen Tag geöffnet sind. Am Bahnhof gucke ich am Automaten nach einem Zug nach Montchanin für den morgigen Tag. Das Ticket würde 21 € kosten, über die App zahle ich 12 €. Später auf dem Platz berechne ich die Routen für die letzte Woche, esse ein heilloses Abendbrotdurcheinander, räume im Zelt alles an seinen Platz und schreibe Tagebuch.

 

Montag, 22.08.             37 km

 

Wie immer werde ich um sieben munter. Die Luft ist feucht, aber es regnet nicht. MeinZug fährt zwar erst um 11.30 Uhr, aber vorher muss ich noch zu Monoprix, weil meine Schwester Mitbringwünsche hat. Viertel nach acht steht nur noch das Zelt da. Die Rezeption hat zwar seit acht geöffnet, mein bestelltes Baguette gibt es aber erst ab neun. Nun gut, dann packe ich jetzt halt zu Ende und dann wird gefrühstückt. Gegen zehn nach einem gemütlichen Frühstück schiebe ich los. Ich hoffe, dass ich trocken ankomme, da von allen Seiten dicke schwarze Wolken Nässe ahnen lassen. Durch den Umweg erreiche ich letzten Endes den oberen Teil der Stadt mit nur sachten Steigungen. Schließlich bin ich zehn vor elf am Bahnhof. Um eins mittags erreiche steige ich in Montchanin aus und weiß noch immer nicht, wie weit ich heute fahren werde. Zuerst mal spare ich drei Kilometer, weil ich runter nach Erquisses die Straße nehme. Und dann rollts. Mit teilweise weit über 30 km/h rase ich die Schleusentreppe hinab, und bis kurz vor Chagny geht es weiter sacht bergab. Aber es sind hier nur wenige weiße Wolken und es ist warm. Der nächste Campingplatz wäre in Gergy, aber so berauschend wäre das nicht. Ich checke in Chagny ein und beschließe, mir die Stadt und den Hafen mal intensiver anzuschauen. Meist war ich hier immer nach einer langen Etappe und da war ich zu k.o. Ich habe die Rechnung ohne meine Nachbarin gemacht, einer älteren Radfahrerin aus der Schweiz. Schon vorm Aufbau unserer Zelte fangen wir einen Erfahrungsaustausch an. Später als wir vom Einkauf zurück sind, geht die Unterhaltung weiter. Wir sitzen auf einer Decke im Schatten, vor uns die Karte mit den Radpisten ganz Frankreichs (meine ist daheim in Deutschland geblieben) und checken zudem wie Ursula in drei Wochen per Zug zurück in die Schweiz kommt. Da ich mich ja in puncto Zugverbindungen intensiv vorbereitet hatte, kann ich ihr da prima Auskunft geben. Zu Abend speise ich im Campingplatzrestaurant und danach mache ich doch noch einen Streifzug ins immer dunkler werdende Chagny. Mutterseelenallein bin ich meist in den Straßen und da die Menschen in ihren Wohnungen die abkühlende Abendluft hineinlassen, kann ich auch einen Blick in die Wohnungen werfen. Es ist immer wieder interessant, wie Menschen leben.

 

Dienstag, 23.08.   Bis crissey 21 km und dann  39 Km +  5 km Hafen = 65 km

 

Ich habe schlecht geschlafen und wach zwanzig vor sieben auf. Erstmal Kaffee und dann gleich das Zelt ausräumen, da auf dem Außenzelt innen und außen Kondenswasser ist und es umgesetzt werden muss an einen Platz, wo die Sonne gleich scheinen wird. Das innenzelt und das Groundsheet hänge ich einfach übers Volleyballnetz. Dann kann ich in Ruhe auf der Picknickbank, die bei mir steht packen. Viertel vor neun frühstücke ich gemeinsam mit Ursula,  it ihr würde ich gern weitere Abende oder Morgen verbringen. Doch dann müssen wir leider beide den Rest zusammenpacken und in verschiedene Richtungen aufbrechen. Im “Casino“ mus ich noch was besorgen, drei Leute stehen vor mir an der Kasse und mit allen muss die Kassiererin erstmal ein Schwätzchen halten. Gegen zehn bin ich am Ortsausgang von Chagny und um eins in Mont-?, wo ich immer Rast mache an einem kleinen Picknickplatz unter einem Baum mit großer Krone. Ich bin erstaunt, das es erst eins ist. Es ging die ganze Zeit ab Chrissey aufwärts, erst sacht da gegen den Strom der Saone, ab Verdun dann schön stärker mit leichtem Gegenwind von seitlich vorn. Die paar letzten Kilometer bis Seurre ziehen sich. Ich wollte eigentlich bis mindestens St. Jean de Losne kommen, aber ich habe mich zu sehr verausgabt, also checke ich gegen zwei in Seurre auf dem Campingplatz ein. Gemütlich baue ich auf, lasse alles aus den Taschen in der Sonne trocknen, da die Sachen heute Morgen die Feuchtigkeit aus der Luft gezogen hatten. Duschen, Wäsche waschen, alles schön in Ruhe. Danach schlendere ich gegen vier hinüber in die Stadt und drücke mich ur im Schatten herum, da schon wieder 31 Grad sind. Irgendwann finde ich den Weg in die Kirche. Dort wird gerade die Orgel für ein Musikevent am Sonntag vorbereitet. Ich höre mindestens eine halbe Stunde lang zu. Zwischenzeitlich mache ich ein Video vom Orgelspiel und höre es in einer Pause kurz ab. Oben von der Orgelempore guckt ein Mann, wahrscheinlich der Kantor, verwundert herunter. Ich gucke schuldbewusst, entschuldige mich, verbeibe aber in der Kirche. Später kommt der Mann nach unten, um zu hören, wie das Originalorgelspiel klingt, entdeckt mich. Ich bedanke mich für die Musik und ich bekomme noch eine Konzertflyer in die Hand. Später in der Campingplatzbrasserie, als ich gerade bezahlt habe, begegne ich drei Männern, von denen der eine mich ganz freundlich grüßt - es ist der Mann aus der Kirche. Nach dem Abendessen fahre ich nochmal rüber zu Stadt und noch ein wenig die Saone entlang, um die Abendstimmung einzufangen.

 

Mittwoch, 24.08. 42 Km

 

Gestern bin ich schon um 23 Uhr eingeschlafen und war schon Viertel vor siebn wach. Die Sonne kommt auch raus und ich packe ohne jeglich Eile. Kurz nach neun starte ich. Ich habe Gegenwind. Bis Pagny nehme ich wie immer die Landstraße und nicht den Radweg, der bedeutend länger ist. Und dann probiere ich einfach mal aus, wie die Landstraße bis Losne sich fährt. Der Radweg zwischen Pagny und Losne ist größtenteils eien einzige Huckelpiste und macht keinen Spaß zu fahren. Es geht zwar ganz leicht aufwärts, aber die Straße ist wunderbar glatt. Ab Losne geht es wieder auf den EV6 noch ein wenig die Saone entlang und dan den Canal Rhone au Rhine. Am Picknickplatz Aubergement trinke ich diesmal nur kurz was, weil ein Blick auf die Uhr mir verät, dass ich es noch bis 12 Uhr nach Dole zum Campingplatz schaffen könnte. Der Anstieg bis Dampiere Zetrum nervt, genauso der ewige Gegewind, weil man sogar treten muss, wenn es ein wenig bergab geht. Als ich die Kathedrale von Dole erblicke, begrabe ich sämtliche Hoffnungen, den Campingplatz noch vor dessen Mittagspause zu erreichen, weil irgendwo eine Kirchturmuhr mehrfach gongt, so dass ich denke, es hat zwölf geschlagen. Trotzdem steuere ich den Platz an und bin erlei hert, dass die Rezeption noch geöffnet hat. Und, es ist fünf vor zwölf. Super, ich muss also keine zwei Stunden warten. Bis 14.30 Uhr trödele ich herum, dann gehe ich in die Stadt und steuere als erstes eine Patisserie an, da mein Magen knurrt. Dann bummele ich durch die Straßen und Gassen und einen Park, wo es sich bei der Hitze gut aushalten lässt. Außerdem ersteh ich noch die letzte Flasche meines Lieblingsweines Jahrgang 2019. Wieder zurück auf dem Campingplatz hat mal wieder eine Familie mit kleinen Kindern sehr nah an meinem Zelt ihr Zelt aufgeschlagen und das nur wegen der Picknickbank. Ich habe glücklicherweise mein Zelt noch nicht eingeräumt und kann es dadurch versetzen. Ich habe einfach keine Lust, mir abends ewiges Kindergequengel aus dem Nachbarzelt in unmittelbarer Nähe anzuhören. Es wäre für das Zelt so viel Platz gewesen. Noch dazu grent dies jetzt fast an die Straße, wo die Wohnmobile morgens teilweise schon sehr früh abfahren. Anschließend fahre ich nochmal an den Rand der Stadt, weil ich da heute was Interessantes entdeckt habe, und von da aus noch zum Supermarkt. Ich bin kaum zurück, da kommen drei alte Radwanderinnen. Glücklicherweise habe ich mein Rad so abgestellt, dass sie mir nicht zu nahe kommen können. Ich warte noch ab, bis ihre Zelte stehen, dann gehe ich ins Campingplatzrestaurant zum Abendessen. Fast alle Tische sind diesmal reserviert, aber ich erwische einen freien Vierertisch und habe später noch zwei Radwanderer mittleren Alters aus München als Gesellschaft. Ich schenke ihnen meine Reisebroschüre, die den EV6 von Montbeliard bis Sancerre abbildet, da sie vorher nicht wussten, dass es diesen Radweg gibt und auf alle Fälle noch bis Chalon ihm folgen werden. Außerdem sind sie dankbar für die Insidertipps, wo sie Umwege vermeiden können, denn sie haben noch einen weiten Weg bis Arcachon vor sich.Tagebuch schreibe ich wie immer hier im Waschhaus, weil man da so schön sitzen kann.

 

Donnerstag, 25.08.   15 km

 

Ich bin zeitig wach und kann mir Zeit lassen, denn mein Zug nach Besancon fährt erst um Viertel vor elf. ich mache mich trotzdem früh auf den Weg - der Bahnhof ist natürlich am oberen Ende der Stadt. Der Zug hat fünf Minuten Verspätung. In Besancon irre ich mal wieder umher, folge dann dem Fußweg zur Citadelle, gerate tatsächlich auf den Eurovelo 6, allerdings genau auf der Seite der Zitadelle, wo ich auch angekomen wäre, wenn ich die Strecke von Dole nach Besancon mit dem Rad gefahren wäre. Auch schön. Somit kann ich nämlich nochmal durch den Tunnel unter der Citadelle fahren. Ab da kenne ich mich aus. Zehn nach zwölf bin ich am Campingplatz. Die Rezeption ist von zwölf bis zwei geschlossen, was mich nicht davon abbringt, zu klopfen und zu fragen, ob ich aud das v o n mir reservierte Emplacement kann. Ich darf, nur dass dieses belegt ist. Ich schließe meine Taschen im Fahrradverließ in zwei Schließfächer ein und postiere mich mit Sudoku vor der Rezeption. Die Nachbarin vom belegten Platz ist aus Tutlingen und gesellt si h gegen zwei zu mir. Wir kommen ins Gespräch. Als die Rezeption öffnet, bekomme ich zwar nicht den reservierten Platz, dafür aber einen anderen von mir ausgesuchten Platz. Ich stelle das Zelt auf, lege nur die Isomatte rein, alles Andere verbleibt in den Schließfächern. Bis um zehn abends, wenn der Rau. Abgeschlossen wird, werde ich ja wohl zurück sein. Dann eile ich zur Tram, fahre rein i. Die Stadt und merke schon, dass ich den Zug um halb vier nach Arc et Senans nicht erreichen werde. Der nächste wird um zehn vor fünf fahren. Kann man nichts machen. Ich habe Hunger, hole mir bei Monoprix was zu essen und zu trinken, erspähe die Hinweisschilder für Fußgänger zum Bahnhof, folge ihnen und habe einen Aha-effekt, als ich erkennen muss, dass das auch der Radweg ist. Wenn man von oben vom Bahnhof kommt und dem Hinweis für Radfahrer folgt, sieht das so aus, als würde man gleich vor einer Treppe stehen. Tatsächlich gibt es richtige Stufen und daneben sind immer so eine Art Schrägen ählich wie abgesenkte Bordsteine. Die Königlichen Salinen in Arc et Senans sind sehr interessant. In den Häusern sind Museen, die sich dem Architekten Ledoux und dem Salz widmen. Die Gärten um die Salinen herum wurden von verschiedenen Künstlern gestaltet. Leider lässt die Trockenheit dieses Jahres die Schönheit etwas verblassen, aber es gibt da auch Ruhepole. Zuletzt gerate ich in einer Salinenhalle i. Die Probe von Orchester und Solisten, die für ein Konzert am Samstag proben. Schön ist das. Man spielt Berlioz. Mein Zug zurück nach Besancon soll um 19.31 Uhr fahren und hat Verspätung. Als ein Zug kommt, fragt der Zugführer mich, wo ich hin will. Ich sage ihm Besancon, er stutzt, nickt, geht in seinen Führerstand und fährt los. Die Sache hat einen Haken, der Zug fährt nach Dole. Na super, da hätte ich heute Morgen auch in Dole bleiben können. Der Campingplatz wäre zumindest halb so teuer gewesen. Ich checke, ob und wie ich nach Besancon komme und hoffe, dass dann dort auch noch die Tram zum Campingplatz fährt. Der Zug ereicht sein Ziel um Viertel vor neun, die Tram vom Bahnhof bis zur Haltestelle, wo ich umsteigen muss, fährt sofort, aber dann muss ich fast ne halbe Stunde warten, bis meine Tram fährt. Diese Fahrt wird 21 min dauern und dann muss ich noch fünf bis zehn Minuten laufen. Wenn ich Glück habe, schaffe ich es noch, an meine Taschen zu kommen, bevor der Fahhradraum abgeschlossen wird, sonst muss ich mir bei irgendwen wenigstens eine Decke borgen für die Nacht. Ich habe doppelt Glück. Brim Warten auf die Tram entdecke ich ganz in der Nähe eine Miniepicerie, wo ich ein Nudelgericht für die Mikrowelle, ein Leffe Ruby und Bananen kaufen kann. So ausgestattet warte ich essend und trinkend auf meine Tram, die pünktlich kommt. Beim anschließenden Fußmarsch eile ich schnell wie noch nie quer über den Parkplatz des Einkaufszentrums nach unten zum Campingplatz. Das letzte Stück von dort bis zum Platz ist unbeleuchtet, aber inzwischen kenne ich auch die Taschenlampenfunktion meines Smartphones. Zehn Minuten vor zehn hole ich meine Taschen, gehe no hmal kurz bei der Frau aus Tutlingen vorbei, um zu berichten, ob sich ein Besuch in Arc et Senans lohnt, erzähle ihr von meiner anschließenden Odyssee und bekomme von ihr sogar noch gesagt, dass ich von ihr sogar einen Schlafsack bekommen hätte. Um 22.35 Uhr liege ich in meinem eigenen Schlafsack im Zelt.

 

Freitag, 26.08.  65 km

 

Halb sieben wache ich auf, was mir sehr gelegen kommt. Der Zug um 10.14 Uhr müsste zu schaffen sein. Um neun Uhr starte ich, um 9.42 Uhr bin ich nach 11 km Fahrt am Bahnhof und buche über die SCNF-App mein Ticket nach Montbeliard. Im Zug komme ich mit einem deutschen Ehepaar ins Gespräch, dass von einer Wandertour mit Zelt und Rucksack durch die Pyrenäen zurückkommt. Ihre großen Wanderrucksäcke haben sie in der Gepäckablage über den Sitzen verstaut. Irgendwann passiert es. Beide machen sich selbständig. Erst kracht mir der eine ins Genick, dann der andere, während ich noch den Schmerz verarbeite, auf den Kopf. Glücklicherweise hat mein Körper das gut weggesteckt. Um 11.10 Uhr starte ich in Montbeliard mit dem Rad gen Mulhouse - diesmal mit Rückenwind - und erreiche den Campingplatz nach 54 km ca viertel vor drei. Die Schleusentreppe bei Retzviller macht heute besonderen Spaß. Es geht rasant bergab mit dem Wind im Rücken. Mir tun die entgegenkommenden Radwanderer leid, die gegen den Wind hochstrampeln müssen, da ich das ja auch kenne. Bis Dannemarie, wo ich Rast mache im dortigen Bistro, sind es 14 Schleusen kurz hintereinander. Danach bis Mulhouse-Campingplatz sind es nochmal 25. Nachdem ich in Ruhe mein Zelt aufgebaut und Wäsche gewaschen habe, laufe ich in die Stadt, gucke mir die Auslagen an, esse Mille feuille mit Blick auf den Marktplatz und ein altes Kinderarussell, wo die Erwachsenen neben ihren Kindern stehend mitfahren dürfen, kaufe noch ein paar Leckereien und flitze dann zum Campingplatz zurück, da sich am Himmel was zusammenbraut und meine Wäsche ja noch auf der Leine hängt. In der kurzen Zeit, die ich dann am Zelt bin, versuchen die Kriebelmücken einen Großangriff. Zwei müssen mich am Bein erwischt haben, denn da sind deutliche Spuren von aufgerissener Haut und Blut zu sehen. Auch wenn es noch relativ warm ist, ziehe ich lange Hosen an und ein langärmeliges Shirt. Die tagelang juckenden großen Quaddeln möchte ich nicht haben. Zum Abendbrot gibt es nochmal ein schönes kühles Grimbergen Rouge, das ich für eine halbe Stunde ins Gefrierfach des Gemeinschaftsraumes gelegt hatte, und danach schreibe ich erstmal die Tagebucheintragung vom Vortag. Als ich halb elf zu meinem Zelt komme, hat sich doch tatsächlich zwischen meinem und dem des Nachbarn noch ein Zelt in gerade mal 3 m Abstand gestellt, obwohl noch ganz viel freie Fläche war. Bis elf rumort es darin. Es war wiedermal so ein Spätankömmling.

 

Samstag, 27.08.  49 km

 

Ich bin wie immer zeitig wach. Dabei kann ich mir heute Zeit lassen. Ich fange trotzdem an zu packen, fliehe aber alsbald mit meinem ganzen Gepäck von der Wiese, weil ich schon wieder von Kriebelmücken umschwirrt werde. Es gibt eine große asphaltierte Stelle, wo ich insektenfrei packen kann. Beim Frühstück lasse ich mir Zeit und starte schließlich halb zehn. Der Unterkunft in Weill am Rhein, in der ich die kommende Nacht verbringen werde, teile ich noch kurz mit, dass ich schon zwischen zwölf und eins mittags ankommen werde. Tatsächlich fahre ich um kurz nach zwölf über die Europabrücke bei Basel und erreiche die Unterkunft viertel vor eins. Der Schlüssel ist an einer bestimmten Stelle für mich hinterlegt, so dass ich schon mein Zimmer beziehen kann. Auf dem Tisch steht eine Obstschale mit einem Schokopain. Es sind Tee und Kaffee vorhanden und ein Kühlschrank. Meine Vermeiterin wird erst gegen vier kommen. Erstmal dusche ich. Dann ziehe ich m it meiner Campingausrüstung nach draußen in die inzwischen scheinende Sonne, breite Zelte, Matte, Schlafsack und Groundsheet auf dem leeren Hausparkplatz auf und mache es mir gemütlich in einer schattigen Sitzecke. Damit bekomme ich alles ordentlich trocken und kann nach einer halben Stunde alles verpacken. Meine Unterkunft liegt am Ende der langen Einkaufsstraße, die ich anschließend entlangbummele, und in einem Café esse ich Schwarzwäderkirschtorte und Rührei. Auch den alten Ortskern erkunde ich.

Mit der Vermieterin regle ich das Finanzielle und halte ein Schwätzchen. Als ich dann um 17 Uhr in meinem Zimmer bin, kommt ein ganz böses Erwachen. Bei der Kontrolle, ob mein Bahnticket für den nächsten Tag vorhanden ist, lese ich, dass der Reisetermin gestwern war. Ich gucke in die Bahn-App - dort steht das auch. Heiliger Bimbam! Ich brauche ein neues Ticket für mich und mein Rad und das für sonntags. Ich bekomme tatsächlich noch eine Vernindung mit Umsteigen in Mannheim angezeigt für morgens 6.13 Uhr. Schnell buche ich, packe alles soweit zusammen, dass morgens nur noch die Zahnbürste und die Nachtwäsche in die Packtaschen müssen, und fahre die Strecke zum Baseler Bahnhof ab - einmal vier km bergab und später wieder bergauf - , obwohl es sehr regnerisch aussieht, denn morgens um fünf, wenn ich losfahre, wird es noch finster sein - ich will mich nicht verfahren.später gehe ich noch schön vietnamesisch essen und verbringe den Rest des Abends imm Bett vor dem Fernseher.

 

Sonntag, 28.08.   5 km

 

Ich werde halb fünf wach - auch gut, kann ich noch einen Kaffee trinken. Kurz nach fünf mache ich mich auf den Weg. Am Grenzübergang kommt der Zoll kurz auf mich zu, stuft mich aber schnell als harmlos ein. Halb sechs bin ich am Bahnhof, 6.15 Uhr sitze ich im Zug, der nicht weiterfährt. Kurz nach sieben dann die Nachricht, dass der Zug ausfällt. Was nun? Vom Zugpersonal bekomme ich die Auskunft, dass alle Fahrradstellplätze in anderen Zügen ab Freiburg belegt sind. Man schickt mich zum Reiszentrum. Dass öffnet aber erst um 8 Uhr. Also flitze ich zurück zum Bahnsteig, wo in Kürze ein IC Richtung Hamburg abfahren soll. Erstmal wieder in Deutschland sein - später wird sich schon eine Lösung finden. Ich bin allein im Fahrradbereich. Der Zugbegleiter, der ja in einer App sehen kann, welche Plätze von wo nach wo belegt sind, fragt mich, ob ich gebucht habe. Ich erzähle ihm vom Zugausfall und dass ich erstmal bis Freiburg aber eigentlich bis Mannheim fahren will. Nach einigen Minuten kommt er nochmal zu mir und teilt mir mit, dass ich bis Mannheim mitfahren darf. Puh, Glück gehabt! In Freiburg steigt ein weiterer gestrandeter Radwanderer zu, der bis Frankfurt fahren muss. Inwischen haben Leute umgebucht, wegen der massiven Verspätung, die unser Zug inzwischen hat, und so kann er bis zum gewünschten Ort fahren. In Mannheim steige ich erstmal aus, lasse die draußen wartenden Radfahrer hinein, sehe, dass zwei Plätze frei bleiben, steige ganz fix wieder ein und fahre auch bis Frankfurt. Der Bahnhof ist ein Kopfbahnhof und voller Menschen, der Fahrradbereich am Ende des Zuges, sodass es nur langsam vorangeht. Es wird bald ein Regionalexpress nach Koblenz fahren. Den Zug verpasse ich aufgrund der Menschenmassen haaarscharf (es ist das letzte Wochenende, an dem man mit dem Neun-Euro-Ticket fahren kann), muss als eine Stunde auf den nächsten Zug warten. Ich bringe mein Fahrrad in die Poolposition und sobald der ankommende Zug all seine Passagiere ausgespuckt hat, bin ich drin. Das wäre erstmal geschafft. In Koblenz wird es noch schlimmer. Am Fahrstuhl ist eine lange Schlange, an die sich bis auf zwei dicke Damen mittleren Alters, alle brav hinten anstellen, wohl wissend, dass man den Anschlusszug nicht erreichen wird. Ausgerechnet diese beiden Damen machen einen Riesenterz als nur noch eine in den Fahrstuhl passt. Da der Regionalexpress in Richtung Düsseldorf, wie auch der andere Zug, Pendelzüge sind, habe ich mit meinem Rad eine reelle Chance, mitgenommen zu werden. Und so ist es auch. Ich habe einen Stellplatz und einen Sitzplatz. In Andernach stehen wir eine halbe Stunde, da wir einen IC und eine Regionalbahn vorbeilassen müssen. Der IC kommt, die RB nicht, so dass wir trotzdem irgendwnn weiterfahren. Zwei Min uten nach Weiterfahrt kommt über Bordfunk die Durchsage, dass wir Glück gehabt haben, da ein hinter uns fahrender Güterzug inzwischen liegengeblieben sei. Unser Zug wird immer voller und kommt aufgrund dessen, dass immer wieder Menschen die Türen blockieren, mit fast einer Stunde Verspäötung in Köln an. Dort positioniere ich mein Rad schonmal in Türnähe, da ich nicht bis Düsseldorf-Hauptbahnhof faahren werde, sondern ich schon ein Station eher aussteigen kann. Abends um sieben bin ich endlich daheim.

Im Nachhinein staune ich, dass ich den Tag einigermaßen ruhig überstanden habe, wahrscheinlich weil 4 Wochen Natur-Urlaub hinter mir liegen.

 

 

Insgesamt bin ich 1763 km gefahren - nicht so viel wie sonst, aber ich war gehandicapt und untrainiert.

Aber den Großteil der Kilos, die ich zuviel auf den Rippen hatte, sind verschwunden, obwohl ich es mir in diesem Jahr in Frankreich kulinarisch richtig gutgehen ließ.

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